Neu in der Zahnmedizin: Knochenaufbau im Kiefer mit körpereigenen Stammzellen

Wenn Zähne nicht halten

Vorher: Zahnverlust führt zum Verlust von Knochen- und Weichgewebesubstanz. Nachher: Durch Knochenaufbau und Gewebeverdickung kann ein natürliches Aussehen wieder hergestellt werden. Fotos: Rauch/nh

Die zahnärztliche Implantologie hat sich zu einem Standardverfahren in der modernen Zahnheilkunde entwickelt. Im vergangenen Jahr wurden in der BRD mehr als eine Million Zahnimplantate in den Kieferknochen eingesetzt.

Damit künstliche Zahnwurzeln – die Implantate – dauerhaft stabil ihre Funktion erfüllen können, müssen sie von ausreichend viel und gesundem Kieferknochen umgeben sein. Bei etwa 70 Prozent aller Implantationen ist ein Knochenaufbau erforderlich. Bewährt hat sich der Knochenaufbau mit Eigenknochen aus anderen Regionen der Mundhöhle sowie mit „Knochen aus dem Gläschen“, einem Knochenersatzmaterial.

„Immer häufiger stellen sich in meiner Implantat- Sprechstunde Patienten mit großen Kieferdefekten vor, bei denen große Mengen Knochen aufgebaut werden müssen um ein optimales Implantatbett und Knochenlager zu schaffen“, sagt Zahnärztin Dr. Petra Rauch. Gleichzeitig nehme die Anzahl der Patienten zu, bei denen aufgrund allgemeiner Erkrankungen die Knochenregeneration verzögert beziehungsweise eine Unterstützung der Heilungsprozesse wünschenswert ist.

Besonders aufwändig ist die Prozedur für Patienten in höherem Alter, mit extremer Kieferatrophie oder allgemein ungünstigen Voraussetzungen. Bisher konnten diese laut Rauch nur mit erheblichem Aufwand, beispielsweise durch die Entnahme von Knochensubstanz aus dem Beckenkamm implantiert werden.

Stammzellen aus dem Hüftknochen für den Kiefer

In vielen dieser Fälle kann nun Abhilfe geschaffen werden: Mit einer neuer Methode werden Stammzellen aus dem Hüftknochen mit einer Nadel entnommen. „Die Stammzellentnahme ist schonend und schmerzfrei“, sagt Dr. Petra Rauch.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Knochenaufbau direkt im Anschluss an die Gewinnung der körpereigenen Stammzellen gemeinsam mit künstlichem Knochen in Angriff genommen wird. Und zwar noch in derselben Behandlungssitzung. Oft können sogar die Implantate während dieser Zeit platziert werden. Auf diese Weise sparen die Patienten Zeit und Kosten.

Dieses relativ neue Verfahren wurde von der Freiburger Uniklinik entwickelt und macht die Implantation auch bei Risikopatienten möglich. „Auch wir in unserer Zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis bieten unseren Patienten diese Behandlung bereits seit 2008 an“, sagt Dr. Petra Rauch. (nh/jwe)

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