Unter der Dusche üben

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Nicht nur Sänger und Schauspieler sollten auf ihre Stimme achten und sie trainieren. Die Stimme ist für viele Berufstätige eines der wichtigsten Arbeitsinstrumente. Menschen, deren Stimmen im täglichen Berufsleben stark beansprucht werden, tun gut daran, ihre Stimme, schonend, effektiv und wirkungsvoll einzusetzen.

Wer Warnsignale durch Überbeanspruchung überhört, bekommt häufig die Quittung dafür: das Sprechen wird anstrengend, die Stimme klingt angestrengt oder setzt ganz aus, Schleimhäute werden anfälliger für Infekte.

Beim pädagogischen Tag der MPS Sachsenhausen, der ganz im Zeichen vorbeugender Gesundheitsmaßnahmen stand, befasste man sich unter anderem mit dem Thema Stimme und Körpersprache. Stimm- und Sprechtrainerin Isabelle Voigt, Referentin der Frankfurter Medical Airport GmbH, überzeugte die Lehrer mit einer Fülle von Informationen, praktischen Übungen und alltagstauglichen Tipps. Stimmbildungstechniken sorgen für eine nachhaltige Verbesserung des Stimmklanges. Atem- und Stimmübungen lösen sofort spürbar angenehme Veränderungen aus. Die Durchblutung wird verbessert, Wärme, Lockerheit und Beweglichkeit gefördert. Der wirksame Einsatz von Körpersprache kann die Stimme schonen und dient damit letztlich der Gesundherhaltung.

Präsenz zeigen

Menschen nehmen einander in erster Linie über nonverbale Kommunikation wahr, erklärte Voigt. Davon ausgehend, zeige sich wie wichtig es sei, die eigene stimmliche und körperliche Präsenz nicht nur wahrzunehmen, sondern bestenfalls gezielt einzusetzen. Sehr gut kamen die Übungsbeispiele an, die auch ABCD-geeignet seien. Auf die Frage nach der Bedeutung erklärte Voigt lachend die Abkürzung: Man könne die Übungen im Auto, Bad, auf dem Klo und unter der Dusche praktizieren. Orte, an denen man ungestört sei.

Singen, Seufzen und Gähnen seien gut zur Lockerung der Stimme, am besten lasse man dabei die Schultern kreisen und beuge gleichzeitig Schulter- und Nackenverspannungen vor. Die münden häufig in der Kehlkopfmuskulatur und können dort ein stimmliches Ungleichgewicht zur Folge haben. Richtige Pausen beim Sprechen lassen den Zuhörer nicht ermüden und die eigene Stimme nicht verspannt erscheinen: Mit Hilfe von Entspannungsverfahren und auch Artikulationsübungen mit einem Korken im Mund tue man viel für eine gute saubere wohltuende und sich selbst nicht belastende Stimme.

Voigt zeigte Übungen zur Präsenz „dann brauche ich nicht alle Kraft in meine Stimme legen, erhalte trotzdem Aufmerksamkeit“ und erklärte die Wichtigkeit, stimmlich und körperlich unabhängig von Emotionen zu bleiben. Auch in heiklen Situationen könne man mit der richtigen Technik durch einen professionellen Auftritt Ruhe bewahren und Stress vermeiden. Hinweise zu Blickkontakten, Mimik und Gestik, die Wahrnehmung beim Händeschütteln und beispielsweise Tipps, dass Räuspern schlecht für die Stimmbänder sei, ließen den Vormittag viel zu schnell vergehen.

Tipps zum Nachmachen

  • Atmung

Ausstrahlung von Ruhe und Souveränität durch tiefe und gleichmäßige Atmung

  1. Stellen Sie sich aufrecht hin und atmen Sie durch den ganzen Körper hindurch.

2. Schließen Sie die Augen und denken Sie an Ihren Lieblingsduft.

3. Atmen Sie den Duft ein und spüren Sie, wie der Atem in Ihren Bauch geht und wie Sie ein Gefühl von Weite empfinden

4. Atmen Sie auf ein „ffffffffffff“ langsam wieder aus. Wiederholen Sie die Übung einige Male.

  • Stimme

Diese Übung können Sie vor längerer Sprechbelastung oder zwischendurch machen, um Ihre Stimme zu entwickeln:

1.Zählen Sie in Ihrer üblichen Sprechweise und in mittlerer Lautstärke von eins bis zehn.

2. Nun wiederholen Sie den Zählvorgang und werden immer langsamer. Fangen Sie an, Vokale zu ziehen, bis Sie sie langsam zählen.

3. Jetzt sind Sie bei Ihrem Eigenton angekommen. Wiederholen Sie diese Übung und prägen Sie sich Ihren Eigenton ein.

4. Als weitere Möglichkeit können Sie immer wieder ein „mmmh“ einfügen, so wie Sie es machen, wenn es Ihnen sehr gut schmeckt. Das „mmmh“ steht für Ihren Eigenton und so können Sie den Unterschied Ihrer augenblicklichen Stimme zu diesem Eigenton wahrnehmen.

  • Körper und Raum

1. Gehen Sie entspannt durch den Raum, versuchen Sie gleichmäßig zu gehen.

2. Schauen Sie sich den Raum genau an, stellen Sie sich vor, Ihre Augen wären Scheinwerfer, die in der Dunkelheit den Raum abtasten.

3. Sie können sich selbst den befehl „freeze“ geben und Sie bleiben auf der Stelle in der Haltung stehen, in der Sie sich gerade befinden. 4. Sie bleiben fünf Sekunden in der eingefrorenen Haltung stehen und halten die Spannung. Das Weiteratmen nicht vergessen.

5. Sie gehen wieder durch den Raum und geben sich erneut den Befehl „freeze“. Jetzt stellen Sie sich vor, dass Sie silberne Fäden durch den Raum schicken. Der Faden beginnt an Ihrem Körper (Kopf, Rücken, Becken, u.s.w.) und endet an den Wänden oder an der Decke. Sie senden viele Energiefäden durch den Raum.

6. Nach einigen Wiederholungen schütteln Sie danach Ihren Körper aus.

7. Sollten Sie vor einer großen Gruppe stehen, denken Sie an die silbernen Fäden und schicken Sie diese an die Zuhörer. So wird eine innere Verbindung zu den Zuhörern aufgebaut. (ztb)

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