Borreliose und Meningitis im Fokus

FSME durch Zecken: Welche Krankheiten sie übertragen und wie man sich schützt

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Zecke

Zecken lauern im Gras und übertragen Krankheiten wie FSME und Borreliose. Einige Gebiete wurden schon zu Risikogebieten erklärt. Diese Tipps helfen gegen die parasitären Blutsauger.

Aktualisiert am 26. Juni um 12.30 Uhr: Schon nach wenigen Wochen warmer Witterung herrscht Zeckenalarm. Das Robert-Koch-Institut hat etwa den Landkreis Bautzen und das Augsburger Land zu FSME-Risikogebieten erklärt. Hier gibt es alle Infos zu Zecken und den Krankheiten, die sie übertragen können - wie etwa die Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Wo kommen Zecken am häufigsten vor und wie gelangen sie zum Menschen?

Zecken leben nahezu überall dort, wo es Pflanzen gibt: In Wäldern, Wiesen, Gärten und Parks. Um auf einen Wirt zu gelangen, klettern die Parasiten auf exponierte Stellen in einer Höhe von zehn Zentimetern bis einem Meter, wie Grashalme, Gebüsch oder herumliegende Äste. Sobald ein Mensch oder ein Tier vorbeikommt, lassen sie sich abstreifen und halten sich fest. Springen können die Spinnentiere entgegen der Annahme nicht. 

Zudem mögen sie keine Ameisen. Schweizer Wissenschaftler haben gerade herausgefunden, dass Waldameisen die Zeckenvorkommen reduzieren können. Je größer die Ameisennester waren, desto weniger Zecken gab es. Eine Erklärung dafür könnte die Ameisensäure sein, die eine abweisende Wirkung habe, heißt es in der Studie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL der Berner Fachhochschule.

Warum gibt es eigentlich keine Zeckenbisse?

Es geht um eine Begrifflichkeit: Da Zecken über keine Zähne oder ein Maul verfügen, können sie trotz des häufig benutzten Wortes "Zeckenbiss" gar nicht zubeißen. Stattdessen sind die Spinnentiere mit einem hochentwickelten Stechapparat ausgestattet. Mittels ihrer scherenartigen Mundwerkzeuge, Cheliceren genannt, kann die Zecke die Haut des Wirts aufreißen und mit ihrem Stachel (Hypostom) eine Grube in das oberflächliche Gewebe graben. Das Blut, das sich darin sammelt, saugt der Parasit dann einfach ab. Dabei sondert die Zecke gleichzeitig ein betäubendes Sekret in die Einstichstelle ab. Obwohl der Stechapparat einer Zecke wesentlich größer als der Rüssel einer Stechmücke ist, bleibt sie so unentdeckt. Darum muss man korrekterweise von einem Zeckenstich sprechen.

Dieses Video ist ein Inhalt des Videomarktplatzes Glomex und wurde nicht von der HNA produziert.

Welche Krankheiten übertragen Zecken?

Beim Blutsaugen können die Achtbeiner über ihren Speichel verschiedene Krankheiten übertragen. Oft nehmen Zecken die Erreger mit dem Blut von infizierten Mäusen auf. Am häufigsten sind darunter Erreger der Lyme-Borreliose und der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), auch Hirnhautentzündung genannt. Borreliose kann in Ausnahmefällen auch von Mücken übertragen werden. 

Wie hoch ist das Risiko nach einem Zeckenstich an FSME oder Borreliose zu erkranken?

Schätzungsweise fünf bis 35 Prozent aller Zecken übertragen Borreliose-Erreger. Die Wahrscheinlichkeit nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken liegt zwischen 0,3 und 1,4 Prozent, ergab eine Studie des Berliner Robert-Koch-Instituts. So liegt die Zahl der Neuinfektionen deutschlandweit Studien zufolge zwischen 40.000 und mehr als 200.000 Fällen pro Jahr. Genaue Zahlen für Hessen existieren nicht, da die Krankheit in diesem Bundesland nicht meldepflichtig ist. Eine Impfung zum Schutz gegen Borreliose gibt es nicht. 

Anders als Borreliose-Bakterien, die in ganz Deutschland verbreitet sind, werden FSME-Viren hauptsächlich von Zecken in Süddeutschland übertragen. Die Gefahr nach einem Zeckenstich in einem Risikogebiet zu erkranken liegt allerdings nur bei ungefähr eins zu 150. 2017 meldeten Ärzte bundesweit fast 500 Fälle von FSME. 

Welche Symptome zeigen FSME- und Borreliose-Erkrankte?

Symptome einer Borreliose-Erkrankung können beispielsweise Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Müdigkeit sein. Auch das Nervensystem und die Gelenke können von der Krankheit angegriffen werden. Durch die rechtzeitige Verabreichung von Antibiotika kann die Krankheit aber in der Regel wirksam behandelt werden. Ansteckungsgefahr für andere Menschen besteht nicht. 

Bei vielen Erkrankten verläuft die Infektion mit FSME-Viren ohne sichtbare oder mit nur milden Symptomen. Diese treten ein bis vier Wochen nach dem Zeckenstich auf und ähneln einer Erkältung. Typisch sind beispielsweise Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und leichtes Fieber. Bei etwa jedem zehnten Infizierten befällt das Virus in einer zweiten Phase auch das zentrale Nervensystem. Dazwischen liegt ein Zeitraum von einer bis drei Wochen, in denen keine Symptome auftreten. In der zweiten Phase können dann Hirnhaut-, Hirn- oder Rückenmarksentzündungen auftreten.  

Wie kann man sich vor Zeckenstichen schützen?

Wenn man sich im Grünen aufhält, kann das Tragen langer, geschlossener Kleidung einen gewissen Schutz bieten. Die Zecke muss so länger eine geeignete Stelle zum Blutsaugen suchen und kann leichter entdeckt werden. Auch Antizeckensprays und -Lotionen können Zecken für eine begrenzte Zeit abwehren. Außerdem sollte der Körper nach einem Aufenthalt im Freien nach Zecken abgesucht werden. Vom ersten Hautkontakt an kann es nämlich zwei bis fünf Stunden dauern, bis die Zecke eine geeignete Stelle gefunden hat und zusticht. 

Lange, geschlossene Kleidung kann vor Zecken schützen.

Selbst danach kann es noch ein bis zwei Tage dauern bis Borreliose-Erreger übertragen werden. Duschen kann die Spinnentiere abspülen, die sich noch nicht festgesaugt habenSitzt die Zecke noch in der Kleidung reicht ein Waschgang nicht aus, um sie zu töten. Eine Stunde im heißen Wäschetrockner überleben die Tiere aber in der Regel nicht. 

FSME-Viren werden schon kurze Zeit nach dem Einstich übertragen. Vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis kann man sich aber durch eine Impfung schützen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt diese für Einwohner und Besucher eines FSME-Risikogebiets, die in ländlichen Regionen leben oder sich häufig im Grünen aufhalten. 

Wohin stechen Zecken beim Menschen am häufigsten? 

Zecken bevorzugen geschützte, warme Stellen am Körper mit dünner Haut. Suchen sollte man sie besonders am Haaransatz, an Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, im Genitalbereich und in den Kniekehlen.

Von Zecken bevorzugte Einstichstellen. Die komplette Grafik öffnet sich, wenn Sie mit der Maus auf das schwarze Feld in der rechten oberen Ecke klicken.

Welche Zeckenschutzmittel gibt es für Hund und Katze?

Auch Haustiere können sich mit Krankheiten infizieren, wenn sie von einer Zecke gestochen werden. Eine Erkrankung durch FSME-Viren oder Borreliose-Bakterien kann sogar lebensgefährlich für die Vierbeiner sein. Einfachste Schutzmaßnahme ist auch hier das Absuchen nach Zecken. Anders als beim Menschen gibt es für Hunde sogar eine Impfung gegen Borreliose. Bereits ab einem Alter von drei Monaten kann man das Tier impfen lassen. 

Nach dem Aufenthalt im Grünen sollten Haustiere gründlich nach Zecken abgesucht werden.

Für Hunde und Katzen gibt es außerdem verschiedene Präparate, die die Parasiten auf der Haut töten sollen. Sogenannte "Spot-on-Präparate" werden auf die Haut im Nackenbereich des Haustiers getropft und verteilen sich von dort über die Talgdrüsen. Der Effekt hält dann mehrere Wochen an, bevor er wieder aufgefrischt werden muss.

Ähnliche Wirkung erzielen Zeckenhalsbänder, die mit Zeckengift behandelt wurden. Der Kauf sollte allerdings mit dem Tierarzt abgesprochen werden, da nicht alle Tiere jedes Präparat vertragen. 

Wie sollte man Zecken entfernen?

Hat man eine festgesaugte Zecke entdeckt, sollte man sie so schnell wie möglich entfernen. Je länger der Parasit an der Wunde saugt, desto größer wird das Infektionsrisiko. Zum Entfernen sollte man eine Pinzette oder eine spezielle Zeckenzange benutzen. Damit greift man die Zecke möglichst nah an der Haut und zieht sie mit einer langsamen, gleichmäßigen Bewegung heraus. Keinesfalls sollte das Tier am vollgesogenen Körper angefasst werden. Dabei könnten Krankheitserreger in die Einstichstelle gelangen. 

Wenn gerade kein geeignetes Werkzeug zur Hand ist, kann die Zecke auch vorsichtig mit den Fingernägeln herausgezogen werden. Wichtig ist auch, darauf zu achten, möglichst alle Teile des Milbentiers zu entfernen, sonst kann sich die Stelle entzünden. Danach sollte der Einstichbereich sorgfältig desinfiziert werden, empfiehlt das Robert-Koch-Institut.

Was tun nach einem Zeckenbiss?

Um die Anzeichen einer Borreliose-Erkrankung frühzeitig zu erkennen, empfiehlt es sich die Einstichstelle regelmäßig zu beobachten. Bildet sich nach einigen Tagen bis Wochen eine ringförmige Hautrötung, die sich ausweitet,  sollte man einen Arzt aufsuchen. Falls nach einem Zeckenstich Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen auftreten, können das Anzeichen für eine FSME sein. Bevor man einen Arzt konsultiert, sollte man jedoch zuvor überprüfen, ob man sich zum Zeitpunkt des Zeckenstichs in einem FSME-Risikogebiet aufgehalten hat. 

Karte der FSME-Risikogebiete nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (Stand 2017). Rot: Risikogebiete, in denen das Robert-Koch-Institut Impfungen empfiehlt. Gelb: Landkreise mit vereinzelt auftretenden FSME-Erkrankungen. Weiß: Bisher keine Erkrankungen.

Diese befinden sich hauptsächlich in Süddeutschland, in ganz Hessen kam es im vergangenen Jahr laut dpa nur zu 18 Fällen einer FSME-Virus-Erkrankung. Nördlichstes Risikogebiet Hessens ist der Landkreis Marburg-Biedenkopf. Kassel und Umgebung blieben allerdings bislang von Krankheitsfällen verschont, so die Stadt.

Wann werden Zecken im Frühling aktiv?

Ab Temperaturen von etwa acht Grad erwachen Zecken aus ihrer Winterstarre. Parallel zur Aktivität der Tiere treten auch FSME und Borreliose hauptsächlich im Frühling, Sommer und Herbst auf.

Welche Zeckenarten gibt es?

Über 900 Zeckenarten gibt es weltweit, in Deutschland trifft man hauptsächlich sieben Arten an: Den Gemeinen Holzbock, die Auwaldzecke, die Igelzecke, die Schafs- oder Frühjahrswaldzecke, die Taubenzecke, die Hyalommazecke sowie die Braune Hundezecke. Unter ihnen kommt der Gemeine Holzbock am häufigsten vor. Diese Art überträgt sowohl FSME- als auch Borreliose-Erreger. Weitaus seltener kommt es zu Stichen durch die Auwaldzecke. Auch sie überträgt unter anderem FSME-Viren.

Verschiedene Zeckenarten.

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