Wenn die Hoffnung stirbt

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Ob wohl alles gut geht? Diese Frage stellen sich wohl alle werdenden Mütter. Doch nicht immer erfüllt sich die Hoffnung.

Bei einer von vier Schwangerschaften weicht die Vorfreude auf den Nachwuchs der Trauer über den Verlust des ungeborenen Kindes:

Eine Fehlgeburt ist für viele Frauen nur schwer zu verkraften. Dr. Istvan Szini, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe im Korbacher Stadtkrankenhaus, spricht im HNA-Interview über die häufigsten Ursachen und gibt werdenden Müttern Tipps.

Was sind die häufigsten Ursachen für Fehlgeburten?

Dr. Istvan Szini: Es gibt viele Grüne für Fehlgeburten. Grob aufgeteilt gibt es mütterliche, väterliche, fetoplazentare und andere Gründe. Dazu zählen unter anderem: Fehlbildungen der Gebärmutter, Tumore (Geschwulste) der Gebärmutter, häufig gutartige Myome, selten bösartige Uterustumore. Entzündung (Endometritis) der Gebärmutterschleimhaut Verklebungen (Synechien) der Gebärmutterschleimhaut, Zervixinsuffizienz (Schwäche des Gebärmutterhalses), Endokrine Störungen, allgemeine Erkrankungen (wie zum Beispiel Diabetes, mellitus, Anämie), Stress sowie mechanische Einwirkungen auf die Gebärmutter können eine Fehlgeburt auslösen.

Spielt das Alter des Paares eine Rolle?

Dr. Szini: Mit zunehmendem Alter des Mannes steigt das Risiko einer Fehlgeburt. Die Schwangerschaftsrate nimmt mit zunehmendem Alter des Mannes unabhängig von dem Alter der Partnerinnen ab.

Ist es möglich, Risiken vorher zu erkennen?

Dr. Szini: Bei den vielen Ursachen ist es fast unmöglich, alles gleichzeitig zu untersuchen. Aus diesem Grund ist eine gründliche Anamnese (Krankengeschichte) bei dem Frauenarzt und Hausarzt entscheidend. Hierbei bekommt man Hinweise, in welche Richtung die Untersuchungen zu steuern sind.

Welche Rolle spielt die Ernährung der Mutter und worauf sollte sie achten?

Dr. Szini: Die Ernährung der Schwangeren ist wichtig. Man sollte während der Schwangerschaft nicht mehr als 11 bis 13 Kilogramm zunehmen. Denn mütterliches Übergewicht verursacht eine reduzierte Fruchtbarkeit und verursacht ein erhöhtes Risiko auf etwaige Schwangerschaftskomplikationen wie beispielsweise Schwangerschaftsdiabetes oder Schwangerschaftsbluthochdruck. Eine etwaige Gewichtsabnahme oder Gewichtsnormalisierung sollte angestrebt werden.

Also ist es in Ordnung während einer Schwangerschaft eine Diät zu machen?

Dr. Szini: Sollte eine bestimmte Diät während einer Schwangerschaft fortgesetzt werden, empfiehlt es sich, die mit einem Ernährungsberater abzusprechen. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel, Abmagerungsmittel und pflanzlichen Produkten sollte auf jedem Fall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden und im Zweifelsfall während der Schwangerschaft eher ausgesetzt werden, um das Kind keinem unnötigen Risiko auszusetzen. Alle Frauen sollten auf jeden Fall ein Multivitaminpräparat, das zumindest Folsäure (0,4 mg) enthält, einnehmen, um das Risiko für Defekte des Nervensystems zu minimieren.

Welchen Tipps können sie werdenden Müttern mit auf dem Weg geben, damit die Schwangerschaft so reibungslos wie möglich verläuft?

Dr. Szini: Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die belegen, dass eine geplante Schwangerschaft für Mutter und Kind besser ist als eine „zufällige“. Bei einer geplanten Schwangerschaft kann man manche Untersuchungen, die normalerweise erst in der Schwangerschaft durchgeführt werden, bereits bei bestehendem Kinderwunsch veranlassen. So ist es zum Beispiel sinnvoller, bereits vor einer Schwangerschaft einen Röteln-Antikörper-Titer zu messen. Falls man gegen Röteln nicht immun ist, kann vor einer Schwangerschaft noch geimpft werden. Eine Impfung in der Schwangerschaft ist naturgemäß nicht mehr möglich.

Welche Untersuchungen sollten unbedingt stattfinden?

Dr. Szini: Bei der Untersuchung einer Schwangerschaft ist eine ausführliche Anamnese durchzuführen, insbesondere müssen alle Gesundheitsrisiken besprochen beziehungsweise ausgeschlossen werden. Weiter ist es wichtig, dass alle eingenommenen Medikamente zur Sprache gebracht werden. Es ist immer wieder notwendig eine Dauermedikation umzustellen, da manche Medikamente in der Schwangerschaft besser verträglich oder weniger Nebenwirkungen haben als andere.

Welche Rolle spielt die Krankheitsgeschichte der Familie der werdenden Eltern?

Dr. Szini: Sie ist fast ebenso wichtig wie die Krankheitsgeschichte der Patientin selbst. Die Familienanamnese hilft bei der Identifikation von genetischen Risiken für die Mutter und das Kind. Beispielsweise sind sich viele Frauen nicht der Tatsache bewusst, dass thromboembolische Erkrankungen (Blutgerinnsel, Schlaganfall, Herzinfarkt) in der Familienanamnese ein erhöhtes Risiko für Thromboembolien während der Schwangerschaft bedeuten. Frauen mit einer auffälligen Familienanamnese ist eine weiterführende Diagnostik anzubieten.

Von Maja Yüce

Stichwort

Abortus habitualis

Über habituellen Abort oder wiederholter Fehlgeburt spricht man dann, wenn drei Aborte hintereinander folgen. Als mögliche Erklärung für wiederholte Fehlgeburten wird eine gestörte Interaktion von mütterlichen und kindlichen Gewebe angenommen.

Gesetz

Mutterschutz

In Deutschland beginnt der Mutterschaftsurlaub (Mutterschutz) sechs Wochen vor dem mutmaßlichen Entbindungstermin und erstreckt sich bis acht Wochen nach der Geburt, bei Frühgeburten und Mehrlingsgeburten bis 12 Wochen danach.

Hintergrund

Frühes Ende der Schwangerschaft

Definitionsgemäß ist die Fehlgeburt (Abort, vom lat.abortus) das frühzeitige Ende einer Schwangerschaft, bei der die Frucht mit einem Gewicht von < als 500 g und vor der 22 SSW auf die Welt kommt. Ab einem Gewicht des Fötus von >500 g spricht man von einer Totgeburt, dies ist in der 22. bis 24. SSW zu erwarten.

Die Häufigkeit der Fehlgeburten kann nicht genau bestimmt werden, da es innerhalb des ersten Schwangerschaftsdrittels oft unbemerkt zu einer Fehlgeburt kommt. Häufig weiß eine Frau zum Zeitpunkt der Fehlgeburt noch nicht einmal von ihrer Schwangerschaft und bemerkt lediglich eine ungewöhnlich starke oder verspätete Regelblutung. Die Fehlgeburtsrate ist nach einer sicheren Feststellung der Schwangerschaft etwa 10 bis 20 Prozent.

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