Phänomen geklärt

Menschen, die nie dicker werden: Münchner Forscher lüften Geheimnis

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Ein Stück Torte, vielleicht? Warum manche Kuchen essen können, ohne dicker zu werden, ist kein Geheimnis mehr.

Schoko, Torte und eine Riesen-Portion Nudeln - es gibt Leute, die können einfach alles essen, ohne dicker zu werden. Münchner Forscher haben nun eine Antwort auf diese Rätsel gefunden. 

Manche Männer und Frauen haben es einfach schwer. Sie kämpfen ständig mit ihrem Körpergewicht. Für andere sind dagegen Diäten ein Fremdwort.  

Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben nun eine Erklärung für diese Phänomen gefunden, wie es scheint. Hinter dem Geheimnis der „immer Schlanken“ steckt wohl das menschliche Körperfett. 

Doch Fett ist nicht gleich Fett. Das menschliche Fettgewebe besteht aus verschiedenem: braunem und weißem.

  • Überschüssige Energie wird in weißen Fettzellen gespeichert.
  • Braune Fettzellen haben dagegen eine ganz andere Funktion: Sie verbrennen mit Hilfe ihrer zahlreichen Mitochondrien Energie, also Fett. Die bohnenförmigen Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen und werden für die gelb-bräunliche Färbung des Fettgewebes verantwortlich gemacht.
  • Braunes Körperfett ist im Vergleich mit weißem Fett ein Energiefresser.

Braune Fettzellen bei Erwachsenen

Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass Erwachsene nur über einen geringen Anteil von aktiven braunen Fettzellen verfügen.

Doch der Mensch besitzt dreimal mehr braunes Körperfett als angenommen, wie ein Forscherteam aus München nun nachweisen konnten. 

Im Rahmen der Studie, die gerade im Fachmagazin "Journal of Nuclear Medicine" veröffentlicht wurde, haben die Wissenschaftler rund 3000 PET-Scans von 1644 Patienten ausgewertet.

PET steht für Positronen-Emissions-Tomographie und wird in der Krebsmedizin eingesetzt. Mit dieser Methode können Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar gemacht werden. Und mit dieser Technik kamen die Forscher den braunen Fettzellen auf die Spur.

Aktives braunes Fettgewebe sichtbar 

„Als Nebenprodukt dieser PET-Scans wird für uns aktives braunes Fettgewebe sichtbar“, erklärt Dr. Tobias Fromme vom Else-Kröner-Fresenius Zentrum der TU München in einer Pressemitteilung, „das braune Fettgewebe nimmt viel Zucker auf und diese Aktivität können wir über die Scans nachvollziehen.“

Bei den Untersuchungen zeigte sich allerdings, dass die Aktivität sowie Menge des braunen Fettgewebes bei den Probanden sehr unterschiedlich war: Frauen haben demnach häufiger aktiveres braunes Fett als Männer. Schlanke und jüngere Menschen haben mehr Anteile von braunem Fett. Bei Übergewichtigen und Älteren wiederum reagiert das braune Fett, nach Aussagen der Forscher, nicht so aktiv.

Manche können alles Essen ohne dicker zu werden

Hinter diesen Ergebnissen könnte eine mögliche Erklärung für das Phänomen stecken, warum die einen bei einem zusätzlichen Stück Torte schon zunehmen, während anderen süße Schlemmerei nichts anhaben kann, wie in der Mitteilung zu lesen ist.

Die Frage, warum einige Menschen besonders aktives Fett besitzen, können die Wissenschaftler noch nicht abschließend beantworten. Signalstoffe, die mit der Nierenfunktion in Zusammenhang stehen, scheinen ein Schlüssel für die Braunfett-Aktivität sein. Doch dafür wären weitere Grundlagenstudien nötig.

Für die Arzneimittelforschung sei die Studie interessant, schreiben die Autoren. Da neue Adipositas- und Diabetes-Medikamenten das braune Fettgewebe aktivieren, wäre deshalb eine stärkere Wirkung zu erwarten.

Im Kampf gegen Übergewicht stehen braune Fettzellen im Fokus der Wissenschaft. Warum künstliches Licht uns dick macht, können Sie bei Merkur.de. erfahren.

Wissenschaftler Tobias Fromme (l.) und Carlos Gerngroß haben PET-Scans analysiert.

ml

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