Wieder im Leben ankommen

Kann dank einem Neuroimplantat nach ihrem Schlaganfall wieder sicher gehen: Patientin Kerstin D. Foto: nh

Warnsignale gab es. „Ich habe die Symptome aber nicht als Zeichen einer ernsten Erkrankung erkannt – mit 42 Jahren rechnet man nicht mit einem Schlaganfall“, sagt Kerstin D. heute. Der 15. Oktober 2005 hatte als ganz normaler Tag begonnen.

Kerstin D. stand morgens in der Küche, als sie plötzlich ein Kribbeln in den Beinen spürte. Das Gefühl verstärkte sich, erfasste den Oberkörper und das Gesicht.

Sie erinnert sich, wie sie langsam am Küchenschrank nach unten rutschte und auf die linke Seite kippte. „Ich dachte, dass es schon nichts Schlimmes sein wird. Ich konnte klar denken, atmen, meine Tochter und meinen Mann rufen.“

Ihr Mann brachte sie umgehend ins Krankenhaus, die Diagnose: Schlaganfall. Ihre linke Körperhälfte war vollständig gelähmt. „Alles hatte seinen Sinn verloren“, beschreibt Kerstin D. ihre Gefühle. Doch ihre Familie machte ihr Mut. Noch im Krankenhaus begannen die Therapien, 14 Wochen Reha folgten.

Fußanheben war nach dem Schlaganfall nicht möglich

Nach ihrer Rückkehr fiel es Kerstin D. nicht leicht, an ihr vorheriges Leben anzuknüpfen. Dank Krankengymnastik und Ergotherapie verbesserte sich zwar ihre allgemeine Beweglichkeit, ihren linken Fuß konnte sie aber nach wie vor nicht ausreichend anheben. Die Angst zu stolpern und zu fallen wurde zu einem ständigen Begleiter. Ihre frühere Beschäftigung in einer Bäckerei musste Kerstin D. aufgeben.

Durch einen Bericht im Fernsehen wurde sie schließlich auf ein Neuroimplantat mit dem Namen ActiGait aufmerksam, das von der Firma Otto Bock für Schlaganfallpatienten mit Fußheberschwäche entwickelt worden ist. Es wird unter anderem am Universitätsklinikum Göttingen implantiert.

Kerstin D. nahm Kontakt zu dem dort zuständigen Arzt Prof. Dr. Liebetanz auf. Nach einem Eignungstest folgte im Oktober 2009 eine Operation, bei der das Implantat eingesetzt wurde. Seitdem hat sich die Gehfähigkeit der Patientin erheblich verbessert. In ihrer Freizeit geht sie schwimmen und macht Spaziergänge mit ihrem Hund. Mittlerweile arbeitet sie auch wieder halbtags in ihrem früheren Beruf. (nh)

So funktioniert das Neuroimplantat

Das Neuroimplantat ActiGait ist ein implantierbarer Fußheber-Stimulator, dessen Impulse die motorische Steuerung übernehmen, die das Gehirn nicht mehr leisten kann. Bei einem operativen Eingriff wird das Implantat unter der Haut eingesetzt. Während der Schwungphase beim Gehen stimuliert dieses über den Nerv den Fußhebermuskel und löst damit das kontrollierte Heben des Fußes aus. Die Information, wann der Muskel stimuliert werden soll, liefert der Fersenschalter, der im Schuh getragen wird, an die externe Steuereinheit, die das Signal an das Implantat weiterleitet. Weitere Informationen, wie ein Anwendervideo und Erfahrungsberichte, gibt es im Internet auf www.actigait.de

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