Zöliakie ist eine angeborene Erkrankung des Dünndarms – Klebereiweiß führt zu heftigen Krämpfen

Wenn Getreide krank macht

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Alles glutenfrei: Annette und Annalisa Oivieri mit Produkten, die man auch mit einer Zöliakie genießen kann. Fotos: Mangold

Neun Monate lang stillte Annette Olivieri aus Bad Arolsen ihre Tochter Annalisa. In der Zeit gedieh das Mädchen gut. Nach dem Abstillen und der Umstellung auf feste Nahrung begannen die Probleme: Annalisa bekam Blähungen und Durchfall, weinte viel und schlief wenig. Häufig erbrach sie kurz nach dem Füttern das Essen. Sie magerte ab. Der Kinderarzt vermutete eine Getreideunverträglichkeit. Eine Gewebeprobe aus Annalisas Dünndarm lieferte dann die Diagnose: Zöliakie.

Die chronische Erkrankung des Dünndarms beruht auf einer angeborenen Unverträglichkeit des Körpers gegenüber dem Klebereiweiß, Gluten genannt. Das findet sich in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer.

„Was kriegt das Kind jetzt zu essen?“ habe sie sich damals gefragt, erinnert sich Annette Olivieri an den Tag der Diagnose, vor 16 Jahren. Von nun an bestellte sie bestellte glutenfreie Produkte wie Nudeln, Kekse und Brot in einem Reformhaus in Kassel. „Aber das Brot hat nicht geschmeckt. Es war hart, trocken und ungenießbar.“ So habe sie vieles selbst aus Mais-und Kartoffelmehlmischungen gebacken. Nach sechs bis acht Wochen glutenfreier Ernährung war Annalisa beschwerdefrei, nahm zu und entwickelte sich altersgemäß.

Zu Kindergeburtstagen gab ihr die Mutter ein Stück Kuchen mit, auf Klassenfahrten hatte sie eine Tasche mit glutenfreien Lebensmitteln dabei. Inzwischen ist Annalisa 16 Jahre alt und kann mit ihrer Krankheit umgehen. Sie weiß, in welchen Lebensmitteln Gluten enthalten und schreibt über das Leben mit Zöliakie eine Hausarbeit für ihren Realschulabschluss.

 „Ab und zu ist es schwierig, wenn man unterwegs ist“, erzählte sie. Einfach mal ein Eis oder einen Döner essen sei nicht möglich. Zu Hause hat sie einen eigenen Vorratsschrank mit glutenfreien Lebensmitteln. „Weizenmehl gibt es bei uns nicht mehr“, sagt Annette Olivieri. Um ein Vermischen von glutenhaltigen mit glutenfreien Lebensmitteln zu vermeiden, backt sie nur mit Mehlmischungen aus dem Reformhaus.

Um zu wissen, welche Produkte glutenfrei sind, schauen die Olivieris in Listen der Deutschen Zöliakie Gesellschaft nach, die jedes Jahr eine Aufstellung aller im Supermarkt erhältlicher Lebensmittel herausbringt. 

Rebellion im Dünndarm

Zöliakie ist eine angeborene Erkrankung des Dünndarms. Die Aufnahme des Klebereiweißes Gluten aus den Getreidesorten Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste und Hafer verursacht eine Entzündung des Dünndarms, in deren Folge Nährstoffe nicht mehr ausreichend aus dem Darm aufgenommen werden. Es kommt zu Durchfall, Erbrechen und Gewichtsverlust. Ohne Therapie erhöht sich die Gefahr einer Darmkrebserkrankung. Zöliakie ist nicht heilbar, die Behandlung besteht ausschließlich in einer glutenfreien Diät. (yma)

• Näheres: Deutsche Zöliakie-Gesellschaft, www.dzg-online.de 

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