Zauberpflanze oder Einbildung: Ist Aloe Vera wirklich so heilsam?

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Ist Aloe Vera wirklich so umfassend anwendbar und wirksam?

Den einen gilt sie als Wunderwaffe bei Sonnenbrand und schuppiger Haut. Andere sehen in der Aloe-Vera-Pflanze ein Geheimmittel im Kampf gegen Krebs. Schön wär's.

Sie ist ein kleiner Tausendsassa: Aloe Vera taucht in Cremes und Gels auf, existiert als Saft oder in Kapselform. In einigen Foren wird sogar ihre Kraft fürs Abwehrsystem gepriesen und ihr eine krebsvorbeugende Wirkung zugeschrieben. Doch was stimmt davon tatsächlich? Antwort: fast nichts.

Die Kraft der Aloe Vera

Die Aloe vera zählt zu den Sukkulenten. Das heißt, die Pflanze speichert viel Wasser. Erkennbar ist das an den dickfleischigen Blättern. Aus ihrem Inneren wird das Aloe-Gel gewonnen - eine durchsichtige Masse. Aus den äußeren Blattteilen kommt dagegen das bitter schmeckende, gelbe Aloe-Latex, auch Aloe-Saft genannt.

Gel und Latex werden zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt, Aloe-Saft zum Beispiel als Abführmittel bei Verstopfung. Allerdings sollte das laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nur kurzfristig geschehen, da es nicht ganz ohne Nebenwirkungen ist. „Aufgrund der Nebenwirkungen ist der Saft mittlerweile durch weniger riskante Substanzen vom Markt verdrängt worden“, erklärt Wilhelm Brodschelm. Er leitet die Apotheke am Krankenhaus St. Josef im österreichischen Braunau.

Etwas harmloser ist die Verwendung von Aloe Vera als Gel. Es soll äußerlich bei allen Arten von Wunden, Verbrennungen, Hautreizungen oder Schuppenflechte nützlich sein. Es finden sich aber auch Aussagen zur Wirksamkeit bei Diabetes, Krebs oder HIV-Infektionen. „Das sind übertriebene Heilsversprechen“, urteilt Prof. Bernhard Uehleke. Er arbeitet als Experte für Phytotherapie im Immanuel Krankenhaus in Berlin. Aloe Vera präventiv gegen Krebs einzunehmen, sei Quatsch.

Kann man Aloe-Vera-Gel also als nutzlos abschreiben?

Nicht ganz. Beim Seborrhoischen Ekzem - eine Hautkrankheit, bei der sich Schuppen auf der Kopfhaut bilden - tritt laut einer Studie eine Besserung bei durchschnittlich 60 Prozent der mit dem Gel behandelten Patienten auf. In der Kontrollgruppe waren es nur zirka 20 Prozent. Auch bei der Geschlechtskrankheit Genitalherpes heilte die Haut mit einer Aloe-Vera-Creme schneller als bei einem Placebo.

Widersprüchlich ist die Wirkung bei strahlengeschädigter Haut, sprich: bei einem Sonnenbrand. Hier soll Aloe-Vera-Gel seine ganze Kraft entfalten. Laut Apotheker Brodschelm werden Hautirritationen damit aber nicht deutlich gemindert. Oder anders gesagt: Aloe Vera ist einer normalen Öl-in-Wasser-Creme nicht überlegen.

Ulrike Bauschke ist Mitglied im Heilpraktikerverband und hat mit Aloe Vera gute Erfahrungen gemacht. Sie schätzt die Anwendung des schleimigen Gels bei Verbrennungen: „Es spendet Feuchtigkeit, regt die Wundheilung und die Bildung von Kollagen an.“ Außerdem lindere das Aloe-Vera-Gel Juckreiz und Entzündungen, regeneriere und verjünge die Haut, so die Heilpraktikerin.

Das rät die Verbraucherzentrale

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat Aloe Vera auf seinem Portal www.klartext-nahrungsergaenzung.de als Nahrungsergänzungsmittel unter die Lupe genommen. Es soll als solches den Körper entgiften, das Immunsystem stärken und für Wohlbefinden sorgen. Aloe Vera wird getrocknet in Kapseln, als Saft oder Gel angeboten. Enthalten sind Schleimstoffe aus Kohlenhydraten, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Der größte Teil, etwa 99 Prozent des Gels, besteht aber aus Wasser.

Das nüchterne Urteil der Verbraucherzentrale lautet deshalb: „Viele dieser Stoffe sind auch in heimischem Obst und Gemüse enthalten.“ Diesen Tipp würde auch Prof. Uehleke Verbrauchern geben: Wer Obst und Gemüse der Saison isst, muss nicht auf Aloe Vera setzen.

dpa/tmn

Hautkrebs - die unterschätze Gefahr

Sonnen im Liegestuhl
Sonnenanbeter am Strand, Solariumsbesucher oder Bauarbeiter, die in der prallen Mittagssonne schuften - sie alle setzen sich UV-Strahlung aus, die das Hauptrisiko für Hautkrebs ist. Krebserkrankungen sind in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Der am Dienstag veröffentlichte Arztreport der Barmer GEK belegt das: 2012 waren schätzungsweise 1,56 Millionen Menschen von Krebs betroffen - Tendenz steigend. © dpa-mzv
Hautkrebs
Wie viele Neuerkrankungen gibt es? Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Barmer-Report mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Deutsche Krebshilfe geht sogar von jährlich rund 234.000 Neuerkrankungen aus. Allein mehr als 20.000 Diagnosen betreffen den gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs. © dpa-mzv
Schwarzer Hautkrebs
Welche Arten von Hautkrebs gibt es? Die gefährlichste Form ist das maligne Melanom, der sogenannte schwarze Hautkrebs. Er kann sich rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten. © dpa
Hautkrebs
Der sogenannte helle Hautkrebs, zu dem das Basalzellkarzinom und das Plattenephithelkarzinom zählen, ist deutlich verbreiteter, bildet aber seltener Metastasen. Kennzeichen sind leichte Verhornungen auf der Haut, vornehmlich an Stellen, die besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind wie Gesicht und Nacken.   © dpa
Hautkrebs-Screening
2012 starben laut Statistischem Bundesamt 2875 Menschen an einem schwarzen Hautkrebs. Die Prognosen sind Experten zufolge vergleichsweise günstig: Zwei Jahre nach der Erstdiagnose leben noch 97,3 Prozent der Männer und 97,5 Prozent der Frauen. Beim hellen Hautkrebs sind die Prognosen noch etwas günstiger. Grundsätzlich gilt: Wird Hautkrebs früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen. © dpa
UV-Strahlung Sonne
Welche Faktoren begünstigen die Entstehung? Hauptrisikofaktor ist die UV-Strahlung der Sonne, die die Haut schädigen und Krebs hervorrufen kann. Auch das künstliche UV-Licht von Solarien erhöht das Hautkrebsrisiko, weshalb zum Beispiel die Deutsche Krebshilfe von Solarienbesuchen abrät. Neben UV-Strahlen beeinflusst nach Angaben des unabhängigen IQWiG-Instituts vor allem das Erbgut, ob jemand erkrankt. © dpa
Sonne in den Bergen
Was sind weitere Risikofaktoren? Menschen mit heller Haut haben ein höheres Risiko als jene mit dunklerer Haut. Auch häufiger und starker Sonnenbrand vor allem im Kindesalter steigert das Risiko, ebenso eine höhere Zahl von Muttermalen und Leberflecken. Hat jemand einen Hautkrebsfall in der eigenen Familie, kann dies das eigene Risiko steigern. Auch manche Chemikalien und bestimmte Medikamente können Hautkrebs fördern. Nicht zuletzt wächst das Hautkrebsrisiko mit zunehmendem Alter. © obs
Solarium
Dürfen Minderjährige ins Solarium? Nein. Seit 2009 ist unter 18-Jährigen die Benutzung von Solarien verboten. 2012 wurden die Vorschriften für Sonnenstudio-Betreiber nochmals verschärft. So gilt unter anderem ein Mindestabstand für Lampen. Das Personal muss jeden Kunden außerdem beraten. © dpa
Hautkrebs erkennen?
Wie kann ich Hautkrebs erkennen? Man sollte auf auffällige Hautstellen achten. Schwarze Melanome etwa können in sehr unterschiedlicher Form auftreten. Sie können zum Beispiel asymmetrisch sein, einen fransigen Rand haben, sich verfärben oder größer werden. Verdächtige Flecken sollten beim Hausarzt oder Dermatologen abgeklärt werden. © dpa
Sonnen
Gibt es eine Früherkennungsuntersuchung? Ja. Ab dem 35. Lebensjahr können sich gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre untersuchen lassen. Das Hautkrebs-Screening bezahlt die Kassen. © dpa-mm
Sonnencreme
Wie kann ich Hautkrebs generell vorbeugen? Da wichtigste ist ein guter Sonnenschutz durch entsprechende Kleidung, Mützen und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, um sich gegen Sonnenbrand zu wappnen. © dpa
Unter dem Sonnenschirm
Im Sommer sollte man sich vor allem mittags und am frühen Nachmittag besser im Schatten aufhalten. Zur Vorsicht raten Experten bei Lebens- und Nahrungsergänzungsmitteln, die mit dem Versprechen angepriesen werden, Hautkrebs vorzubeugen. Dafür gebe es keine zuverlässigen wissenschaftlichen Belege. © dpa-mzv

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