Wenn es in der Schulter eng wird

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Einseitige Belastung, Bewegungsmangel oder Überbeanspruchung sind die Hauptgründe für Veränderungen

Die Schulter ist das beweglichste, aber auch empfindlichste Gelenk, das hauptsächlich durch die umliegende Muskulatur stabilisiert und geführt wird.

Durch einseitige Belastungen im Beruf, Bewegungsmangel, aber auch Überlastung durch Überkopfsportarten wie Handball, kann es zu Störungen im Bewegungsablauf kommen.

Die Muskulatur ermüdet, die Schulter kann sich verschieben und läuft dann nicht mehr rund. So entstehen schmerzhafte Beschwerden ausgelöst durch eine Schleimbeutelentzündung, die Einklemmung einer Sehne unter dem Schulterdach oder durch ein Kalkdepot. Man spricht dann von einem Überlastungs- oder Engstellensyndrom.

Neben solchen aktuellen Problemen werden zudem im Laufe des Lebens Muskulatur, Sehnen und Gelenk der Schulter ohnehin sehr strapaziert. Bei älteren Menschen sind die Sehnen der Schultermanschette oft dünn und rissig und der Gelenkknorpel ist durch Arthrose stark abgenutzt.

Die konservative Therapie und die minimal-invasive Arthroskopie bieten zahlreiche Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern. Zu guter Letzt können auch teilprothetische Lösungen oder ein künstliches Gelenk wieder zur schmerzfreien Beweglichkeit führen.

Die Telefonsprechstunde zum Thema „Schmerzen in der Schulter“ fand große Nachfrage.

Prof. Dr. Werner Siebert, Ärztlicher Direktor der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel, beantwortete pausenlos Fragen unserer Leserinnen und Leser.

Ich bin 59 Jahre alt und vor eineinhalb Jahren beim Fußball auf die Schulter gefallen. Dabei habe ich mich verletzt. Die Sehne war gerissen und wurde mit y-Ankern befestigt.

Ich hatte nach der Rehabilitation zunächst keine Probleme mehr. Jetzt habe ich das Gefühl, als wenn die Sehne in der Schulter über etwas drüber schnappt. Was kann das wohl bedeuten?

Siebert: Die Sehnen, die den Arm bewegen, sind nicht besonders gut durchblutet. Wenn man älter ist, heilen sie deswegen nicht mehr so gut und bekommen schnell Risse. Es kann durchaus sein, dass Ihre Sehne wieder vollständig gerissen oder ausgefasert ist. Das sollte mit einer Kernspintomografie festgestellt werden. Vermutlich müssen Sie dann wieder arthroskopisch behandelt werden.

Ich bin 79 Jahre alt und habe in beiden Schultergelenken Arthrose. Besonders nachts habe ich große Schmerzen und weiß gar nicht mehr, wie ich liegen soll. Ich habe jetzt sechsmal Krankengymnastik gemacht. Die hat etwas Linderung verschafft, aber jetzt wird es wieder schlimmer. Was raten Sie mir?

Siebert: Lassen Sie sich noch einmal Krankengymnastik und auch Massagen verschreiben. Vermutlich wird Ihnen auch Wärme gut tun. Sie können sich eine Wärmflasche auf die Schultern legen oder auch im warmen Thermalwasser regelmäßig schwimmen.

Wenn das Alles in absehbarer Zeit nicht hilft, bietet sich der Einsatz künstlicher Gelenke an. Die gibt es mittlerweile in verschiedenen Varianten, die alle gut erprobt sind. Künstliche Schultergelenke werden bereits seit den 50er Jahren eingesetzt. Sie sind damit die künstlichen Prothesen, mit denen man die meiste Erfahrung hat.

Ich habe eine Schleimbeutelentzündung in der Schulter und bereits Cortisonspritzen bekommen. Die haben leider nicht angeschlagen. Meinen Sie, Akupunktur wäre ein erfolgreiches Mittel?

Siebert: Eher nicht, denn diese Therapie ändert nichts an der Ursache. Akupunktur kann die Schmerzen aber lindern. Wenn nach drei bis fünf Behandlungen keine Besserung eintritt, sollten Sie die Therapie abbrechen, denn Sie müssen sie auch selber bezahlen. Ich würde Ihnen eine Stoßwellentherapie empfehlen. Schleimbeutelentzündungen sind oft die Folge eines Schulterengstellensyndroms.

Wenn die Schmerzen nach drei Monaten Therapie nicht besser werden, ist eine Arthroskopie mit Entfernung des Schleimbeutels und Entfernung der Engstelle angebracht.

Ich bin 50 Jahre alt und sportlich sehr aktiv. Seit einigen Wochen habe ich Probleme mit der Schulter. Ich kann meinen Arm nicht mehr richtig nach hinten halten, zum Beispiel, wenn ich eine Jacke anziehe. Auch nach oben strecken ist schwierig und meist nur durch Zuhilfenahme des anderen Arms möglich. Woran kann das liegen?

Siebert: Vermutlich haben Sie eine Verknöcherung am Schulterdach, die die darunter liegenden Sehnen reizt. Man kann diesen überstehenden Knochen im Rahmen einer Gelenkspiegelung um einige Millimeter abtragen. Dann sind Sie sofort wieder symptomfrei. Wenden Sie sich dazu am besten an einen Schulterspezialisten.

Ich habe eine Kalkschulter und hatte bereits Stoßwellen- und eine Röntgenreiztherapie. Beides hat nichts gebracht. Welche Möglichkeiten der Besserung sehen Sie?

Siebert: Kalkbeläge sollten aus der Schulter entfernt werden. Dazu werden Sie im Rahmen einer Arthroskopie weggefräst und abgesaugt. Das kann man auch ambulant machen.

Da man aber meist nicht alle abgefrästen Kalkpartikel absaugen kann, müssen die verbleibenden Teilchen vom Körper selbst abgebaut werden. Deswegen wird es ungefähr drei Wochen dauern, bis Sie nach dem Eingriff beschwerdefrei sind.

Mir ist vor 30 Jahren durch einen Unfall die Bizepssehne am Schulteransatz gerissen. Ich habe in dem Arm dadurch nicht mehr viel Kraft.

Jetzt habe ich auch noch eine Schultergelenksarthrose dazu bekommen. Was empfehlen Sie?

Siebert: Ich würde Ihnen den Einsatz einer Schultergelenksprothese empfehlen. Es gibt viele verschiedene Gelenkmodelle, die Ihnen wieder zu einer guten Beweglichkeit verhelfen können.

Wenden Sie sich am besten an einen ausgewiesenen Schulterspezialisten, der nachweisen kann, dass er diese Operation tatsächlich beherrscht und häufig macht.

Von Susanne Seidenfaden

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