Fasten-Fans schwören aufs Entschlacken

Sieben Fakten rund ums Wasserfasten

ARCHIV - Mineralwasser wird am 05.07.2016 in Mülheim (Nordrhein-Westfalen) in ein Wasserglas gegossen. Die Fastenzeit gilt als Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch und endet mit der Osternacht. Christen sollen in diesem Zeitraum als Zeichen von Buße und Besinnung Genüssen entsagen. (zu dpa "Fasten - Zeichen der Buße und Besinnung") Foto: Roland Weihrauch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
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Ohne Wasser geht es nicht: Wer fastet, verzichtet über einen begrenzten Zeitraum auf feste Nahrung. 

Es soll den Körper entgiften und fit machen: Wasserfasten liegt im Trend. Wir beantworten die wichtigsten Fragen für alle, die für eine begrenzte Zeit auf feste Nahrung verzichten wollen.

1) Was ist Wasserfasten?

Die Königsdisziplin des Fastens. Über einen bestimmten Zeitraum nimmt man lediglich Wasser zu sich. Das soll den Körper entschlacken. Für Fasten-Fans ist der Verzicht auf feste Nahrung eine Art Grundreinigung des Körpers. Als Begründer gilt der deutsche Arzt Otto Buchinger, der in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die These aufstellte, alles Ungesunde müsse hin und wieder aus dem Körper raus, vor allem aus dem Darm. Fast 100 Jahre später findet das Fasten immer mehr Anhänger. Kein Wunder: Anders als unsere Vorfahren, die ungewollt fasten mussten, weil es nicht genügend Nahrung gab, leben wir in einer Welt des Überflusses und essen viel zu viel. Das Motto des Fastens lautet: Weniger ist mehr.

2) Wer sollte das machen?

Die Frage ist eher: Wer sollte das nicht machen? Hubert Sostmann, Internist und Gastroenterologe an den Kasseler Diakoniekliniken, rät Menschen mit Herzkreislauf- und Nierenerkrankungen vom Wasserfasten ab. Er empfiehlt es auch niemandem, der abnehmen möchte: "So ein Hauruckverfahren führt nur zu einem Jo-Jo-Effekt." Ansonsten hält er Wasserfasten allerdings für unbedenklich: "Wenn das jemand machen möchte, kann das eine interessante Erfahrung sein." Manche berichten nach dem Wasserfasten sogar von ungeahnten Erkenntnissen.

Und der Kasseler Pianist Bernhard Schüler von der international gefeierten Jazzband Triosence hat nach dem Wasserfasten sogar ein Album geschrieben, das auch deshalb so gut klingt, weil Schüler gefastet hat: "Man entgiftet den Körper und blüht richtig auf."

Wieso tut Wasserfasten gut?

Angeblich wegen der Entschlackung. Schon das Wort klingt gesund, denn wer will schon Schlacke in seinem Körper haben? Allerdings ist das kein medizinischer Begriff, wie Sostmann sagt: "Entschlacken tun wir jeden Tag." Stoffe, die der Körper nicht verwerten kann, werden einfach über Darm und Nieren ausgeschieden.

Wie bereitet man sich darauf vor?

In Ratgebern ist von drei Tagen die Rede, in denen der Körper langsam auf das Fasten vorbereitet werden soll - zum Beispiel durch gekochten Reis, Obst und Gemüse. Zur Darmreinigung kann zudem Glaubersalz verwendet werden. Wer sich jedoch ohnehin einigermaßen ausgewogen ernährt, der kann laut Sostmann auch so mit dem Wasserfasten beginnen.

Darf man wirklich nur Wasser trinken?

Laut der reinen Lehre ist nur Wasser erlaubt. Mediziner Sostmann ist dagegen nicht so streng. Seiner Ansicht nach kann man während des Fastens auch Tee zu sich nehmen, wenn er nicht gesüßt ist. Noch wichtiger als Wasser ist jedoch Natrium. "Kochsalzmangel kann lebensgefährlich sein", warnt Sostmann. So starb vor zwei Jahren beim Frankfurter Ironman-Triathlon ein Brite, der sich quasi zu Tode trank, weil er zu viel natriumarmes Wasser zu sich nahm. Fällt der Natriumgehalt im Blut ab, quellen die Zellen im Körper auf. Es kommt zu Kopfschmerzen und Übelkeit, im schlimmsten Fall endet es tödlich.

Wie lang sollte man fasten?

Ein Tag ist im Normalfall ausreichend. An der Uniklinik Göttingen hat der gebürtige Melsunger Sostmann Patienten früher drei Tage lang hungern lassen. Mit Erfolg. Gegen die Hungerattacken half das Wasser, von dem man während des Fastens doppelt so viel wie sonst zu sich nehmen sollte. Im Normalfall reichen ürbigens 1,5 Liter pro Tag, der Rest kommt durch feste Nahrung. Beim Fasten hilft das Wasser auch gegen Hungerattacken. Im Internet findet man auch Erfahrungsberichte von Patienten, die bis zu zehn Tage nichts als Wasser zu sich genommen haben. Aber man sollte aus der Ernährung und dem Verzicht auf sie keinen sportlichen Wettkampf machen.

Wie geht es nach dem Fasten weiter?

Am besten so, wie es sich Ärzte auch sonst wünschen, also nicht mit einer Schweinshaxe, sondern mit leicht verdaulicher Nahrung, wie Sostmann empfiehlt. Und für alle, denen Wasserfasten Freude bereitet, muss es keine einmalige Erfahrung bleiben. Man kann das Experiment ruhig mehrmals im Jahr ohne schlechtes Gewissen wiederholen.

Unser Experte

Hubert Sostmann

Dr. Hubert Sostmann (58) ist in Melsungen aufgewachsen und hat in Marburg Medizin studiert. Er war Stabsarzt bei der Marine. Als Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie arbeitete er an der Uniklinik Göttingen und am Klinikum Kassel. Seit 2001 ist er Chefarzt der Klinik für Innere Medizin - Gastroenterologie der Diakonie-Kliniken Kassel. Sostmann ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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