Psychologie

Von wegen nicht erzogen: Weshalb Kinder nicht gehorchen

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So eine Wasserschlacht macht auch dem Papa Spaß: Gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse stärken die Eltern-Kind-Bindung, sagen Psychologen. Dann klappt`s auch, dass Kinder Zurechtweisungen akzeptieren.

Wenn Kinder ihren Eltern auf der Nase herumtanzen, ist dies nicht ein Erziehungs-, sondern ein Beziehungsproblem, sagt der Kinderarzt Remo Largo

Kinder sind wohl das schönste Geschenk des Lebens – wenn sie nicht gerade bockig sind, sich schreiend im Supermarkt auf dem Boden wälzen oder die Vitrinen im Museum rauf und runter abschlecken. Ja, manchmal können Kinder einen auch ganz schön in den Wahnsinn treiben, wenn sie mal wieder tun und lassen, was sie wollen.

Dann stehen Eltern ratlos da und fragen sich, was sie falsch gemacht haben, dass ihr Nachwuchs selbst ein Machtwort einfach ignoriert. 

Kein Autoritäts-, sondern ein Beziehungsproblem 

Häufig müssen sich Eltern dann von Nachbarn und Bekannten anhören, sie setzten ihren Kindern nicht genügend Grenzen und ließen ihnen zu viel durchgehen. Sind Eltern also selbst schuld, wenn aus süßen Rackern kleine Tyrannen werden, die auch später in ihrem sozialen Umfeld auffällig sind und im Job wie im Privaten dauernd anecken? Nein, sagt der Schweizer Kinderarzt und Buchautor Remo Largo. Die Ursache, weshalb Kinder nicht gehorsam sind, liege nicht am Erziehungsstil der Eltern. Vielmehr sei dies ein Indiz dafür, dass die Eltern-Kind-Beziehung gestört sei

Ist die Beziehung gestört, erleben Kinder Zurechtweisungen als Ablehnung 

Kinder gehorchten, so der Mediziner, weil sie aus einer emotionalen Abhängigkeit heraus die Zuwendung und die Liebe der Eltern oder einer anderen Bezugsperson nicht verlieren wollen. Ist diese Beziehung nicht stark genug, akzeptieren Kinder nicht nur nicht, was die Eltern sagen, sondern sie erlebten Zurechtweisungen auch als Ablehnung, so Largo gegenüber dem Deutschlandfunk. Viele Eltern spürten dies wohl auch intuitiv und würden deshalb nicht mehr wagen, ihre Kinder zurechtzuweisen

Mehr Zeit als Familie verbringen 

Der einzige Ausweg aus diesem Teufelskreis: Eltern müssten versuchen, Vertrauen zu ihrem Kind aufzubauen. Doch Vertrauen wächst langsam, und viele Mütter und Väter haben neben Beruf und Haushalt nur wenig Zeit, sich mit dem Nachwuchs zu beschäftigen. Und selbst wenn einmal Zeit sein sollte, setzen viele Eltern ihre Kinder gerne vor dem Fernseher oder dem Computer ab oder überlassen ihnen ihr Smartphone zum Spielen, um Zeit für sich selbst zu haben

Gemeinsame Aktivitäten stärken das Wir-Gefühl 

Doch genau da liege der Fehler, so Largo. Zwanzig Minuten am Tag mit dem Kind zu verbringen, reiche nicht aus, um eine tiefe Beziehung zu ihm aufzubauen. Wichtig sei es vielmehr, gemeinsam aktiv Zeit miteinander zu verbringen, gemeinsame Erlebnisse zu schaffen – etwas zu basteln, Fußball zu spielen oder zu backen. Erlebten die Kleinen ihre Eltern in solchen Momenten als Freunde, die ihnen wohlgesonnen sind, akzeptierten sie auch, wenn die Eltern sie auch mal in ihre Schranken weisen.

Von Franziska Grosswald

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