Nach Valsartan

Neuer Blutdrucksenker unter Krebsverdacht! Er soll jetzt auch mit Giftstoff verunreinigt sein

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Menschen mit Bluthochdruck sollten überprüfen, ob ihr Medikament den Wirkstoff Valsartan oder Losartan enthält. Falls ja, ist eine Rücksprache mit dem Hausarzt ratsam.

Deutsche schlucken tonnenweise Pillen gegen Bluthochdruck. Nun sollen sie bei zwei der vielen Wirkstoffe vorsichtig sein: Die Medikamente könnten verunreinigt sein.

Update vom 26. September 2018: Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt nun vor einem weiteren Sartan-Mittel: Losartan. Das beauftragte Labor, das Official Medicines Control Laboratory (OMCL), soll in diesem Blutdrucksenker ebenfalls Verunreinigungen mit NDEA gefunden worden sein - allerdings nur in geringen Mengen. Der in diesem Medikament verwendete Wirkstoff soll von der indischen Firma Hetero Labs hergestellt werden. Der Pharmahersteller habe bereits Maßnahmen ergriffen, heißt es weiter, und die betroffenen Arzneimittel in Quarantäne genommen. Losartan wurde vorerst vom Markt genommen. 

Update vom 08. August 2018: Die Behörden wollen Blutdrucksenker, die auf dem Wirkstoff Valsartan basieren, teilweise zurückrufen. Die Arzneimittel könnten mit einer potenziell krebserregenden Substanz verunreinigt sein. Am gestrigen Dienstagabend (07. August) wurde das umstrittene Thema auch in einem Beitrag in der ARD-Sendung "Fakt" behandelt, in dem Experten zu Wort kamen und erklärten, warum eine Verunreinigung von Valsartan so lange unentdeckt blieb.

So beschreibt Thomas Eschenhagen vom Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf die Gefahr, die von Nitrosaminen ausgehe, folgendermaßen: "Die Daten zeigen, dass Nitrosamine ohne Zweifel zu den am stärksten krebserregenden Stoffen gehören, denen der Mensch exponiert sein kann. Eine Tablette am Tag ist etwa so viel, als wenn man fünf Zigaretten täglich rauchen würde. Anders kann man aber auch sagen: Das bedroht einen nicht akut, sondern es ist die chronische Einnahme."

Blutdrucksenker Valsartan - chinesisches Produkt soll krebserregend sein?

Konkret geht es laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) um Medikamentenchargen, deren Wirkstoff vom chinesischen Unternehmen Zhejiang Huahai Pharmaceutical hergestellt wurde. Noch ist nicht bekannt, um welche Chargen es sich bei dem EU-weiten Rückruf konkret handelt.

"Bislang liegen noch keine Erkenntnisse darüber vor, ob und in welchen Konzentrationen die Verunreinigung in den hieraus hergestellten Arzneimitteln enthalten ist", sagte Institutssprecher Maik Pommer in Bonn. Valsartan sei relativ weit verbreitet. Aber: "Ein akutes Patientenrisiko besteht nicht."

Laut BfArM ist der blutdrucksenkende Wirkstoff produktionsbedingt mit N-Nitrosodimethylamin verunreinigt. Die Substanz könnte laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) krebserregend sein. Europaweit werde nun untersucht, ob möglicherweise andere Arzneimittel betroffen sein könnten, die chemisch verwandte Wirkstoffe enthalten.

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Vorsicht: Blutdrucksenker nicht selbst einfach absetzen

Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt verunsicherten Patienten, ihre blutdrucksenkenden Arzneimittel nicht eigenmächtig und ohne Rücksprache mit ihrem Arzt abzusetzen. "Wir gehen davon aus, dass sehr rasch die Liste der betroffenen Medikamente vorliegen wird und eine koordinierte Rückrufaktion erfolgen wird", teilte die Organisation in Heidelberg mit. Auch das Bundesinstitut warnte: "Das gesundheitliche Risiko eines Absetzens liegt um ein Vielfaches höher als das mögliche Risiko durch eine Verunreinigung."

Laut Deutscher Hochdruckliga sind in Deutschland 20 bis 30 Millionen Menschen von Bluthochdruck betroffen. Die Folgen können lebensgefährlich sein, dazu zählen auch Herzinfarkt und Schlaganfall.

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jp/dpa

Ein Teelöffel pro Tag: Wie viel Salz ist noch gesund?

Der Körper benötigt etwa sechs Gramm Natriumchlorid - so die chemische Bezeichnung von Salz - am Tag. Foto: Andrea Warnecke
Der Körper benötigt etwa sechs Gramm Natriumchlorid - so die chemische Bezeichnung von Salz - am Tag. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Schlechtes Image der feinen weißen Körner hin oder her: Für den Körper ist Salz lebensnotwendig. Nur zu viel sollte es nicht sein.Foto: Andrea Warnecke
Schlechtes Image der feinen weißen Körner hin oder her: Für den Körper ist Salz lebensnotwendig. Nur zu viel sollte es nicht sein.Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Wer seinen Salzkonsum aus gesundheitlichen Gründen reduzieren will, hat es nicht leicht. Denn es ist nicht damit getan, einfach den Salzstreuer aus der Küche zu verbannen. Oft steckt Salz in verarbeiteten Lebensmitteln. Foto: Andrea Warnecke
Wer seinen Salzkonsum aus gesundheitlichen Gründen reduzieren will, hat es nicht leicht. Denn es ist nicht damit getan, einfach den Salzstreuer aus der Küche zu verbannen. Oft steckt Salz in verarbeiteten Lebensmitteln. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Zu viel Salz soll zu Bluthochdruck führen und somit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigern. Foto: Andrea Warnecke
Zu viel Salz soll zu Bluthochdruck führen und somit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigern. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) warnt davor, zu viel Speisesalz zu essen. Die DGE empfiehlt nicht mehr als sechs Gramm - etwa ein Esslöffel - Speisesalz pro Tag zu sich zu nehmen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) warnt davor, zu viel Speisesalz zu essen. Die DGE empfiehlt nicht mehr als sechs Gramm - etwa ein Esslöffel - Speisesalz pro Tag zu sich zu nehmen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand © Karl-Josef Hildenbrand

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