Widerspruch kann sich lohnen

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Entscheidend für die Pflegestufe: Eine Gutachterin vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüft die Beweglichkeit einer schwerkranken Seniorin. 

Eine aktuelle Auswertung des des Sozialverbandes Deutschland e.V. (SoVD), Landesverband Niedersachsen, macht deutlich: Bis zu 50 Prozent aller Gutachten vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) halten einer Überprüfung durch die Berater des Verbandes nicht stand.

Von der richtigen Pflegestufe hängt viel ab. Wie kann man finanziell planen? Welche Unterstützung ist möglich? Umso ärgerlicher ist es, wenn MDK-Gutachten zu falschen Ergebnissen kommen. Und das ist allzu oft der Fall. Gegen Ende des Jahres 2013 hat Niedersachsens größter Sozialverband ausgewertet, wie viele Gutachten einer Überprüfung der SoVD-Berater standgehalten haben. Das Ergebnis: 51 Prozent aller angefochtenen Gutachten sind anschließend neu bewertet worden.

„Falsche Einstuftungen des MDK sind keine Seltenheit, sie sind an der Tagesordnung“, weiß Edda Schliepack, stellvertretende Landesvorsitzende, Bundesfrauensprecherin und Pflege-Expertin des SoVD. Teilweise habe eine Gutachter nur 15 Minuten Zeit, einen Fall zu bewerten. „Da bleibt dann nur Schema F“, stellt Schliepack fest, „für eine individuelle Beurteilung ist keine Zeit.“

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Der SoVD habe schon den Eindruck, dass der MDK überlastet sei. Oft komme aber auch falscher Stolz der zu Pflegenden dazu. Kommt der Gutachter ins Haus, reißen sich gerade die Senioren oft sehr zusammen. „Wenn sie gefragt werden, was sie denn alles noch können, stellen sie die Situation dann oft viel zu positiv dar“, sagt Schliepack. Das schreibe dann natürlich auch der Gutachter in seine Beurteilung.

Dass solche Gutachten später keinen Bestand hätten, nachdem sich der Sozialverband Deutschland genauer mit den Fällen beschäftigt hat, sei vorprogrammiert. Wichtig ist Schliepack, nicht den Stab über dem MDK zu brechen: „Die Gutachter machen nicht per se schlechte Arbeit, sie tun das, was im Rahmen eines knappen Zeitbudgets machbar ist.“ Das könne allerdings nicht so bleiben. Schliepack fordert eine deutliche personelle Aufstockung beim Medizinischen Dienst. (nh)

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