Urologen warnen vor multiresistenten Keimen

Düsseldorf - Gegen Antibiotika resistente Keime sind auch für die Urologie ein zunehmendes Problem.

Darauf hat Prof. Florian Wagenlehner vom Uni-Klinikum Gießen und Marburg in Düsseldorf hingewiesen. Hauptursache für die Entstehung multiresistenter Bakterien seien der unkritische Einsatz von Antibiotika und unzureichende Hygiene.

Gerade abwehrgeschwächte Menschen in Krankenhäusern und Arztpraxen seien gefährdet. In Deutschland werde die Zahl der Infektionen auf 400 000 und die der Todesfälle durch multiresistente Erreger auf 10 000 im Jahr geschätzt. Die resistenten Keime seien bereits sehr weit in der Bevölkerung verbreitet.

Insbesondere bei den sogenannten ESBL-bildenden Darmbakterien zeige sich eine immense Zunahme. Dies sei besonders dramatisch, da es für diese Erreger in absehbarer Zeit keine neuen Antibiotika geben werde, sagte Wagenlehner. Es gebe bereits Darmbakterien, die gegen alle bekannten Antibiotika resistent seien.

Dies sei der “Anfang eines post-antibiotischen Zeitalters“. Die “zunehmend gefährliche Situation“ könne nur durch einen klugen Umgang mit Antibiotika und durch ausreichende Infektionskontrolle bewältigt werden. So seien die niederländischen Hygiene-Richtlinien vorbildlich, bei denen Patienten mit multiresistenten Bakterien aufgespürt und isoliert werden. Die Richtlinien gebe es zwar auch in Deutschland, “sie müssen nur strikt umgesetzt“ werden.

Urologe Prof. Michael Stöckle sagte, die Durchseuchung der deutschen Bevölkerung mit diesen Keimen sei viel größer als in den Niederlanden - daher sei ein größerer Aufwand bei der Hygiene nötig.

Auch der Einsatz von Antibiotika müsse in Deutschland sparsamer werden, betonte Wagenlehner. So müssten Schmalspur-Antibiotika bevorzugt und unnötige Antibiotika-Therapien vermieden werden. Beschwerdefreie Patienten mit Katheter etwa müssten nicht therapiert werden, bloß weil Keime nachgewiesen worden seien.

In Düsseldorf findet noch bis diesen Samstag der 62. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie statt. Er ist mit gut 6000 Teilnehmern der drittgrößte Urologenkongress der Welt.

dpa

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