Booster-Impfung nötig?

Ein Corona-Impfstoff soll schlechter gegen Delta-Variante wirken: Biontech, Moderna & Astrazeneca im Vergleich

Zwei Mitarbeiterinnen sind im niedersächsischen Landesgesundheitsamt mit Sars-CoV-2-Diagnostik beschäftigt. Im Amt wird beobachtet, wie sich die Zahl der Corona-Infizierten mit der Delta-Variante entwickelt. Das Amt erhebt die Zahlen stichprobenartig oder prüft auf Verdacht, ob eine Infektion mit der Variante vorliegt. (Archivbild)
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Zwei Mitarbeiterinnen sind im niedersächsischen Landesgesundheitsamt mit Sars-CoV-2-Diagnostik beschäftigt. Im Amt wird beobachtet, wie sich die Zahl der Corona-Infizierten mit der Delta-Variante entwickelt. Das Amt erhebt die Zahlen stichprobenartig oder prüft auf Verdacht, ob eine Infektion mit der Variante vorliegt. (Archivbild)

Neue Corona-Mutationen werfen neue Fragen auf. Eine der dringlichsten aktuell: Wirken die Covid-Impfstoffe auch gegen die Delta-Variante?

Corona-Impfungen reduzieren das Risiko schwerer Covid-Verläufe und schützen Menschen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus*. Weltweit legen Nationen ihren Fokus daher aktuell auf ein schnelles Fortschreiten der Impfkampagnen. Bisher zugelassene Covid-Impfstoffe zeigen eine Schutzwirkung von bis zu 95 Prozent, wie die Deutsche Gesellschaft für Immunologie informiert. Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat das Coronavirus verschiedene Varianten ausgebildet. Darunter die britische, brasilianische und südafrikanische Variante. Relativ neu ist die erstmals in Indien aufgetauchte Delta-Variante, die aktuell Behörden weltweit beunruhigt. Was bedeutet das Auftreten der neuen Mutante für den Impfschutz, den zugelassene Covid-Impfstoffe bieten?

Viele Menschen lagern am 9. Mai 2021 auf einer Wiese am Ufer der Isar in München und genießen das sommerlich warme Wetter. Wie sich die Ausbreitung der Coronavirus-Delta-Variante auf die nächsten Monate auswirkt, ist noch nicht abzusehen. (Archivbild)

Delta-Variante auch in Deutschland: Welcher Impfstoff schützt am besten?

Die als besonders ansteckend geltenden Delta-Variante wird immer häufiger nachgewiesen. Innerhalb der letzten vier Wochen entfielen 91,2 Prozent der gemeldeten Corona-Infektionen in Großbritannien auf die Delta-Variante. In Deutschland haben sich in den letzten vier Wochen 12,4 Prozent der Covid-Patienten mit dieser relativ neuen Variante angesteckt, berichtet die Deutsche Welle als Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland (Stand: 28. Juni 2021).

Eine Corona-Impfung bietet zwar Schutz vor der Delta-Variante, jedoch unterscheidet sich die Schutzwirkung je nach Impfstoff. Wie die Pharmazeutische Zeitung (PZ) weiter informiert, sei der Johnson & Johnson-Impfstoff wohl weniger wirksam gegen die Delta-Variante.

Überblick über den aktuellen Wissensstand:

  • Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer: Daten der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) zeigen der Pharmazeutischen Zeitung zufolge, dass der Biontech-Impfstoff bei vollständig – also zweimal – Geimpften die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion mit schwerem Krankheitsverlauf und Klinikaufenthalt um mehr als 90 Prozent senkt. Wer bisher erst die erste Dosis verimpft bekommen hat, wäre zwar auch geschützt, aber nicht in dem Ausmaß wie bereits zweimal Geimpfte.
  • Covid-Impfung von Moderna: Da es sich hier ebenfalls um einen mRNA-Impfstoff handelt, sei mit einer ähnlich hohen Effektivitätsrate wie beim Impfstoff von Biontech/Pfizer zu rechnen, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) den US-amerikanischen Virologen Anthony Fauci. Die Schutzwirkung läge nach der zweiten Impfdosis dem RND zufolge bei knapp 90 Prozent.
  • Vaxzevria von Astrazeneca: Hier bietet die vollständige Impfung eine mehr als 90-prozentige Schutzwirkung vor schweren Corona-Infektionen mit der Delta-Variante, wie die PZ informiert. Die erste Dosis von Vaxzevria zeigte bereits eine Schutzwirkung von 71 Prozent, heißt es weiter.
  • Johnson & Johnson-Impfstoff: Zwar gebe es bislang keine Wirksamkeitsdaten bezüglich der Delta-Variante, jedoch gebe es Anlass zur Annahme, dass der Impfstoff weniger gut gegen die Delta-Variante wirkt als die oben genannten Impfstoffe, so die PZ. Dr. Scott Gottlieb, ehemaliger Leiter der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA, sprach kürzlich gegenüber dem Sender CBS News von einer lediglich 60-prozentigen Wirksamkeit des Vakzins, so die PZ.

Obwohl keine zweite Impfstoffdosis des Johnson & Johnson-Präparats vorgesehen ist, rät die Pharmazeutische Zeitung angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante zur baldigen Auffrischimpfung. Daten aus Deutschland würden zeigen, dass eine mRNA-Boosterung die Schutzwirkung der Vektorimpfstoffe deutlich steigern kann, so die PZ. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Weiterlesen: Long Covid nach Corona-Infektion? Impfungen führen dazu, dass Symptome abklingen

Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist.
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

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