Mal wieder zubeißen können

Zahnimplantate mit Kronen können die körpereigenen Zähne in ihrer Funktion voll ersetzen

Mit dem Einsatz von Implantaten geht die Zahnchirurgie seit einigen Jahren einen erprobten Weg, ausgefallene Zähne sinnvoll, ohne Verlust des Kieferknochens, zu ersetzen und betroffenen Patienten einen hohen Grad an Lebensqualität zu sichern.

„Zahnimplantate können einen natürlichen Zahn voll und ganz optisch und in seiner Funktionalität ersetzen“, versichert Dr. Michael Claar, Oralchirurg und Implantologe aus Kassel. An erster Stelle stehe aber immer der Erhalt der natürlichen Zähne.

Eigentlich verdanken wir die Erfindung der Zahnimplantate einem Zufall. In den 60er-Jahren beschäftigte sich der schwedische Wissenschaftler Prof. Branemark mit dem Einsatz von Titanröhrchen in die Knochen lebender Tiere. Durch die Röhrchen sollten Medikamente gegeben werden. Der Professor staunte nicht schlecht, als er die Röhrchen nach nicht allzu langer Zeit entfernen wollte. Sie waren komplett fest gewachsen. So kam schnell der Gedanke auf, dass man mit solchen Titanverankerungen die Zahnwurzeln imitieren könne. Die Zahnimplantate, die wie Dübel in der Wand im Kieferknochen fest sitzen, wurden erfunden.

Mittlerweile ist deren Einsatz schon Routine. Zwischen 800 000 und einer Million Zahnimplantate werden pro Jahr allein in Deutschland eingesetzt. Dabei gibt es eine Vielzahl von Modellen, die je nach den Grundvoraussetzungen in einer Behandlung mitsamt Krone eingepflanzt werden oder bei denen erst das Implantat selbst über einen gewissen Zeitraum einwachsen muss, bevor die Krone darauf kommt.

Über die Versorgung mit Implantaten informierte Dr. Claar in der HNA-Telefonsprechstunde.

Ich habe im Oberkiefer kaum noch Zähne und trage eine Vollprothese, die von zwei Goldzähnen gehalten wird und die ich zudem noch festkleben muss. Ich kann damit überhaupt nicht richtig beißen. Die Goldzähne müssen jetzt auch raus. Sollte mein Zahnarzt Implantate setzen?

Claar: In Ihrem Fall wären künstliche Zahnwurzeln sicherlich angebracht. Sie bräuchten dann nicht mehr eine Prothese mit der störenden Gaumenplatte zu tragen. Und das unangenehme Kleben der Zahnprothese mit Haftcreme entfällt ebenfalls. Die Implantate wären sozusagen die Anker, die die neue Zahnversorgung am richtigen Platz halten würden, sodass Sie auch mal wieder zum Beispiel in einen Apfel beißen könnten.

Ich habe schon seit mehreren Jahren eine Prothese, die mich wegen der Gaumenplatte erheblich stört. Eigentlich würde ich gern Implantate bekommen, aber mein Zahnarzt hat gesagt, man müsse bei mir den Kieferknochen auffüttern. Dazu soll Knochen aus dem seitlichen Unterkiefer entnommen und in den Oberkiefer verpflanzt werden. Ich sehe da eine ziemliche Quälerei auf mich zukommen. Habe ich da Recht?

Claar: Knochen kann man auch mit künstlichen Regenerationsmaterialien aufbauen. Diese Technik hat zwei Vorteile: Sie erspart dem Patienten die Operation zur Knochenentnahme, und das Material ist gut verträglich.

Um den Knochen aufzufüttern, wird ein kleiner Schnitt ins Zahnfleisch gemacht, das Material an die gewünschte Stelle gebracht und der Schnitt wieder zugenäht.

Meine bereits bestehende Prothese soll jetzt Implantathalterungen bekommen. Kann ich die Prothese wirklich dafür behalten, wie viel Implantate braucht man dazu und was werden die kosten?

Claar: Ob die Prothese weiter verwendbar ist, hängt sehr von ihrer Beschaffenheit ab. Wenn viel Metall verwendet wurde, brauchen Sie eher eine neue. Für die sichere Verankerung empfehlen die Fachgesellschaften vier bis sechs Implantate. Im Schnitt kostet nach Berechnung der Stiftung Warentest ein Implantat mitsamt Krone 2000 Euro.

Ich bin 90 Jahre alt und würde mir gern Mini-Implantate setzen lassen. Ich habe jetzt gelesen, die seien nicht gut. Was meinen Sie?

Claar: Wir haben mit dieser Art Implantate sehr gute Erfahrungen. Sie können mit einem winzigen Eingriff direkt durch das Zahnfleisch im Kiefer verankert werden. Außerdem kann man sofort die neue Prothese auf die Implantate einsetzen, sodass es keine Wartezeit gibt, während der Sie ein Provisorium tragen.

Wie lange halten Implantate?

Claar: Es gibt Untersuchungen, dass 90 Prozent aller Implantate, die vor zehn Jahren gesetzt wurden, noch vorhanden sind. Man geht eigentlich davon aus, dass sie ein Leben lang halten. Voraussetzung ist, wie bei normalen Zähnen, eine gute Mundhygiene.

Ich muss wegen einer Grunderkrankung immer wieder mal Cortison nehmen. Mein Zahnarzt hat gesagt, deswegen könne ich vermutlich keine Implantate bekommen.

Claar: Wenn Sie permanent Cortison einnehmen müssen, kann es in der Tat zu Problemen mit der Wundheilung kommen und das Implantat dann nicht richtig einwachsen. Da Sie aber nur zeitweise das Medikament nehmen müssen, könnte das bei Ihnen eventuell doch möglich sein.

Am besten ist es, wenn sich Ihr Zahnarzt einmal mit Ihrem behandelnden Hausarzt in Verbindung setzt und das Problem bespricht.

Dauert es wirklich ein Jahr, bis man nach dem Einsatz eines Implantats die Krone bekommt? Mein Zahnarzt meint, ich müsse mit so einer langen Zeit rechnen. Laufe ich denn dann so lange mit einer Zahnlücke herum?

Claar: Wie lange ein Implantat einwachsen muss, hängt vom Zustand des Kieferknochens ab. Ist der gut, kann man Implantat und Krone in einem Arbeitsgang einsetzen. Ist er nicht so gut, braucht das Implantat zunächst eine Einwachszeit.

In der Regel sind das drei bis sechs Monate. Sie bekommen aber sofort ein Provisorium, das in der Regel nicht auffällt, sodass Sie nicht mit einer Zahnlücke herumlaufen müssen.

Von Susanne Seidenfaden

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