Wie sicher ist meine Narkose?

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PD Dr. Ulrich Fauth, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel.

Viele Patienten haben mehr Angst vor der Narkose als vor der Operation. Sie fragen sich: Wache ich überhaupt wieder auf? Oder wache ich vielleicht zu früh auf?

„Diese Ängste sind unbegründet“, sagt Priv.-Doz. Dr. Ulrich Fauth, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin am Roten Kreuz Krankenhaus  Kassel. Denn die Zahlen zeigen: Anästhesie ist sicherer als die Teilnahme am Straßenverkehr: „Moderne Narkose-Techniken, die unter dem Fachbegriff Anästhesie zusammengefasst werden, gelten heute als sehr sicher“, erklärt Dr. Fauth. Ihre Entwicklung im vergangenen Jahrhundert zählt zu den großen Erfolgsgeschichten der Medizin.

„Gerade im Fachbereich der Anästhesie haben die Einhaltung von Leitlinien und Sicherheitsstandards einen sehr hohen Stellenwert“, so der Experte. „Zudem befindet sich der Patient während der Operation unter ständiger Beobachtung durch einen Narkosearzt. Dieser kontrolliert kontinuierlich die Körperfunktionen und kann bei Komplikationen sofort reagieren.“

Vollnarkose: besser steuerbar

„Bei der Vollnarkose wird zunächst eine Infusion gelegt, über die dem Patienten Beruhigungs- und Einschlafmedikamente zugeführt werden“, so Dr. Fauth. „Ist der Patient eingeschlafen, ist eine unterstützende künstliche Beatmung erforderlich. Diese erfolgt über einen flexiblen Kunststoffschlauch, den so genannten Tubus. Dieser wird meist durch den Mund in die Luftröhre eingeführt. Abhängig von der Krankengeschichte des Patienten und den Erfordernissen der Operation wird eine Kombination aus Schlaf- und Schmerzmitteln sowie Medikamenten zur Muskelerschlaffung über die Vene oder die Atemluft verabreicht.

Der Facharzt überprüft während des Eingriffs kontinuierlich die Narkosetiefe. Dr. Fauth: „Ist die Operation beendet, wird die Zufuhr von Schlaf- und Narkosemittel unterbrochen, so dass der Patient innerhalb von fünf bis zehn Minuten wieder aufwacht. Die Ärzte können die Wirkung der Medikamente heute sehr präzise steuern. „Dadurch treten die typischen Neben- und Nachwirkungen einer Vollnarkose wie Übelkeit und Erbrechen nur noch selten auf. Ein verfrühtes oder zu spätes Erwachen des Patienten kann ausgeschlossen werden“, erklärt der Experte. Der Patient muss weder die Gefahr des Wachwerdens noch die Aussicht auf die unangenehmen Nachwirkungen durch Überdosierungen fürchten.

Teilnarkose: breiter einsetzbar

Bei einer Teilnarkose betäuben die Ärzte nur die zu operierende Körperstelle. Der Patient ist also während des Eingriffs bei Bewusstsein – aber schmerzfrei. Das ist oft weniger belastend als eine Vollnarkose. „Unterschieden werden Betäubungen in direkter Nachbarschaft des Rückenmarks sowie örtliche Blockaden einzelner Nervengeflechte, etwa am Arm“, erklärt Dr. Fauth. „Beide Techniken sind inzwischen ausgefeilt. So stehen den Anästhesisten Betäubungsmittel zur Verfügung, die auch bei hohen Dosierungen nur sehr selten zu Nebenwirkungen führen.“

Neue Ortungstechniken, zum Beispiel mit Ultraschall, machen die Suche nach den zu betäubenden Nerven noch präziser. Solche Fortschritte haben dazu geführt, dass Teilnarkosen mittlerweile für viele Eingriffe in Frage kommen. Meist wird eine solche „Regionalanästhesie“ mit beruhigenden Medikamenten kombiniert, so dass der Patient die Situation nicht als unangenehm empfindet, oft sogar die gesamte Operation „verschläft“. (nh)

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