Wenn die Zecke zusticht

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Gefahr nicht unterschätzen: Dr. Peter Urban, Leiter für Gesundheitswesen, Schwalm-Eder-Kreis, rät bei Zecken zur Vorsicht. Foto: yma

Sie sind winzig klein und werden oft erst am Ende eines Sommertages entdeckt: Zecken. Sie stechen unbemerkt zu, indem sie die Stichstelle betäuben und sich so ungestört in der Haut ihres Wirtes verankern können.

Das Gefährliche an den eigentlich harmlosen Parasiten sind die Krankheiten, die von ihnen auf den Menschen übertragen werden können.

Je nach Verbreitungsgebiet übertragen infizierte Zecken den Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), einer gefährlichen Hirnhautentzündung. Der Landkreis zählt nicht zu den Risikogebieten. „Im vergangenen Jahr gab es gar keinen FSME-Fall“, sagte Dr. Peter Urban, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Davor habe es einen fraglichen Fall gegeben.

Generell zähle Nordhessen nicht zu den Verbreitungsgebieten der FSME-Virus übertragenden Zecken. Nur im Kreis Marburg-Biedenkopf gäbe es Fälle, außerdem in Südhessen und den angrenzenden Bundesländern. „Wer im Schwarzwald wandern möchte, sollte sich vorher informieren“, meint Urban. Generell hänge das Infektionsrisiko davon ab, wie viel Zeit man in der Natur verbringe.

Schutz vor der Erkrankung bietet nur ein ausreichender Impfschutz. Wer einen Urlaub in einem Risikogebiet verbringen möchte, sollte sich mindestens sechs Wochen vorher informieren, um Zeit für die Impfungen zu haben. Die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Europa ist die Borreliose, die im Unterschied zu den FSME-Erregern durch Bakterien verursacht wird und nicht auf bestimmte Gebiete beschränkt ist. Gefürchtet sind besonders die Spätfolgen der Erkrankung mit Lähmungen und Gelenksentzündungen. Laut einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts sind fünf bis 35 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert. Typisches Kennzeichen einer Infektion ist die Wanderröte der Haut an der Stichstelle der Zecke, die sich Tage bis Wochen nach dem Stich zeigt. Eine Rötung der Haut um die Stichstelle sollte möglichst bald einem Arzt gezeigt werden, rät Urban. Am erfolgreichsten ist die Behandlung mit einem Antibiotikum in der Frühphase der Infektion. Bevorzugte Stellen für einen Zeckenbefall sind Kniekehlen, Leisten, Achselhöhlen, bei Kindern am Haaransatz. Das Erkrankungsrisiko steigt, je länger die Zecke saugt. Daher sollten die Parasiten schnell und vorsichtig entfernt werden. Die Zecke darf nicht gequetscht, mit Klebstoff oder Öl betupft werden. Sonst entleert sie in Panik den Mageninhalt in die Wunde. Der Erreger gelangt ins Blut.

Von Bettina Mangold

Borreliose kann zu Lähmungen führen

Die Borreliose ist auf der Nordhalbkugel verbreitet, in Nordamerika, Asien und Europa. In Deutschland ist nach einem Zeckenstich bei rund fünf Prozent der Betroffenen mit einer Infektion und bei einem Prozent mit einer Erkrankung zu rechnen. Tage bis Wochen nach der Infektion erscheint bei fast allen Borreliosen die Wanderröte (Erythema migrans), eine lokale Entzündung der Haut um die Stichstelle, die sich langsam ausbreitet. Dieses Stadium kann von Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Lymphknotenschwellungen, Muskel- und Gelenkschmerzen begleitet sein. Wochen bis Monate nach der Infektion kann es zu Hirnhaut- und Nervenentzündungen mit Lähmungen der Muskeln und Nerven kommen. Selten treten Entzündungen am Herzen auf. Bei Kindern werden vorwiegend Hirnhautentzündungen und Gesichtslähmungen beobachtet. Zu den Spätfolgen der Infektion zählen Gelenksentzündungen, bevorzugt an den Gliedmaßen und am Kiefergelenk, sowie Hautveränderungen. (yma)

Zeckenstich

Zecken gehören zu den Spinnentieren und halten sich gerne in Wäldern, hohem Gras und Gebüschen auf. Damit sie sich vermehren können, brauchen sie eine Mindesttemperatur von acht Grad. Zecken mögen Luftfeuchtigkeit und Wärme. Mit Zeckenbissen ist besonders von Frühjahr bis Herbst zu rechnen, bei warmer Witterung aber auch im Winter. Die Zecke kann ihre Nahrungsopfer riechen und klammert sich dann an alles, was ihren Weg kreuzt. Die weit verbreitete Ansicht, sie ließen sich von Bäumen fallen, stimme nicht, sagt Dr. Urban. (yma)

FSME-Infektion

Die Virusinfektion kann mit grippeähnlichen Symptomen verlaufen und bei etwa zehn Prozent der Infizierten eine Hirnhautentzündung verursachen. Bei schweren Krankheitsverläufen, von denen fast nur Erwachsene betroffen sind, kann die FSME-Infektion tödlich enden. Die Infektion wird mit einer Blutuntersuchung festgestellt und ist meldepflichtig. Behandelt wird die Krankheit mit der Gabe von Antikörpern. Personen ab dem 12. Lebensjahr können geimpft werden. Die erste Impfung wird nach vier Wochen und nach einem Jahr wiederholt. Der Impfschutz hält dann drei bis fünf Jahre an. FSME ist selten. So gab es 2009 bundesweit 313 Fälle. Verbreitungsgebiete in Deutschland sind Südhessen, Bayern und Baden-Württemberg, Teile von Rheinland-Pfalz und Thüringen. Dazu kommen Österreich, die baltischen Länder, Russland, Polen, die Tschechische und die Slowakische Republik, Ungarn, Südschweden, Finnland, Kroatien, Slowenien und Albanien. Selten tritt die Krankheit in Frankreich, Italien und Griechenland auf. (yma)

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