Vier Methoden, wie man Krampfadern früh behandeln kann

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Gestörter Rückfluss: Wenn Venenklappen defekt sind, sackt das Blut zurück in die Beine. Eine der Folgen ist die Entstehung von Krampfadern.

"Ich bin 45 Jahre alt, habe aber bereits Krampfadern, die laut Arzt entfernt werden müssen. Ich würde gerne wissen, welche Methoden zur Krampfader-Entfernung es gibt. Ich habe gehört, dass man in Schweden Eingriffe anwendet, bei denen erkrankte Venen erhalten werden.“

Mit ihrem Problem steht die HNA-Leserin aus Niestetal nicht alleine da: Krampfadern sind in Deutschland eine Volkskrankheit. Jede zweite Frau und jeder vierte Mann sind betroffen. Hauptursachen sind mangelnde Bewegung und häufiges langes Sitzen oder Stehen, erläutert Prof. Dr. Thomas Bürger, Chefarzt der Gefäßchirurgischen Abteilung an den Kasseler Diakonie-Kliniken. Auch Übergewicht, Schwangerschaften und Bindegewebsschwächen können die Entstehung von Varizen begünstigen. Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Wenn verbrauchtes Blut durch geschädigte Venen nicht mehr richtig abtransportiert wird, können Geschwüre und gefährliche Blutgerinnsel, örtliche Durchblutungsstörungen, offene Wunden und Venenentzündungen entstehen. Unbehandelte Krampfader-Leiden können durch den Druck des gestauten Blutes auch dazu führen, dass die Venenklappen in weiteren Venen geschädigt werden, sagt Bürger.

Deshalb sei es in vielen Fällen angezeigt, Krampfadern frühzeitig zu behandeln. Erster Schritt sei eine Ultraschalluntersuchung des Venensystems. Ist ein Eingriff nötig, „werden die kranken Venenabschnitte entfernt oder durch andere Methoden zerstört“, sagt Bürger. Eine Ausnahme ist die Chiva-Methode.

1. Das Stripping

Eine bewährte Methode ist das Stripping. Bei diesem Eingriff werden an der Innen- oder Rückseite des Beines am Anfang und am Ende des geschädigten Venenbereichs zwei kleine Schnitte gemacht. Der Chirurg führt eine Sonde hindurch und zieht auf dem Rückweg den erkrankten Venenabschnitt mit heraus. Nicht nur die Vene, sondern auch kleine Seitenäste des sogenannten Venensterns werden damit lahmgelegt, erläutert der Gefäßchirurg. Die Komplikationsrate sei niedrig, die Langzeitergebnisse seien gut. Nach dem Eingriff sollte der Patient in der Regel tagsüber drei bis vier Wochen einen Kompressionsstrumpf tragen. Arbeitsfähig ist man wieder nach zwölf bis 14 Tagen. Der Eingriff wird von den Krankenkassen bezahlt.

2. Das Katheterverfahren

Alternativ zum Stripping werden heute häufig Katheterverfahren zur Zerstörung krankhafter Venenabschnitte angewendet. Dabei wird die Vene des Unterschenkels anpunktiert, um eine Sonde in das Gefäßinnere bis zum Venenstern in der Leistengegend zu schieben. Bei allen Katheterverfahren wird nun Energie freigesetzt, um das Eiweiß der Venenwand zu zerstören. So wird die Vene verschweißt und sie stirbt ab.

An den Kasseler Diakonie-Kliniken zum Beispiel wendet man die Radiofrequenztherapie an. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung. Zusätzlich wird die Vene mit Kochsalzlösung umspritzt, um das umliegende Gewerbe vor der Energieeinwirkung zu schützen. Eine ganz neue Methode, die sich allerdings noch im experimentellen Stadium befindet, ist die Erhitzung eines Venenabschnitts mit Wasserdampf. Auch die Katheterverfahren zeigen laut Bürger gute Mittel- und Langzeitergebnisse. Weil die innere Wundhöhle bei diesem Eingriff kleiner ist, sind die Patienten im Schnitt vier Tage nach dem Eingriff wieder arbeitsfähig. Katheterverfahren zahlen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht.

3. Die Verödung

Für kleinere Krampfadern, also erkrankte Seitenäste oder Besenreiser, eignet sich die Verödung besonders. Bewährt ist die Schaumverödung. Dabei wird mit einer feinen Kanüle Schaum in die Krampfader gespritzt. Bei einem neueren Verfahren wird dabei ein alkoholisches Verödungsmittel zwischen zwei Spritzen so lange hin und her gespritzt, bis sich ein sehr feiner Schaum gebildet hat. Dieser Mikroschaum führt zu einem Verkleben des Gefäßes. Auch bei dieser Methode muss man nach dem Eingriff ein paar Tage Kompressionsstrümpfe tragen. Die gesetzlichen Kassen zahlen die Behandlung bei rein kosmetischem Hintergrund der Behandlung in der Regel nicht.

4. Chiva-Methode

Umstritten ist in Deutschland die Chiva-Methode. Im Gegensatz zum Stripping wird dabei die häufig erkrankte große oberflächliche Beinvene (Vena saphena) mit ihren defekten Venenklappen erhalten. Nach einer Ultraschalluntersuchung werden lediglich erkrankte Seitenäste der Vena saphena behandelt, um den Blutstrom umzuleiten. Unter anderem wegen einer hohen Rate erneut auftretender Krampfadern wird diese Methode in Deutschland wenig angewendet. Das Verfahren gilt als wissenschaftlich nicht gut belegt, weil vorliegende Studien Mängel aufweisen. Es wird von den gesetzlichen Krankenkassen ebenfalls nicht bezahlt.

Bei vielen Venenleiden wird zudem die Kompression zum Beispiel durch Stützstrümpfe als wirksame Therapie eingesetzt. www.venenliga.de

Praktischer Tipp - Venen fit halten

Man kann viel tun, um Venenerkrankungen vorzubeugen:

• Flache, bequeme Schuhe aktivieren die Muskelvenenpumpe.

• Bewegung ist das A und O bei der Vorbeugung und auch der Behandlung von Venenleiden. Nordic Walking, Radfahren, Wandern, Schwimmen und Skilanglauf sind - neben Beingymnastik - besonders geeignet.

• Alkohol und Nikotin schwächen die Venen.

• Eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche aber salzarme Ernährung kommt auch den Venen zugute.

• Bei Venenleiden auf Sonnenbäder und heiße Vollbäder verzichten.

• Kneipp-Anwendungen und Wechselduschen der Beine tun indes den Venen gut. (hei)   

Von Martina Heise-Thonicke

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