Zähne lassen die Muskeln schmerzen

Exakte Vermessung: Die Position des Unterkiefers ist bei jedem Menschen eine andere. Sie wirkt sich auf die Kiefergelenke aus. Repro:  Polk

Das klingt harmlos, kann aber für die Betroffenen ein Martyrium bedeuten: Andauernde Schmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität. Viele Mediziner bringen Muskelverspannungen nicht in Verbindung mit einer Fehlfunktion der Kiefergelenke.

Deshalb probieren die Patienten auch viele Therapien vergeblich oder allenfalls mit kurzfristigem Erfolg aus. Muskulatur, die Kiefergelenke, der Zahnhalteapparat und die Zähne gehören zu unserem Kausystem. „Idealerweise funktionieren die einzelnen Komponenten wie ein exakt aufeinander abgestimmtes Uhrwerk“, sagt Dr. Elona Schmoll-Claus. Die Zahnärztin ist Expertin für Fehlfunktionen in diesem Bereich.

Gelenkbahn erfassen

Schon kleinste Fehlstellungen einzelner Zähne oder Unebenheiten der Kauflächen können die Position der Kiefergelenke verändern. Dadurch ändert sich auch die Bahn, in der sich das Gelenk normalerweise öffnet, schließt und bewegt.

Die Muskeln des Kausystems sind mit der Nacken- und Wirbelsäulenmuskulatur direkt verbunden. „Veränderungen im Bereich des Kiefergelenks bringen das gesamte Kausystem aus der Balance und können die Ursache für schmerzhafte Verspannungen auch in weit entfernten Körperregionen sein. Kopfschmerzen und - langfristig - Haltungsschäden können ebenfalls Folgen sein“, sagt die Expertin.

In ihrem Behandlungszentrum untersucht sie zunächst die Muskelspannung von Kopf- und Nackenmuskulatur sowie die Kiefergelenke. Sie prüft die Grenzbewegungen des Unterkiefers und die Zahnstellung. Mit einem speziellen Gerät wird die Gelenkbahnneigung und die individuelle Position des Unterkiefers exakt erfasst und elektronisch aufgezeichnet, was mit einfachen Bissnahmesystemen nicht zu erreichen ist.

„Üblicherweise geht man von einer Stellung der Gelenke im Winkel von vierzig Grad rechts und links aus. Das hat jedoch fast niemand“, sagt Dr. Schmoll-Claus.

Schiene zum Korrigieren

Die Werte dienen zur Planung des weiteren Vorgehens. Meist sollte der Patient eine spezielle Schiene tragen, in die die notwendigen Korrekturen eingearbeitet sind. Das kann über Monate nötig sein. Ergänzend ist eine physiotherapeutische Behandlung angeraten, um die Umstellung der Muskulatur zu unterstützen. „Viele Patienten sind dann schon beschwerdefrei“, sagt Dr. Schmoll-Claus. Dank der exakten Vermessung, bei der die Unterkieferposition berücksichtigt wird, kann der Zahntechniker die Schiene und den späteren Zahnersatz nach Maß fertigen. Die Patienten gewinnen mit Einsetzen desselben ein Stück Lebensqualität zurück. (zip)

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