Borreliose-Gefahr

Zecken entfernen: So töten Sie den Blutsauger richtig

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Zecken sind gefährliche Krankheitsüberträger, deshalb sollte man sie nach dem Entfernen auch töten. Doch hierbei kommt es auf die richtige Methode an.

Nach einem Zeckenbiss sollten Sie den Parasiten schnell entfernen. Doch wie entsorgt man ihn richtig, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen? Mit diesen Mitteln geht's.

Jetzt im Frühjahr beginnt wieder ihre Zeit. Im hohen Gras und an Sträuchern lauern die kleinen Parasiten ihren Opfern auf: Wanderern, Joggern, aber auch Hunden, die beim Waldspaziergang mit Herrchen oder Frauchen im Unterholz herumstreunen. In ihrer Gier nach Blut heften sich Zecken an der Haut ihres Wirtes fest, um sie förmlich auszusaugen. Dabei ist das gar nicht einmal das Problem. 

Vielmehr sind Zecken als Überträger gefährlicher Krankheiten wie FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) oder Borreliose bekannt und zu Recht gefürchtet.

Zecken schnell entfernen und unschädlich machen

Besonders viele Fälle von FSME-Infektionen wurden in den letzten Jahren aus weiten Teilen Bayerns und Baden-Württembergs gemeldet, aber auch aus Südhessen und dem südöstlichen Thüringen. Jedes Jahr gibt das Robert Koch-Institut eine aktuelle Risikoeinschätzung in Deutschland sowie eine Karte der FSME-Risikogebiete heraus, um die Bevölkerung vor den Gefahren eines Zeckenbisses zu schützen.

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Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen: Gänzlich sicher sind Mensch und Tier vor den Blutsaugern nicht. Das A und O bei einem Zeckenbiss ist, dass der Parasit möglichst schnell entfernt wird. Doch dann stellt sich schnell die Frage: Wohin mit dem Blutsauger?

Zecke entsorgen - aber wie geht's richtig?

Dieser Frage haben sich Forscher nun gestellt und in verschiedenen Tests herausgefunden, welche Methoden sich zur richtigen Entsorgung einer entfernten Zecke eignen, denn bei einigen überleben die Plagegeister nämlich und können sich weiter vermehren. Zecken sollten sicher abgetötet werden, ohne dass der Mensch dabei in Kontakt mit den Körperflüssigkeiten der Zecke kommt.

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Denn schon durch eine winzige Wunde am Finger könnten Krankheitserreger oder auch Eier, die sich in der Zecke befinden, in den menschlichen Organismus gelangen. Wie also tötet man eine Zecke richtig? Soll man sie zerdrücken oder zerquetschen, verbrennen oder mit bestimmten Flüssigkeiten unschädlich machen? 

Härtetest: Nur brachiale Methoden sind bei Zecken erfolgreich  

Die Ergebnisse der Forscher sind frappierend, denn sie zeigen, wie robust die gefährlichen Plagegeister sind. So konnten weder das Zertreten mit dem Schuhabsatz noch das Zerquetschen mit dem Fingernagel der Zecke etwas anhaben. Aber auch das Herunterspülen der Zecke in der Toilette erwies sich ebenfalls als ungeeignet, da sich zeigte, dass Zecken eine geraume Zeit in Wasser überleben können.

Erfahren Sie hier, warum Sie sofort zum Arzt sollten, wenn sich ein Zeckenbiss ringförmig rötet.

Am wirkungsvollsten erwies sich im Zeckenhärtetest das Zerdrücken der Zecke mit einem festen Gegenstand, zum Beispiel einem Wasserglas. Die Zecke hierzu in ein Stück Papier einklappen und das Glas mit Druck darüberziehen. Den Garaus konnten die Forscher den Zecken auch mit 40-prozentigem Alkohol, Chlorreiniger und Sagrotan machen. Zwei weitere, verhältnismäßig brachiale Methoden: Die Zecke mit dem Feuerzeug anzünden oder ihr mit einem scharfen Messer den Kopf vom Körper abtrennen

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Beim Haustier Zecke aufbewahren

Wer bei seinem Haustier eine Zecke entfernt, sollte diese aufbewahren. Denn zeigt das Tier Symptome, kann der Tierarzt den Parasit untersuchen und herausfinden, ob die Symptome mit Borreliose oder einer durch die Zecke verursachten Krankheit in Zusammenhang stehen. So bleibt dem armen Haustier möglicherweise eine auf Verdacht verordnete Therapie mit hoch dosiertem Antibiotika erspart.

Vorsicht: Dieses Lebensmittel soll mit FSME-Viren verseucht sein. Und wie Sie sich mit einer Zecken-Impfung dagegen wehren können - und wer dafür aufkommt.

So entfernen Sie eine Zecke richtig: 

Menschen, die sich viel im Freien aufhalten, sollten nie ohne ein Hilfsmittel aus dem Haus gehen, mit dem sie eine Zecke schnell entfernen können. Folgende Methoden zur Zeckenentfernung haben sich bewährt:

  • Zecken entfernen mit der Pinzette: Die Pinzette sollte am vorderen Teil gebogen-spitz sein, damit Sie die Zecke möglichst nah an der Haut an den Mundwerkzeugen anpacken können. Versuchen Sie, den Kopf der Zecke vorsichtig und kontrolliert im senkrechten Winkel zur Haut herauszuziehen, ohne den Hinterleib der Zecke zu zerquetschen. 
  • Zecke aushebeln mit einer Zeckenkarte: Diese spezielle Karte hat eine V-förmige Auslassung, mithilfe derer sich der Blutsauger aushebeln lässt. Und so gehen Sie vor: Schieben Sie die Karte flach auf der Haut an die Zecke heran und versuchen Sie, die Zecke dabei seitlich in die schnabelförmige Auslassung zu führen. Hier nun nicht verweilen, sondern ohne Unterbrechung der Bewegung die Karte weiterführen, wobei die Zecke entfernt wird. 
  • Das Zeckenlasso: Hierbei sollten Sie das Ende der Lassoschlaufe möglichst dicht auf der Haut um die Zecke legen. Im Schluss das Lasso mithilfe des Stempels am oberen Ende des Geräts zuziehen, den Griff senkrecht aufrichten und leicht auf die Haut drücken. Nun die Zecke senkrecht nach oben weg herausziehen. 
  • Zecke mit den Fingern entfernen: Ist kein Hilfswerkzeug greifbar, lässt sich eine Zecke notfalls auch mit Daumen und Zeigefinger entfernen. Hierbei die Zecke möglichst dicht an der Haut gepackt. Dabei sollten Sie ebenfalls darauf achten, dass der Hinterleib nicht zerdrückt wird. Die Zecke nun mit leichten Lockerungsbewegungen nach links und rechts vorsichtig herausziehen.

Lesen Sie auch: Mit dieser App wissen Sie jetzt über Zeckenherde Bescheid - und schützen sich garantiert vor FSME-Viren.

jp

Aufgepasst: Das sind die acht häufigsten Irrtümer über Zecken

Von April bis September lauern sie auf ihre Wirte: Holzbock, Schafzecke oder die braune Hundezecke. Doch über Zecken existieren etliche Mythen. Wir klären die häufigsten Irrtümer auf.
Von April bis September lauern sie auf ihre Wirte: Holzbock, Schafzecke oder die braune Hundezecke. Doch über Zecken existieren etliche Mythen. Wir klären die häufigsten Irrtümer auf. © dpa
Mythos I: Zecken fallen nur von Baumkronen.
Mythos I: Zecken fallen nur von Baumkronen. © dpa
Dass Zecken nur von Bäumen auf ihre Wirte fallen, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Blutsauger halten sich vielmehr in hohen Gräsern und im Unterholz in einer Höhe von bis zu 1,50 Meter auf. Entsprechend sollte bei Spaziergängen geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen getragen werden.
Dass Zecken nur von Bäumen auf ihre Wirte fallen, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Blutsauger halten sich vielmehr in hohen Gräsern und im Unterholz in einer Höhe von bis zu 1,50 Meter auf. Entsprechend sollte bei Spaziergängen geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen getragen werden. © dpa
Mythos II: Zecken mit Öl und Klebstoff entfernen.
Mythos II: Zecken mit Öl und Klebstoff entfernen. © dpa
Ja keine Zeckenbeseitigung mit Hilfe von Öl und Klebstoff. Die Zecke wird dadurch zwar erstickt, gibt aber im Todeskampf vermehrt Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) in die Blutbahn ab. Die Zecke sollte nur mit einer Zeckenpinzette oder ärztlich entfernt werden.
Ja keine Zeckenbeseitigung mit Hilfe von Öl und Klebstoff. Die Zecke wird dadurch zwar erstickt, gibt aber im Todeskampf vermehrt Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) in die Blutbahn ab. Die Zecke sollte nur mit einer Zeckenpinzette oder ärztlich entfernt werden. © dpa
Mythos III: Ein weiterer Irrtum ist, dass Zecken sofort entfernt werden müssen.
Mythos III: Ein weiterer Irrtum ist, dass Zecken sofort entfernt werden müssen. © ap
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Ruhe bewahren: Denn wenn Zecken zu abrupt von der Haut entfernt werden, können Teile ihres Körpers abreißen und zu Infektionen führen. © ap
Mythos IV: Infektionen durch Zecken gibt es nur in Risikogebieten.
Mythos IV: Infektionen durch Zecken gibt es nur in Risikogebieten. © ap
Infizierte Zecken gibt es überall in Deutschland. Es ist also auch überall von möglichen Infektionen auszugehen.
Infizierte Zecken gibt es überall in Deutschland. Es ist also auch überall von möglichen Infektionen auszugehen. © ap
Mythos V: Eine Zeckeninfektion ist kein Unfall.
Mythos V: Eine Zeckeninfektion ist kein Unfall. © ots
Falsch ist die Annahme, dass Zeckenbissinfektionen nicht von der Unfallversicherung abgedeckt werden. Eine aus einer Infektion mit einem Erreger der Infektionskrankheiten Borreliose und Frühsommermeningitis resultierende Invalidität ist in der Unfallversicherung mitversichert.
Falsch ist die Annahme, dass Zeckenbissinfektionen nicht von der Unfallversicherung abgedeckt werden. Eine aus einer Infektion mit einem Erreger der Infektionskrankheiten Borreliose und Frühsommermeningitis resultierende Invalidität ist in der Unfallversicherung mitversichert. © ots
Mythos VI: Mit richtiger Kleidung kann ich mich schützen.
Mythos VI: Mit richtiger Kleidung kann ich mich schützen. © dpa
Im Prinzip halten Gummistiefel und lange Hosen Zecken ab oder zumindest auf. Sicheren Schutz kann Kleidung allein jedoch nicht gewähren. Zecken können auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle eine ganze Weile herumkrabbeln.
Im Prinzip halten Gummistiefel und lange Hosen Zecken ab oder zumindest auf. Sicheren Schutz kann Kleidung allein jedoch nicht gewähren. Zecken können auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle eine ganze Weile herumkrabbeln. © dpa
Mythos VII: Zecken können verhungern.
Mythos VII: Zecken können verhungern. © zecken.de
Mit einer einzigen Blutmahlzeit kann eine Zecke sehr lange überleben. Im Labor konnten Zecken, die vorher Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung überleben.
Mit einer einzigen Blutmahlzeit kann eine Zecke sehr lange überleben. Im Labor konnten Zecken, die vorher Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung überleben. © zecken.de
Mythos VIII: FSME Frühsommer-Menigoenzephalitis kommt nur im Frühsommer vor.
Mythos VIII: FSME Frühsommer-Menigoenzephalitis kommt nur im Frühsommer vor. © zecken.de
Der Name der Krankheit täuscht. Die Zecken, die FSME übertragen, sind ab sieben Grad Celsius aktiv. Liegt im Winter über einen längeren Zeitraum die Temperatur darüber, bleiben die Zecken aktiv und können auch in dieser Jahreszeit zustechen und Menschen infizieren.
Der Name der Krankheit täuscht. Die Zecken, die FSME übertragen, sind ab sieben Grad Celsius aktiv. Liegt im Winter über einen längeren Zeitraum die Temperatur darüber, bleiben die Zecken aktiv und können auch in dieser Jahreszeit zustechen und Menschen infizieren. © zecken.de

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