Zum Weltvegantag 2018

Veganer leben auch nicht länger: Alle Infos zu rein pflanzlicher Ernährung

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Alles aus dem Garten ist erlaubt: Wer vegan lebt, vermeidet nicht nur den Verzehr von Fleisch und Fisch wie Vegetarier, sondern auch den tierischer Produkte wie Milch, Eier oder Honig. Damit sind auch Joghurt, Käse, Pudding und Süßigkeiten mit Gelatine vom Speiseplan gestrichen. Gemüse kommt dagegen oft auf den Tisch. Allerdings lebt man als Veganer nicht automatisch länger.

Weltvegantag 2018 - leben Veganer wirklich gesünder? Die knappe Antwort lautet: Nein. Was Menschen beachten müssen, die sich nur pflanzlich ernähren, klären wir mit einer Expertin.

Artikel aktualisiert am 1. November 2018 um 12.16 Uhr - Die Rotenburgerin Cornelia Adolphi (57) ist leitende Ernährungsfachkraft und stellvertretende Leiterin der Ernährungsambulanz am Rotenburger Herz- und Kreislaufzentrum. Sie klärt auf:

Nur vegan ernähren – reicht das überhaupt?

Nein, zumindest sollten dabei folgende Punkte beachtet werden.

  • Man sollte dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen, weil die Zufuhr mit herkömmlichen Lebensmitteln nicht sichergestellt werden kann.
  • Gezielte nährstoffdichte Lebensmittel und angereicherte Lebensmittel auswählen, um die Versorgung mit kritischen Nährstoffen wie beispielsweise Proteinen, unentbehrliche Aminosäuren, Vitamin D, Calcium, Eisen, Jod oder Zink sicherzustellen.
  • Gegebenenfalls die Versorgung vom Arzt überprüfen lassen und generell bei Nährstoffmangel die Ernährung umstellen, Zusatzpräparate oder über angereicherte Lebensmittel die kritischen Nährstoffe zu sich nehmen, solange bis der Mangel behoben ist.
  • Es ist auch empfehlenswert, sich von einer qualifizierten Fachkraft beraten zu lassen.

Welche Vorteile für die Gesundheit bringt eine vegane/vegetarische Ernährung?

Pflanzenbetonte Enährungsformen sorgen für eine gute Versorgung mit den Vitaminen C und E, Thiamin und Folat, Mineralstoffen mit Magnesium, Kalium sowie Ballaststoffen und pflanzlichen Wirkstoffen. Dafür nimmt man weniger gesättigte Fettsäuren und Cholesterin zu sich. Das Krankheitsrisiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes mellitus Typ II oder bestimmte Krebsarten wird gesenkt. Zu bedenken ist aber auch der Lebensstil, sodass das niedrigere Krankheitsrisiko nicht ausschließlich auf die Ernährung zurückzuführen ist.

Gibt es Belege, dass fleischlose Ernährung zu einem gesünderen, vielleicht längeren Leben führt?

In einer Analyse aus England aus dem Jahr 2016 wurden Personen, die sich vegetarisch ernähren, mit Personen, die eine pflanzenbetonte Mischkost mit geringen Fleischmengen bevorzugen, verglichen. Beide Gruppen unterschieden sich hinsichtlich der Sterblichkeit nicht. Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse kann derzeit nicht von einem gesundheitlichen Vorteil von Vegetariern gegenüber sich vergleichbar ernährenden Mischköstlern mit einem geringen Fleischanteil in der Ernährung ausgegangen werden.

Nach einer Ausbildung zur Diätassistentin an der Diätschule am Klinikum in Bad Hersfeld baute Cornelia Adolphi die Ernährungsberatung am HKZ auf. Sie ist Ansprechpartnerin für das Modellprojekt Lehrklinik Ernährungsmedizin und Qualitätsbeauftragte. Cornelia Adolphi ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wirkt sich eine vegane Ernährung auf die Leistungsfähigkeit aus?

Nach vorliegenden Studien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erreichen Männer, die sich vegan ernähren, keine ausreichende Versorgung mit Proteinen. Werden jedoch Milch- und Milchprodukte sowie Eier einbezogen, kann eine leistungserhaltende Ernährung leichter realisiert werden. Entscheiden sich Menschen aber bewusst für den höheren zeitlichen und arbeitsintensiven Einsatz, kann eine vegane Ernährung Spaß machen, gesund sein und die Leistungsfähigkeit erhalten.

Veganes Hackfleisch, Tofuwurst – was habe ich von diesen Produkten zu halten?

Zur Versorgung mit kritischen Nährstoffen, insbesondere bei einer veganen Ernährung, tragen die Ersatzprodukte kaum bei, lediglich die Proteinversorgung kann unterstützt werden. Der Salzgehalt und die Zahl der Zusatzstoffe sind häufig zu hoch, der Gehalt an Mikronährstoffen variiert sehr stark.

Wer sollte sich nicht vegan ernähren?

Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche haben einen besonderen Nährstoffbedarf und sind anfällig für Nährstoffdefizite. Das Netzwerk „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ und die deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin lehnt die vegane Ernährung für diese Personengruppen ab. Beide Vereinigungen betonen die Risiken für die kindliche Entwicklung, die Notwendigkeit der medizinischen Beratung und die Einnahme von Nährstoffpräparaten.

Liegt eine kombinierte Soja- und Nussallergie vor, ist eine ausreichende Versorgung mit Protein ausschließlich mit pflanzlichen Proteinquellen äußerst schwer, manchmal gar nicht zu realisieren.

Kokosöl ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Doch jetzt zeigt sich, dass das Wundermittel wohl auch negative Aspekte hat. Im Artikel Schlecht fürs Herz - Darum sollten Sie nicht mit Kokosöl kochen klären wir über die Risiken auf.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals 2017 bei HNA7

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