Sonnenvitamin als Ergänzung

Vorsicht: Zu wenig Vitamin D macht Sie krank

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Noch schnell die letzten Sonnenstrahlen abgreifen, bevor die dunkle Jahreszeit anbricht.

Wenn die Tage wieder dunkler werden, kann das aufs Gemüt schlagen. Grund ist zu wenig Vitamin D. Für wen das gefährlich werden könnte, erklärt Stiftung Warentest.

Es wird das "Sonnenvitamin" genannt - und zeigt eigentlich damit schon an, wie es funktioniert und warum es so wichtig für uns ist: das Vitamin D. Wenn die Tage wieder kürzer werden, dann bekommen wir weniger davon ab. Schließlich wird es nur bei Sonneneinstrahlung über die menschliche Haut gebildet. Wenn also die dunkle Jahreszeit anbricht, dann sinkt der Spiegel im Körper. Und das kann wiederum bei einigen für den gefürchteten Herbstblues sorgen. Doch was tun, damit das nicht passiert? Nahrungsergänzungsmittel sollen hier Abhilfe schaffen. Stiftung Warentest ist dem jetzt nachgegangen.

Stiftung Warentest: Wann ein Vitamin-D-Mangel wirklich vorliegt

Grundsätzlich gilt: Im Winter leiden in unseren Breitengraden viele an einem Vitamin-D-Mangel. Auch wenn die Sonne mal strahlend scheint, kann ein einziger Tag Sonnenschein nicht einen extrem niedrigen Spiegel ausgleichen. Gesundheitsexperten sehen das kritisch - und warnen davor, dass dies nicht nur lebensgefährlich, sondern auch sehr gesundheitsschädlich sei. Ein Vitamin-D-Mangel wird sogar verantwortlich für schwere Erkrankungen wie Osteoporose, Autoimmunkrankheiten oder sogar Diabetes gemacht.

Wie wichtig Vitamin D im Winter für uns ist, erfahren Sie hier im Detail.

Doch die Stiftung Warentest hält dagegen: Der Mensch brauche zwar Vitamin D, aber wie viel am Ende genau, ist bis heute noch unklar. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehle zum Beispiel einen Blutwert von 50 Nanomol pro Liter. Doch Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge würden etwa mehr als die Hälfte der Deutschen im Winter darunter bleiben. Pikant: 20 Prozent sollen nicht einmal die 25-Nanomol-Marke pro Liter erreichen.

Dennoch müssen Sie sich keine Sorgen machen, so das Verbraucherportal. Ein schwerer Mangel besteht erst unter 12,5 Nanomol je Liter - das ist sehr selten der Fall und gilt auch erst dann als gefährlich. Die Folge können Knochenleiden, Osteomalazie sowie Rachitis sein. Auch das RKI schreibt, dass "häufig eine ungünstige Wirkung auf den Knochenstoffwechsel nachzuweisen" sei. Doch handfeste Beweise für weitere Krankheiten gebe es bis jetzt noch nicht, berichtet Stiftung Warentest. Dennoch raten einige Ärzte zu Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin D.

Osteoporose-Risiko: Vitamin D kann bei bestimmten Personen die Knochen stärken

Doch ob diese wirklich gegen schwere Krankheiten schützen, konnten neuseeländische Forscher nicht bestätigen. Diese hatten 40 klinische Studien ausgewertet und ihre Ergebnisse bereits 2014 im Fachjournal The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht. Das Team um Dr. Mark Bolland gab Probanden, die wenig Vitamin D im Blut hatten, monate- bis jahrelang willkürlich entweder ein Vitamin-D-Präparat oder ein Placebo. Dabei kam schließlich heraus: Zusätzliches Vitamin D senkt nicht das Risiko der Allgemeinbevölkerung für Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall oder Krebs - und wenn, nur bedingt.

Dagegen konnten die Forscher überraschend feststellen, dass ältere Senioren sehr wohl davon profitieren konnten - und zwar hinsichtlich dessen, dass diese weniger Knochenbrüche erleiden würden. Ein geringeres Sterblichkeitsrisiko war dagegen nicht bekannt. Auch andere Studien bestätigten das Ergebnis der neuseeländischen Forscher. Der Grund dafür könnte sein, dass künstlich zugeführtes Vitamin D nicht dieselbe Wirkung hat oder die gleichen Vorteile aufweise wie die Sonne, vermuten die Wissenschaftler. Daher empfiehlt Stiftung Warentest, nur Vitamin-D-Präparate für Risikogruppen zu verwenden, um deren Knochen zu stärken. Dazu gehören:

  • Babys, da sie keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden dürfen und die Nahrung zu wenig Vitamin D beinhaltet.
  • Senioren ab 65 Jahren, da die Bildung von Vitamin D in der Haut mit dem Alter stark abnimmt.
  • Dunkelhäutige Menschen, da sie in diesen Breitengraden weniger Vitamin D als helle Typen bilden.
  • Personen mit sehr wenig Sonnenkontakt
  • Kranke, die Kortison einnehmen oder bereits an Osteoporose leiden

Tipp: Für Säuglinge liegt die Tagesdosis bei 400 bis 500 I.E. (Internationale Einheiten), das entspricht etwa 12,5 Nanomol pro Liter. Erwachsene dürfen täglich das Doppelte zu sich nehmen. Entsprechende Mittel können Sie rezeptfrei in der (Online-)Apotheke erwerben.

Dagegen sollten Schwangere besser kein künstliches Vitamin D zuführen. Warum das so gefährlich ist, lesen Sie hier.

Stiftung Warentest: Bluttest bringt Gewissheit - und Kalzium unterstützt Wirkung von Vitamin-D-Präparaten

Zudem macht es Sinn, schreibt das Verbraucherportal, zusätzlich zum Vitamin D auch Kalzium zuzuführen - entweder als Kombiprodukt oder ein Vitamin-D- plus extra Kalzium-Präparat. Der Mineralstoff ist ebenfalls wichtig für die Knochen und kann in Verbindung mit dem Sonnenvitamin Knochenkrankheiten vorbeugen. Dennoch empfiehlt es sich dringend, vorher erst mit einem Bluttest den Vitamin-D-Status zu checken, ob ein Nahrungsergänzungsmittel überhaupt notwendig ist. Ansonsten könnten bei einer übermäßigen Einnahme von zu hohen Dosen böse Folgen in Form von Nierensteinen drohen. Doch Vorsicht: Einen Vitamin-D-Check müssen Sie meist aus eigener Tasche zahlen, Krankenkassen zahlen nur in Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn ein begründeter Verdacht auf Osteoporose besteht. Der Test selbst kostet bis zu 40 Euro.

Grundsätzlich sollten Sie auch in der dunklen Jahreszeit versuchen, so oft wie möglich an die Sonne zu gehen. Lange Spaziergänge im Herbstwald sind schließlich nicht nur gesund, sondern sorgen auch für eine entspannte Stimmung.

Lesen Sie auch: Leiden Sie bereits unter Winterdepression? Dann müssen Sie das jetzt essen.

jp

Cortison - Segen und Fluch eines hochwirksamen Medikaments

Wer eine Zeit lang eine cortisonhaltige Salbe verwenden muss, braucht sich keine Sorgen zu machen. Die Nebenwirkungen sind gering, außerdem wirken die Präparate häufig schnell und können zügig wieder abgesetzt werden. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Wer eine Zeit lang eine cortisonhaltige Salbe verwenden muss, braucht sich keine Sorgen zu machen. Die Nebenwirkungen sind gering, außerdem wirken die Präparate häufig schnell und können zügig wieder abgesetzt werden. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn © Franziska Gabbert
Wer Glucocorticoide in Tablettenform nimmt, muss einiges beachten. Die Dosis sollte so niedrig wie möglich gehalten werden. Außerdem braucht der Körper viel Kalzium und ausreichend Vitamin D. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn
Wer Glucocorticoide in Tablettenform nimmt, muss einiges beachten. Die Dosis sollte so niedrig wie möglich gehalten werden. Außerdem braucht der Körper viel Kalzium und ausreichend Vitamin D. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn © Kai Remmers
Lokal angewendet - zum Beispiel in Form von Asthma-Sprays - haben Cortison-Präparate heute kaum noch Nebenwirkungen. Der Wirkstoff gelangt wenn überhaupt nur in sehr geringen Mengen in den Blutkreislauf. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Lokal angewendet - zum Beispiel in Form von Asthma-Sprays - haben Cortison-Präparate heute kaum noch Nebenwirkungen. Der Wirkstoff gelangt wenn überhaupt nur in sehr geringen Mengen in den Blutkreislauf. Foto: Christin Klose/dpa-tmn © Christin Klose
Gudrun Baseler hat seit ihrer Kindheit Rheumatoide Arthritis und wird seit vielen Jahren unter anderem mit Glucocorticoiden behandelt. Foto: Sarah Larissa Heuser/Deutsche Rheuma-Liga/dpa-tmn
Gudrun Baseler hat seit ihrer Kindheit Rheumatoide Arthritis und wird seit vielen Jahren unter anderem mit Glucocorticoiden behandelt. Foto: Sarah Larissa Heuser/Deutsche Rheuma-Liga/dpa-tmn © Sarah Larissa Heuser
Prof. Dr. med. Frank Buttgereit ist Leitender Oberarzt an der Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Foto: Frank Buttgereit/dpa-tmn
Prof. Dr. med. Frank Buttgereit ist Leitender Oberarzt an der Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Foto: Frank Buttgereit/dpa-tmn © Frank Buttgereit

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