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Kleine Schnitte und immer schonender – Prof. Dr. Guido Heers über den Einsatz künstlicher Hüftgelenke

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Von: Klaus Geier

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Prof. Dr. Guido Heers untersucht bei einer Patientin die Beweglichkeit des Kniegelenks, um eine Lockerung der Endoprothese auszuschließen.
Prof. Dr. Guido Heers untersucht bei einer Patientin die Beweglichkeit des Kniegelenks, um eine Lockerung der Endoprothese auszuschließen. © Vera Glass

Etwa 400.000 Menschen erhalten nach Angaben des Endoprothesenregisters (EPDR) pro Jahr in Deutschland ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk. Die Eingriffe zählen damit zu den häufigsten Operationen an deutschen Krankenhäusern – und sie werden immer schonender für die Patienten. 

Auch in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel, wo die Versorgung mit Gelenksimplantaten bereits seit Jahren minimalinvasiv erfolgt. Über den Einsatz von künstlichen Gelenken und über neue Entwicklungen in diesem Bereich sprachen wir mit dem Ärztlichen Direktor der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel, Prof. Dr. Guido Heers.

Herr Prof. Dr. Heers, Ihre Klinik hat sich unter anderem auf minimalinvasive Eingriffe im Bereich der Endoprothetik spezialisiert. Wie muss man sich das – beispielsweise beim Einsetzen einer Hüftgelenksprothese – vorstellen?

Der minimalinvasive Eingriff kommt ohne Muskeldurchtrennung aus. Mithilfe spezieller Instrumente werden Muskeln und Sehnen zur Seite geschoben, sodass man Zugang zum Gelenk erhält. Man operiert sozusagen um den Muskel herum, was natürlich ein gewisses Maß an Erfahrung und Expertise erfordert. Für den Patienten ist das besonders schonend – dadurch kommt er auch wesentlich schneller wieder auf die Beine. Außerdem ist das Risiko einer postoperativen Bewegungsstörung nicht gegeben, da der mittlere Po-Muskel unversehrt bleibt. Bei uns an der Klinik werden jährlich etwa 600 künstliche Hüftgelenke eingesetzt.

Gibt es Neuerungen in diesem Bereich?

Ja, wir setzen bereits seit einigen Jahren einen Kurzschaft in den Oberschenkelknochen ein. Das hat den großen Vorteil, dass weniger Knochen weggenommen werden muss. Wir haben das Verfahren als Klinik gemeinsam mit Kliniken in Wiesbaden und der Schweiz entwickelt und Langzeitergebnisse belegen die Vorteile. Bei uns an der Klinik ist das inzwischen Standard, sofern der Zustand des Knochens es erlaubt. Eine weitere Neuerung betrifft den Zugang: Wir setzen den Hautschnitt seitlich von vorne an das Gelenk – die Operation erfolgt über diesen Schnitt minimalinvasiv durch natürliche Muskellücken und ist für den Patienten wesentlich weniger traumatisch als herkömmliche Techniken. Wie schon gesagt, wird das Gewebe über dem Operationsgebiet nicht durchgeschnitten oder abgelöst, sondern zur Seite gehalten.

Gibt es Trends beziehungsweise Neuerungen bei den Materialien, die eingesetzt werden?

Zunächst kann man sagen, dass der Trend – bereits seit Jahren – zu kleinen Schnitten und Zugängen sowie maximal gewebeschonenden Eingriffen tendiert, was bei uns längst Standard ist. Im Bereich der Materialien setzen wir in der Regel auf eine sogenannte Hart-Weich-Paarung. Dabei wird der Hüftkopf durch ein Keramik-Implantat ersetzt, die Hüftpfanne ist aus Polyethylen, also hochwertiger Kunststoff. Das hat viele Vorteile: So muss man sich vorstellen, dass bei schockartigen Belastungen wie bei einem Sprung der harte Kopf auf eine weiche Pfanne stößt. Es gibt verschiedene Paarungen, die ihre jeweiligen Vor- und Nachteile haben. Sind beispielsweise beide Implantate aus Keramik – eine Hart-Hart-Paarung – hat man eine sehr reibungsarme Fläche, was gut ist. Der Nachteil daran ist, dass viele Patienten ein Quietschen bei Bewegungen hören, was meist als störend empfunden wird. Außerdem kann das Material bei sehr großer Belastung zerspringen.

Und was ist mit Titan?

Titan wird verwendet, um den Gelenkersatz mit dem Knochen zu verbinden. Die Oberfläche des Materials ist in diesem Fall leicht porös, sodass der Knochen in die Prothese hineinwachsen kann. Das ist ein sogenanntes nicht-zementiertes Verfahren, das heutzutage am häufigsten angewendet wird.

Wie lange dauert es in der Regel, bis Patienten nach einer Hüftgelenksoperation wieder auf die Beine kommen?

Zunächst ist das sehr vom Zustand und Alter des Patienten abhängig. Grundsätzlich ist es aber so, dass die Patienten bei uns bereits einige Stunden nach der Operation mit Hilfe aufstehen können und auch sollen. Die Standard-Prothesen können direkt vollbelastet werden. In der Regel dauert es sechs bis sieben Tage, bis die Patienten wieder so mobil sind, dass sie sich selbstständig bewegen können. Eine sich anschließende Reha kann ambulant oder stationär gemacht werden.

Prof. Dr. Guido Heers
Prof. Dr. Guido Heers, Chefarzt der Allgemeinen Orthopädie und Endoprothetik © Vitos Orthopädische Klinik Kassel

Zur Person 

Prof. Dr. Guido Heers ist seit dem 1. Januar 2018 Chefarzt der Allgemeinen Orthopädie und Endoprothetik in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel und übernahm im Juli 2019 auch die Aufgabe des Ärztlichen Direktors der Klinik.

Der Mediziner zählt zu Deutschlands führenden Hüftchirurgen. Ursprünglich stammt Prof. Heers, der zuvor an der Orthopädischen Uniklinik in Regensburg tätig war, aus Münster. Der Mediziner ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Familie lebt im Vorderen Westen Kassels.

Vitos Orthopädische Klinik Kassel
Wilhelmshöher Allee 345
34131 Kassel
Tel.: 05 61 / 30 84-0

vitos.de/orthopaedie

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