Unterstützt Entwicklung

Vier Gründe, weshalb Ihr Kind schon früh in die Kita sollte

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Der Besuch einer Kita tut Kindern gut - doch es kommt auf die Qualität der Betreuung durch die Erzieher an.

Schadet es, wenn mein Kind mit einem Jahr schon in eine Kita kommt? Experten sagen nein – es profitiert davon sogar. Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Kommt ein Kind auf die Welt, wollen Mütter und Väter möglichst alles richtig machen, damit sich ihr Nachwuchs optimal entwickeln kann. Viele Eltern scheuen sich deshalb davor, ihr Kind nach einem oder anderthalb Jahren in die Kita zu geben - aus Angst, die psychische und emotionale Entwicklung ihres Kindes könnte dadurch Schaden nehmen.

Schließlich wird in der einschlägigen Literatur für frischgebackene Eltern immer wieder betont, wie wichtig gerade das erste Lebensjahr für die Eltern-Kind-Bindung sei.

Was, wenn man dem Kleinen zu viel zumutet, es gar unter dem Stress einer ihm fremden Umgebung leidet? Soll ich als Mutter vielleicht doch lieber noch ein Jahr zuhause bleiben, um mich ganz um das Kind kümmern zu können? 

Kita-Kinder entwickeln sich allgemein besser 

Natürlich bleibt die Entscheidung, ob und ab wann der Besuch der Kita für ein Kind angemessen ist, Eltern selbst überlassen. Schließlich ist jedes Kind anders. Doch Experten sind sich einig: Kinder nehmen keinen Schaden, wenn sie schon mit einem Jahr in die Kita kommen. Im Gegenteil: Sie profitieren davon, und das in vielerlei Hinsicht: Sieleiden seltener an psychischen Störungen, sind intelligenter, später besser in der Schule und in ihrer motorischen Entwicklung anderen Kindern voraus

Weniger psychisch auffällig 

Zu diesen Ergebnissen kamen – unabhängig voneinander – verschiedene Studien. Eine davon, aus dem Jahr 2016, an der 4.000 Kinder im Einschulungsalter teilnahmen, ergab beispielsweise, dass Kinder, die bereits in den ersten beiden Lebensjahren fremdbetreut worden waren, später seltener psychische Auffälligkeiten wie Hyperaktivität zeigten, als jene, die erst mit drei oder vier Jahren in eine Kita kamen. 

Besser für die Schule gewappnet 

Bei einer weiteren Studie aus 2016, durchgeführt durch die Bertelsmann-Stiftung, wurden die Schuleingangsuntersuchungen von knapp 5.000 Kindern ausgewertet. Das Ergebnis: Kinder, die vor ihrem dritten Geburtstag eine Kita besuchten, schnitten hierbei besser ab als jene, deren Eltern sie erst mit vier oder fünf zur Betreuung abgaben. Sie konnten sich besser artikulieren, kontrollierter und feinmotorischer bewegen und besser zählen. Und: sie waren seltener übergewichtig

Mehr „Quality Time“ für Mutter und Kind 

Dass der Bezug zu den Eltern zweifelsohne wichtig ist für die frühkindliche Entwicklung, das bestreiten Experten nicht, doch sei es nicht förderlich, 24 Stunden am Tag mit den Kleinen zusammen zu sein. Kindertagesstätten seien vergleichbar mit den Großfamilien und der Dorfgemeinschaft, wie sie es früher gab. Die Interaktion mit anderen Kindern und Erwachsenen, und im Übrigen auch mit Kindern, die aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen kommen, so sagen Erziehungswissenschaftler, fördere die gesunde Entwicklung von Kindern. Auch haben Beobachtungen gezeigt, dass Mütter, deren Kinder eine Kita besuchen, die wenige gemeinsame Zeit dafür umso intensiver nutzen als Mütter, die ihr Kind den ganzen Tag lang zuhause selbst betreuen. Und davon profitierten die Kleinen mehr. 

Kinder von früh arbeitenden Müttern haben sozialere Kompetenzen und sind intelligenter 

Aus Großbritannien kommt eine Studie, die genau diese These untermauert: Wissenschaftler der London School of Economics und derOxford University zeigten 2016, dass Kinder, die ganztägig von ihren Müttern betreut werden, über eine schlechtere Sprachkompetenz sowie schlechtere motorische Fähigkeiten verfügten als jene, die tagsüber in einer Kindertagesstätte untergebracht waren. Forscher der amerikanischen Universität in Minnesota konnten anhand mehrerer Einzelstudien belegen, dass Kinder, deren Mütter wieder früh an den Arbeitsplatz zurückkehrten, in Intelligenztests besser abschnitten, sich besser anpassen konnten, sich kooperativer zeigten und sogar seltener ängstlich waren. 

Auf den Betreuungsschlüssel kommt es an 

Bevor Eltern ihren Nachwuchs allerdings in die Kita geben, sollten sie sich ein umfassendes Bild von den dortigen Bedingungen machen. Denn ob sich ein Kind in einer Tagesstätte wohlfühlt und ob es sich positiv entwickeln und seine Persönlichkeit entfalten kann, hängt immer auch von der Qualität der Betreuung vor Ort ab. Bekommen die Kinder genügend Ansprache und Aufmerksamkeit von den Erzieherinnen und Erziehern? Gehen sie liebevoll mit den Kleinen um, können sie trösten, wenn es einmal nötig sein sollte? Akzeptieren sie und können sie sich darauf einstellen, dass jedes Kind andere Bedürfnisse hat? Nur wenn Eltern diese Fragen mit einem eindeutigen Ja beantworten können, ist die betreffende Tagesstätte der richtige Ort für ihr Kind.

Von Franziska Grosswald

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Ab dem 1. August hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Allerdings fehlen in zahlreichen Städten und Gemeinden noch Einrichtungen. © dpa
Eltern können klagen, um ihre Ansprüche oder die Kostenerstattung für eine private Betreuung des Kindes durchzusetzen. Einige rechtliche Details sind dabei noch unklar. © dpa
Ab wann und gegen wen kann geklagt werden? © dpa
Sobald Eltern einen Ablehnungsbescheid von ihrer Gemeinde erhalten haben, können sie vor dem Verwaltungsgericht eine sogenannte Verpflichtungsklage auf einen Kita-Platz einreichen. Dazu genügt ein formloser Brief ohne anwaltlichen Beistand. Die Klagefrist beträgt vier Wochen ab Zustellung des Ablehnungsbescheids. © dpa
 In manchen Bundesländern muss vor einer Klage zunächst noch ein fristgemäßer Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt werden. Für Klagen vor dem Verwaltungsgericht ist kein Rechtsanwalt nötig. Zudem entstehen in der Regel auch keine Kosten. © dpa
Können nur Berufstätige auf einen Kita-Platz klagen? © dpa
Nein, alle Eltern können stellvertretend für ihre Kinder klagen. Das Gesetz regelt den Rechtsanspruch auf "Förderung" der Kinder, unabhängig von der Tätigkeit der Eltern. Unklar ist aber, ob eine nicht berufstätige Mutter Anspruch auf einen Vollzeitplatz in einer Kita hat. © dpa
Was ist, wenn die Behörde einen anderen Kita-Platz anbietet? © dpa
Ein alternativer Kita-Platz muss in einer "zumutbaren Entfernung" liegen. Wie weit das sein darf, ist unklar: Die Spanne reicht verschiedenen Urteilen zufolge von maximal fünf Kilometern bis zu einer halben Stunde Fahrzeit. Wer einen zumutbaren Kita-Platz ablehnt, verliert den Rechtsanspruch darauf. Eine Kita abzulehnen geht nur, wenn sie den gültigen Standards nicht entspricht: Wenn also die Gruppenzahl zu hoch ist, Beschäftigte nicht genügend qualifiziert sind oder die Einrichtung baufällig ist. © dpa
Muss eine Tagesmutter als Alternative zur Kita akzeptiert werden? © dpa
Das ist umstritten. Verwaltungen gehen davon aus, weil im Gesetz Kita und Kindertagespflege gleichrangig genannt sind. Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln haben aber die Eltern die Wahl zwischen Kita und Tagesmutter (Az: 19 L 877/13). © dpa
Muss der Staat die Kosten für eine private Betreuung erstatten, wenn kein Kita-Platz gestellt wird? © dpa
Nicht sofort. Zunächst müssen betroffene Eltern bei den Kommunen die Kostenerstattung etwa für eine privat finanzierte Tagesmutter einfordern und dies mit Belegen nachweisen. Lehnt die Kommune eine Erstattung ab, kann auch dagegen vor dem Verwaltungsgericht formlos geklagt werden. Die Auslagen müssen sich im üblichen Rahmen bewegen und können einem Urteil zufolge etwa 400 Euro im Monat ausmachen. © dpa
Zahlt der Staat Verdienstausfall, wenn Eltern ihre Kinder selbst betreuen? © dpa
Solch eine Forderung durchzusetzen ist langwierig und geht nur mit Hilfe eines Anwalts oder einer Rechtsschutzversicherung. Zunächst muss die Verpflichtungsklage vor dem Verwaltungsgericht ohne Erfolg enden: Eltern bekommen also trotz Klage keinen Kita-Platz. Nun können sie den Staat wegen Amtspflichtverletzung auf Verdienstausfall verklagen, wenn sich ein berufstätiges Elternteil um das Kind kümmern muss. Für solch einen Rechtsstreit ist aber das Landgericht zuständig, und dort herrscht Anwaltspflicht. © dpa
Der Anwalt der Eltern muss der Kommune dann ein Verschulden beim Ausbau der Kita-Plätze nachweisen. Das ist im Einzelfall aber durchaus möglich, da die Kommunen seit fünf Jahren von ihrer Verpflichtung zum Kita-Ausbau wissen. © dpa

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