Bakterien, Pilze oder Fremdkörper

Bindehautentzündung: Das können die Ursachen sein

+
Ist das Auge trocken und gereizt, können rezeptfreie Augentropfen helfen. 

Das Auge ist gerötet, verklebt und schmerzt. Die Diagnose lautet dann oft Bindehautentzündung. Das klingt harmlos. Doch Bakterien, Pilze oder Viren können das Auge reizen.    

Wenn das Auge brennt und juckt, ist das alles andere als angenehm. Auslöser für eine Bindehautentzündung sind häufig äußere Einflüsse: So kann die Schleimhaut im Auge durch einen langen Arbeitstag am PC-Bildschirm oder auch nach einer zugigen Fahrt im Cabrio austrocknen.

In so einem Fall braucht das Auge einfach nur Erholung. Ist es jedoch eitrig verklebt, sind oft Bakterien die Ursache für die Entzündung. Die auch Konjunktivitis genannte Krankheit wird dann mitunter mit antibiotikahaltigen Medikamenten behandelt.

Einige verspüren nur leichtes Brennen, andere haben das Gefühl von Sandkörnern im Auge - die Symptome einer Bindehautentzündung können unterschiedlich sein. "Manche Patienten reagieren dann besonders empfindlich auf Licht und Blendung", sagt Ursula Sellerberg, stellvertretende Sprecherin der Bundesapothekerkammer.

Ob nur leicht gereizt durch Bildschirmarbeit oder schwer entzündet durch Bakterien - in beiden Fällen, spricht man von einer Bindehautentzündung. Gerade das mache die Diagnose nicht einfach, sagt Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte. "Staub und Zugluft können das Auge genauso reizen, wie Bakterien, Viren, Pilze oder ein Fremdkörper", sagt Eckert. Daher sei es bei der Behandlung wichtig, gezielt an der Ursache anzusetzen.

Wichtig ist: Bindehautentzündung ist je nach Ursache ansteckend. Deshalb sollte man das betroffene Auge möglichst nicht anfassen. Falls man es nicht vermeiden kann, wäscht man sich besser rasch die Hände. Handtücher und Waschlappen sollten Betroffene nicht mit anderen teilen.

Da Bindehautentzündungen ansteckend sind, sollte man mit den Fingern besser nicht in das betroffene Auge fassen.

Ist das Auge einfach nur trocken, können die Beschwerden von allein weggehen. Dabei kann eine Benetzungsflüssigkeit in Form von Augentropfen helfen, sagt Ursula Sellerberg. Diese sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Bei der Anwendung von Augentropfen sollte man auf die Hygiene achten: "Die Tülle sollte weder Auge noch Wimpern berühren, damit keine Bakterien ins Innere gelangen. Dann muss man den Tropfen einfach reinfallen lassen", sagt Sellerberg. Ausreichend sei die Anwendung von jeweils einem Tropfen zwei- bis dreimal täglich.

Wer eine Pollenallergie hat, hat häufig auch mit Bindehautentzündung zu kämpfen. Augentropfen zur Befeuchtung der Schleimhaut helfen dann nicht. "Dafür gibt es antiallergische Präparate, die oftmals vom Arzt verschrieben werden", sagt Sellerberg. Sie enthalten beispielsweise Kortison und lindern die Beschwerden.

Eine bakterielle Bindehautentzündung äußert sich häufig durch eitriges Sekret, das vor allem am Morgen einen verklebten Wimpernkranz und ein rotes Auge zur Folge haben kann. Zusätzlich ist die Entzündung deutlich spürbar: Das Auge juckt und brennt stark.

Eine Erkältung kann ebenfalls die Ursache sein. "Durch das Putzen der Nase entsteht ein hoher Druck und Schleim wird in die Nebenhöhlen und den Tränennasengang gepresst, was die Infektionsgefahr stark erhöht", sagt Jens Wagenknecht, Facharzt für Allgemeinmedizin und Vorstandsmitglied des Deutsche Hausärzteverbands.

Jens Wagenknecht ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Vorstandsmitglied im Deutschen Hausärzteverband

Antibiotikahaltige Augentropfen und Salben helfen bei bakteriellen Entzündungen. Salben seien besser: "Sie halten den Wirkstoff länger im Auge", sagt Wagenknecht. Gleichzeitig empfinden viele sie als angenehmer, weil sie einen kühlenden Effekt haben. Jedoch sollte man die Salben nicht vor dem Weg zur Arbeit auftragen. "Durch die Salbe verschmiert die Sicht, dadurch hat man zum Beispiel beim Autofahren eine schlechtere Sicht und das ist gefährlich", sagt Sellerberg. Besser sei eine Einnahme abends vor dem Schlafgehen.

Antibiotika können vom Augenarzt zur Behandlung verschrieben werden und bei bakteriell bedingten Bindehautentzündungen helfen. Doch was tun, wenn man nicht direkt zu einem Arzt gehen kann, wie zum Beispiel am Wochenende? Dann sollte man sich erstmal abschwellende Augentropfenpräparate aus der Apotheke besorgen, sagt Wagenknecht "Sie reduzieren die Entzündung und lindern die Beschwerden."

Kalte Umschläge 

Zusätzlich kann man kalte Umschläge auf die Augen legen, sagt Eckert. Sie kühlen und wirken dadurch schmerzlindernd. Für die kalten Umschläge sollte man aber ausschließlich Wasser verwenden. "Manche halten Umschläge aus Schwarzen oder Grünen Tee für eine gute Idee, doch diese Substanzen sind nicht steril und können Bakterien ins Auge bringen und es weiter reizen", warnt Sellerberg. Außerdem können Tee-Kompressen allergische Reaktionen auslösen.

Die häufigsten Augenkrankheiten

Augen Krankheiten
Das Auge gehört für viele zum wichtigsten Sinnesorgan. Augenerkrankungen können das Sehvermögen mindern oder im schlimmsten Fall zerstören. Der Verlauf ist oft schleichend. © Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA)
Katarakt
KATARAKT - GRAUER STAR: Die häufigste Form der Katarakt ist die altersbedingte Linsentrübung. Die ursprünglich klare Augenlinse verliert im Laufe des Lebens ganz allmählich an Transparenz. Erst im höheren Alter erreicht die Trübung eine Dichte, die das Sehen beeinträchtigt. Der Blick in die weit getropfte Pupille zeigt die ersten Anzeichen einer Katarakt: weiße strahlenförmige Trübungen und ebensolche Pünktchen im zentralen Bereich. © Berufsverban des der Augenärzte e. V. (BVA)
Grüner Star: Glaukom im fortgeschrittenen Stadium mit bereits schwer geschädigtem Sehnerv.
GLAUKOM - GRÜNER STAR: In der Mitte der Papille erkennt man eine extrem große weiße Ausbuchtung, der Sehnervenkopf hat fast keinen gesunden rosafarbenen Rand mehr. In diesem Stadium ist der Sehnerv bereits stark geschädigt. Die Beeinträchtigung kann nicht rückgängig gemacht, aber zumindest gestoppt werden, sobald sie erkannt wurde. © Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA)
Falls der Verdacht einer Glaukomerkrankung vorliegt, gibt die so genannte Perimetrie Aufschluss darüber, ob es bereits "blinde Flecken" im Gesichtsfeld gibt.
Ab 40. sollten Männer und Frauen zur Vorsorgeuntersuchung bei Augenarzt (IGeL-Leistung). Patienten bemerken die Erkrankung im Frühstadium nicht. Falls der Verdacht einer Glaukomerkrankung vorliegt, gibt die so genannte Perimetrie Aufschluss darüber, ob es bereits "blinde Flecken" im Gesichtsfeld gibt. © Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA)
Eine gesunde Netzhaut Retina
RETINA: Eine gesunde Netzhaut wie der Augenarzt sie bei der Untersuchung des Augenhintergrundes sieht. Die Arterien und Venen treffen sich an der hellen Stelle, wo der Sehnerv ins Auge mündet, dem Sehnervenkopf. © Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA)
Die feuchte Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD)
Die feuchte Form der altersabhängigen MAKULADEGENERATION (AMD) verläuft wesentlich aggressiver als die trockene AMD. In der Netzhaut bilden sich krankhafte Gefäße, die Flüssigkeit absondern und die empfindlichen Netzhautgefäße zerstören. Dem Augenarzt stehen verschiedene Therapien zur Verfügung, weitere Gefäßneubildungen zu verhindern und den Verlauf der Krankheit günstig zu beeinflussen. Hier sind die Veränderungen der Netzhautmitte bereits deutlich zu erkennen. © Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA)
Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA)
BINDEHAUTENTZÜNDUNG: Eine durch Viren verursachte Bindehautenzündung ist extrem ansteckend. Infizierte Patienten müssen den Kontakt zu anderen meiden.  © Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA)
Schirmer Test
TROCKENES AUGE: Mit dem sogenannten Schirmer Test bestimmt der Augenarzt die Menge der Tränenflüssigkeit. Trockene Augen entstehen, wenn Bindehaut und Hornhaut der Augen nicht ausreichend mit Tränenflüssigkeit benetzt werden. Dabei hat der Patient häufig das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben oder die Augen brennen und jucken. Feinstaub in der Luft steht unter Verdacht an der Enstehung eines Trockenen Auges mitverantwortlich zu sein. © Berufsverbandes der Augenärzte e. V. (BVA)

dpa/tmn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.