RWI-Bericht

Nur „knapp vier Prozent der Intensivbetten benötigt“: Wie sich Corona im Jahr 2020 auf Kliniken ausgewirkt hat

Eine Intensivpflegerin versorgt auf der Intensivstation am Klinikum Braunschweig einen an Covid-19 erkrankten Patienten. Wie sich die Corona-Pandemie im Jahr 2020 auf deutsche Kliniken ausgewirkt hat, wird im RWI-Bericht beleuchtet. (Archivbild)
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Eine Intensivpflegerin versorgt auf der Intensivstation am Klinikum Braunschweig einen an Covid-19 erkrankten Patienten. Wie sich die Corona-Pandemie im Jahr 2020 auf deutsche Kliniken ausgewirkt hat, wird im RWI-Bericht beleuchtet. (Archivbild)

Ein neuer Bericht zeigt, wie es im ersten Jahr der Corona-Pandemie um die Auslastung von Klinikbetten bestellt war. Eine Ursache für niedrige Zahlen liegt auf der Hand.

Kassel – Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlicht regelmäßig Projektberichte über ökonomische Entwicklungen in Deutschland – und deren Ursachen. In einem aktuellen Bericht informiert das gemeinnützige Zentrum für wissenschaftliche Forschung unter anderem, wie ausgelastet deutsche Kliniken im Jahr 2020 waren. In der Veröffentlichung mit dem Titel „Analysen zum Leistungsgeschehen der Krankenhäuser und zur Ausgleichspauschale in der Corona-Krise“ kamen die Forscher zu folgenden Ergebnissen:

  • 2020 wurden in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie Mitte März weniger Menschen im Krankenhaus behandelt (minus 13 Prozent).
  • „Im Resultat sank die Bettenauslastung auf ein Allzeittiefpunkt von 67,3% (und 68,6% auf den Intensivstationen)“, heißt es im RWI-Bericht. Berücksichtigt wurde hier auch die Versorgung der Covid-Patienten.
  • Im Jahresschnitt wurden für die stationäre Behandlung von Corona-Patienten im Jahr 2020 zwei Prozent aller Betten und knapp vier Prozent der Intensivbetten benötigt, informiert das RWI weiter: „natürlich mit zeitlichen und geographischen Spitzen“.

Weniger Patienten in den Kliniken im Jahr 2020: Wie sind die Zahlen einzuordnen?

Vor dem Hintergrund, dass im letzten Jahr niemand die Entwicklung der Corona-Pandemie vorhersehen konnte, wurden Bürger angehalten, verschiebbare Operationen noch nicht durchführen zu lassen. Doch dies könne dem RWI-Bericht zufolge nicht erklären, warum die Bettenauslastung 2020 in Kliniken verhältnismäßig gering war. Zum Beispiel bei Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Krebserkrankungen war der Rückgang in diesem Ausmaß unerwartet, heißt es.

Allerdings gilt mittlerweile auch als bewiesen, dass viele Menschen während der Corona-Pandemie Arzttermine zur Früherkennung nicht wahrgenommen haben aus Angst vor einer Corona-Ansteckung in der Arztpraxis. So lassen sich auch verspätete Diagnosen und verspätet einsetzende Therapien der Krebserkrankung erklären, was mehr Krebstote zur Folge hat, wie ein Forscherteam um Dr. Timothy Hanna vom Ontario Institute for Cancer Research herausfand.

Dem RWI-Bericht zufolge war es nicht die Absage von Behandlungen durch die Kliniken selbst, die für die geringere Bettenauslastung verantwortlich waren. Vielmehr lag die Ursache im „Inanspruchnahmeverhalten“ der Patienten. Verunsicherung während des Lockdowns, Angst vor Ansteckung im Krankenhaus und damit einhergehende Verharmlosung von Symptomen können hier als mögliche Gründe aufgeführt werden.

Mehr über gefährliche Krebsverläufe während der Corona-Pandemie erfahren Sie hier: Lockdown senkt Corona-Zahlen aber begünstigt zwei lebensbedrohliche Krankheiten: Arzt mit eindringlichem Appell.

Kleine Kliniken spielten 2020 eher „kleine Rolle“ in Hinblick auf die Versorgung von Corona-Patienten

Im RWI-Bericht wurde außerdem aufgeschlüsselt, wie die Situation in eher kleinen Krankenhäusern im Jahr 2020 war:

  • „Der Rückgang der Fallzahlen (-14%) und insbesondere der Verweildauertage (-15%) war besonders ausgeprägt in den über 900 Krankenhäusern mit weniger als 300 Betten“, so der Bericht.
  • Hier waren die Betten nur noch zu rund 62 Prozent ausgelastet.
  • Ebenso ging die intensivmedizinische Behandlung in diesen eher kleinen Kliniken zurück. „Zugleich spielten sie bei der COVID-19-Versorgung mit 27% der stationären Fälle und 24% der intensivmedizinisch behandelten Fälle nur eine kleine Rolle“, heißt es im Bericht.

Zum RWI-Projektbericht

Doch hier muss der Personalmangel im Bereich der Krankenpflege und generell der medizinischen Versorgung genannt werden – der im RWI-Bericht keine Erwähnung findet. So müssen Corona-Patienten oftmals intensiver betreut werden als andere Patienten auf der Intensivstation – etwa, wenn ein Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine nötig wird. In diesem Fall „darf der Patient nie allein gelassen werden“, wird der Intensivpfleger Klaus Hampl aus Mainz vom SWR zitiert. Erst wenn die Ablösung komme, kann man sich vom Bett des Patienten entfernen. Fehlt es an Pflegepersonal, wäre eine komplette Auslastung von Intensivbetten und Klinikbetten generell demnach ein großes Problem.

Ende April 2021 mehr als 5.000 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt

„Nach dem bisherigen Höhepunkt der Zahl intensivbehandelter Patientinnen und Patienten Anfang Januar mit etwa 5.800 Covid-belegten Intensivplätzen haben wir in der dritten Welle Ende April 2021 mit mehr als 5.000 Covid-belegten Intensivbetten den Höhepunkt erlebt. Seit Anfang Mai sinkt die Zahl allerdings kontinuierlich und spürbar. Der Höhepunkt der ersten Welle im Frühjahr 2020 lag bei ca. 2.900 mit Covid-Erkrankten belegten Intensivbetten“, informiert die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Die aktuellen Kapazitäten in den Krankenhäusern können Sie dem DIVI-Intensivregister entnehmen

Mehr Quellen: https://www.rwi-essen.de/das-rwi/

Weiterlesen: Gesichtslähmung als mögliche Komplikation nach Corona-Impfung: So oft kommt es wirklich zur Fazialisparese.

(jg)

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
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