Kleiner Clip stärkt ein schwaches Herz

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Querschnitt durch den linken Vorhof (oben), die linke Kammer (unten) und das vordere und hintere Segel der Mitralklappe (Mitte): Rechts im Bild sind die Aortenklappe und die Aorta (Hauptschlagader) erkennbar. Die beiden Segel der Mitralklappe legen sich in den geöffneten Clip. Wird der Clip in dieser Position geschlossen, sind die Mitralsegel an dieser Stelle fixiert.

Herzschwäche kann unterschiedliche Ursachen haben. Einer der möglichen Auslöser ist eine undichte Mitralklappe.

Die Mitralklappe im Herzen sieht aus wie eine Mitra, also eine Bischofsmütze, und bildet ein Ventil, das den Rückfluss des Blutes aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof und in die Lunge verhindert. Schließt die Klappe nicht mehr richtig, ist die Blutzirkulation gestört. Dies kann zu Sauerstoffmangel und Lungenblutstau führen. Die dadurch auftretende Atemnot ist ein erstes Anzeichen für eine Herzschwäche.

Patienten mit einer defekten Herzklappe blieb bisher nur die Möglichkeit, den Defekt durch einen chirurgischen Eingriff am offenen, stillgelegten Herzen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine beheben zu lassen. Für manche Patienten ist das Risiko eines solchen Eingriffs aber zu groß.

PD Dr. Wolfgang Schillinger, leitender Oberarzt am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), führt diese Eingriffe seit über einem Jahr mit einer neuen minimal-invasiven Methode per Katheter am schlagenden Herzen durch. Mit bislang 55 erfolgreich behandelten Patienten zählt das Herzzentrum Göttingen zu den weltweit führenden Zentren für das neue Verfahren.

Bei diesem Verfahren wird die mangelnde Schlussfähigkeit der Klappe behoben, indem die beiden Segel der Mitralklappe durch einen neuartigen Clip zusammengehalten werden. Dieser Clip wird über einen Herzkatheter bis an die entsprechende Stelle des Herzens vorgebracht und dort kontrolliert platziert. Für die Patienten hat die Behandlungstechnik mehrere Vorteile. Der Eingriff mittels Katheter ist wesentlich schonender. Der Brustkorb muss nicht eröffnet werden und auch der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist nicht mehr notwendig. Nach einer kurzen Beobachtungszeit können die Patienten auf die Normalstation verlegt werden und bereits nach wenigen Tagen das Krankenhaus wieder verlassen. Gerade für Hochrisikopatienten bietet diese neue minimal-invasive Methode der Herzklappenbehandlung eine sichere und wirksame Behandlungsoption.

Aber nicht für jeden Patienten ist der Clip die richtige Behandlung. In intensiven Voruntersuchungen klären Kardiologen und Herzchirurgen des Herzzentrums Göttingen deshalb, welches Verfahren für den einzelnen Patienten am besten geeignet ist.

Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Abteilung Kardiologie und Pneumologie und Leiter des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen, sagt: „Wir sind bestrebt, die Patienten des Herzzentrums Göttingen immer individuell zu behandeln. Der Clip ist eine wertvolle Ergänzung in unserem Spektrum an unterschiedlichen Methoden, die wir am Herzzentrum anbieten können.“ (nh)

Kontakt

PD Dr. Wolfgang Schillinger

Universitätsmedizin Göttingen

Abteilung Kardiologie und Pneumologie – Herzzentrum Göttingen

Telefon: 05 51 / 39 88 92

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