Forschung

Erhöhtes Corona-Risiko durch Vitamin-D-Mangel? Neue Studie schafft Klarheit

Durch Sonneneinstrahlung lässt sich laut Experten über die Eigensynthese der Haut ein gutes Vitamin-D-Level im Körper erreichen. (Archivfoto)
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Durch Sonneneinstrahlung lässt sich laut Experten über die Eigensynthese der Haut ein gutes Vitamin-D-Level im Körper erreichen. (Archivfoto)

Die Wissenschaft diskutiert das Risiko von Corona-Infektionen durch Vitamin-D-Mangel. Dabei ist eine Unterscheidung zum Verlauf von Covid-19 wichtig.

Kassel/New York – Zahlreichen Menschen in Deutschland mangelt es an Vitamin D. Das zeigen Daten des Robert Koch-Instituts: Demnach wurde 82 % der Bevölkerung im Winter ein Vitamin-D-Mangel nachgewiesen. Im Frühling liegt dieser Wert laut Angaben des RKI bei 73 %. Die Experten empfehlen deshalb: „Wer Vitamin D ergänzen möchte, sollte auf Nahrungsergänzungsmittel mit bis zu 20 Mikrogramm (800 IE) Vitamin D [...] pro Tag zurückgreifen, da diese Dosis nicht mit gesundheitlich bedenklichen Effekten verbunden ist.“

Vitamin-D-Mangelerscheinungen werden bereits seit Jahren von der Forschung thematisiert. In der Corona-Pandemie erhält die Thematik allerdings einen neuen Anstrich. Seit geraumer Zeit wird die Frage diskutiert, ob ein Vitamin-D-Mangel das Risiko einer Corona-Infektion und eines schweren Verlaufs von Covid-19 erhöht.

Vitamin-D-Mangel als Corona-Infektionsrisiko umstritten

Studien der Universität Hohenheim aus Stuttgart und der Universität Cantabria aus Santander legen beispielsweise einen Zusammenhang des Mangels mit dem Risiko eines schweren Verlaufs nahe. Zuletzt hatte auch das Bundesinstitut für Risikobewertung mit einer neuen Einschätzung für Verwunderung gesorgt. Das BfR teilte mit, dass es Hinweise darauf gebe, dass „ein unzureichender Vitamin D-Serumsspiegel mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfekte“ einhergehe. Aus dieser Einschätzung resultierte eine Empfehlung des BfR: „Einige Beobachtungsstudien und Interventionsstudien weisen darauf hin, dass sich die Einnahme von Vitamin D-Präparaten positiv auf den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung auswirken kann“, betonten die Fachleute.

Eine weitere Studie geht nun auf das Risiko einer Corona-Infektion ein. Es handelt sich um eine Untersuchung des US-Laborunternehmens Quest Diagnostics, die im Fachmagazin Jama Open Network erschienen ist. Demnach gebe es zwar einen Zusammenhang zwischen einen Vitamin-D-Mangel und einer Corona-Infektion, jedoch lediglich, falls die Daten ohne Einbezug weiterer Faktoren betrachten würden. Beziehe man beispielsweise Einflussfaktoren wie Blutdruck, Alter oder Body-Mass-Index (BMI) mit ein, zeige sich kein Kontext, so die Forscher. In der Analyse untersuchten die Wissenschaftler um Yonghong Li Daten aus den Jahren 2019 und 2020 des Mitarbeiter-Gesundheitsprogramms. Mehr als 18.000 im Alter zwischen 37 und 56 Jahren waren Teil davon.

Mangel an Vitamin D: Studie bezieht weitere Faktoren für Corona-Infektion ein

Laut der Studie hatten 60 Prozent der untersuchten Menschen vor Beginn der Corona-Pandemie einen Vitamin-Serumsspiegel von weniger als 30 Nanogramm je Milliliter. Rund 25 Prozent der Untersuchten hatten ein noch niedrigeres Level, mit weniger als 20 Nanogramm pro Milliliter. Dabei zeigte sich laut Angaben der Forscher, dass deutliche übergewichtige Menschen (mit einem BMI-Wert über 30) oder mit Bluthochdruck im Durchschnitt häufiger Mangel an Vitamin D hatten. Dasselbe Phänomen zeigte sich demnach bei Rauchern. Die Wissenschaftler kritisieren an vorherigen Studien, dass viele Details als Faktoren außer Acht gelassen wurden. Beispielsweise sei der Serumsspiegel an Vitamin D entweder sehr lange vor oder erst ab dem Zeitpunkt der Erkrankung mit Covid-19 gemessen worden. Dadurch seien die Messwerte deutlich verzerrt, so die Forscher.

Die Wissenschaftler ergänzen, dass die Daten der Studie einer Einschränkung unterlägen: Bei circa 5 % der Untersuchten konnte eine Corona-Infektion anhand von Antikörpern nachgewiesen werden. Dass das nicht bei allen Probanden möglich war, schwäche die Aussagekraft der Ergebnisse. Als Erklärung geben die Forscher an, dass Antikörper nach einer gewissen Zeit abnähmen und nicht mehr nachweisbar seien. Eine Aussage über die Schwere von Covid-19-Erkrankungen in Abhängigkeit vom Vitamin-D-Status trifft die Studie nicht, es geht lediglich um das Infektionsrisiko.

Vitamin-D-Mangel: Experten empfehlen natürliche Aufnahme

US-Gesundheitsexperte Michael Polis lobte die Methodik der Studie im genannten Fachmagazin: „Diese Studie zeigt, dass eine gut konzipierte, angemessen dimensionierte Beobachtungsstudie mehr definitive Beweise liefern kann als mehrere kleinere, schlecht konzipierte Studien.“

Fazit: Die Forschungsansätze widersprechen sich keineswegs. Die neue Studie aus den USA beschreibt lediglich, wie hoch das Infektionsrisiko mit Sars-CoV-2 sein kann. Die Wissenschaftler betonen darin, welche Zweifel sie an einem klaren Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und einem erhöhten Infektionsrisiko haben. Die anderen Studien aus Deutschland und Spanien zeigen hingegen, wie hoch das Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung ist, sofern es bereits zu einer Infektion mit dem Coronavirus gekommen ist. Die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung unterstreicht das.

Übrigens: Als vorbeugende Maßnahme empfiehlt das BfR Bewegung an der frischen Luft. Durch Sonneneinstrahlung lasse sich über die Eigensynthese der Haut ein gutes Vitamin-D-Level im Körper erreichen. Zudem empfehlen Experten Fisch als Mahlzeit, Lachs oder Hering werden als positive Beispiele und Vitamin-D-Lieferanten genannt. Die Einnahme von künstlichen Präparaten wird derweil kritisch beäugt. In geringen Mengen können diese helfen. Allerdings kann eine Überdosierung massiven Schaden an der Gesundheit anrichten. Das BfR warnt: „Bei einer regelmäßigen täglichen Zufuhr von über 100 Mikrogramm Vitamin D, die bei den üblichen Ernährungsgewohnheiten derzeit nur durch eine übermäßige Einnahme von Vitamin D-Präparaten möglich ist, können unerwünschte Wirkungen wie Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung auftreten. Aus medizinischen Gründen können jedoch höhere Vitamin D-Zufuhrmengen ärztlich angezeigt sein.“ (tu)

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