Zu starke körperliche Belastung kann bei Kindern zu Wachstumsstörungen führen – Gesundes Maß wichtig

Vorsicht bei Hochleistungssport

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Geräteturnen: Durch Überdehnungen der Wirbelsäule besteht ein hohes Verschleißrisiko.

Sport im Kindesalter wirkt sich positiv auf Ausdauer, Kraft, Koordination, Schnelligkeit und Flexibilität aus.

Außerdem können Kinder durch Sport etwa ihre Herz- und Lungenfunktion verbessern, und sogar auf die Leistungen in der Schule, das Selbstvertrauen und das soziale Verhalten hat sportliche Aktivität bei Kindern laut der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) einen positiven Einfluss.

Doch wie sieht es mit diesen positiven Effekten beim Hochleistungssport aus? Die DGSP sieht das problematisch, ebenso wie der Kasseler Kinderorthopäde Dr. Matthias Buch. „Hochleistungssport im Kindesalter ist mit Vorsicht zu genießen“, sagt er. Eine Überlastung des Bewegungs- und Haltungsapparats könne neben akuten Verletzungen in der Folge Langzeitschäden verursachen. Ein Schwachpunkt bei Heranwachsenden sind die sogenannten Wachstumsfugen, knorpelähnliche Schichten in den Knochen. „Werden diese übermäßig beansprucht, kann dies zu Veränderungen im Wachstum führen“, erklärt Buch.

Matthias Buch

Er nennt Beispiele: Beim Kunstturnen etwa kann es durch permanente Stauchbewegungen zu einer Wachstumshemmung der Unterarmknochen kommen. Beim Fußball kann eine starke Belastung der Innenseite der Beine zu O-Beinen führen. Überkopfsportarten wie Speerwerfen bergen vor allem für die Ellenbogen- und Schultergelenke ein hohes Risiko, in späteren Jahren an einer Arthrose - einer Abnutzung des Gelenkknorpels - zu erkranken. Boxen und Klettern belasten insbesondere die Finger- und Mittelhandknochen. „Beim Turnen ist durch Überdehnungen der Wirbelsäule ein hohes Verschleißrisiko gegeben“, sagt der Facharzt. Ebenso könne es beim Gewichtheben durch die starken Stauchkräfte zu einer degenerativen Veränderung der Wirbelsäule kommen. Generell komme es bei vielen Hallensportarten zu einer extremen Belastung der Gelenke und damit zu einem erhöhten Risiko für Spätschäden.

Besondere Vorsicht ist laut Buch bei Vorschäden wie Fehlstellungen und deformierten Gelenken geboten. Deshalb rät er im Vorfeld auf jeden Fall zu einer sportärztlichen Untersuchung, insbesondere um auch andere Risiko-Faktoren wie Herzfehler auszuschließen. Neben Risiken für den Haltungs- und Bewegungsapparat könne eine übermäßige Belastung im Hochleistungssport auch zu Ernährungs- und Essstörungen und zu Verzögerungen in der Pubertätsentwicklung führen.

Ein gesundes Maß an Sport hingegen habe in der Regel einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Doch wann ist ein gesundes Maß überschritten? „Das ist individuell unterschiedlich“, sagt Buch. Solange der alltägliche Lebensrhythmus durch den Sport nicht tiefgreifend gestört sei, bewege man sich im „grünen Bereich“. (mkx)

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