Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber

Hubert Kress

Seit ein paar Wochen bin ich ständig müde und erkältet, hinzu kommt Übelkeit und ich hatte auch Fieber. Jetzt sind auch noch die Lymphknoten am Hals stark angeschwollen. Ist das nur eine Erkältung, oder steckt etwas anderes dahinter? Die Frage von Gertrud M. aus Habichtswald beantwortet Dr. Hubert Kress, Allgemeinmediziner aus Kassel.

„Wenn eine vermeintliche Erkältung mit verschiedenen unklaren Symptomen einhergeht, die sich nicht so recht zuordnen lassen und auch mal verschwinden und wieder auftauchen, kann es sich dabei um eine Mononukleose, das Pfeiffersche Drüsenfieber, handeln“, erklärt Kress. Das Pfeiffersche Drüsenfieber entwickle sich über einen relativ langen Zeitraum im Körper, ohne dass eindeutige Symptome erkennbar werden, erläutert der Arzt weiter. Symptome wie wechselnde Fieberschübe, belegte und entzündete Mandeln oder Schwellungen der Lymphknoten sowie der Milz und der Leber treten oft erst im weiteren Verlauf der Krankheit auf. Eindeutig feststellen lasse sich das Pfeiffersche Drüsenfieber über einen Bluttest, in welchem unter anderem das Vorhandensein von Antikörpern gegen das auslösende Epstein-Barr-Virus aus der Familie der Herpesviren nachgewiesen werden könne, sagt Kress.

Ist das Virus einmal diagnostiziert, ließen sich aber auch bei diesem Virus nur die einzelnen Symptome der Krankheit behandeln. Patienten sollten sich schonen, viel trinken und eventuell fiebersenkende Medikamente einnehmen. „Auf keinen Fall sollte in diesem Fall aufgrund des Verdachts einer bakteriellen Mandelentzündung mit dem Antibiotikum Amoxicillin behandelt werden“, betont der Mediziner. Dieses Antibiotikum löse bei Mononukleose heftige Überempfindlichkeitsreaktionen aus.

Ähnlich wie Erkältung

Meist erkrankten Kinder und junge Erwachsense bis 30 Jahre an dem Virus, erklärt Kress, der Krankheitsverlauf sei in den allermeisten Fällen unkompliziert. Sind Kinder betroffen, sei das Pfeiffersche Drüsenfieber von einer Virus-Erkältung oft nicht zu unterscheiden.

Komme es in seltenen Fällen aber doch zu komplizierten Verläufen der Krankheit, seien Patienten oft über einen langen Zeitraum sehr krank. Neben den gefährlichen monströsen Milz- und Leberschwellungen, die viel körperliche Schonung erforderten, machten allgemeine Symptome wie Müdigkeit und Abgespanntheit den Betroffenen dauerhaft zu schaffen.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird vom Epstein-Barr-Virus ausgelöst. Charakteristisch für diese Erkrankung sei die lange Inkubationszeit, die bei Erwachsenen bei bis zu acht Wochen liegen kann, erläutert Allgemeinmediziner Dr. Hubert Kress: „Übertragen wird die Krankheit durch Mund-zu-Mund-Kontakt, was ihr auch den Namen ,Kusskrankheit‘ eingetragen hat.“ Da sich die Viren lange im Körper auf den Schleimhäuten befinden, seien auch Menschen mit vollständig abgeklungenen Symptomen manchmal noch monatelang Überträger der Krankheit.

„Da die Symptome der Krankheit oft so unspezifisch sind, erkranken die allermeisten Menschen irgendwann an ihr, ohne dass eine Diagnose gestellt wird, und sind damit für den Rest des Lebens immun gegen eine erneute Infektion“, erläutert der Arzt. Allerdings überlebten die einmal erworbenen Viren lebenslang in unserem Körper. In Phasen von Abwehrschwäche könne es zur neuerlichen Aktivierungen der Erkrankung kommen. Bisher gibt es keine Impfung gegen diese Erkrankung.

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