Zehn Fakten über unser Rückgrat

Nicht umsonst bezeichnen viele Mediziner unseren Rücken als einen der wichtigsten Körperteile. Dr. Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga, erklärt, was unser Rückgrat alles leistet und aushalten muss.

Wussten Sie schon, dass...

1. … über 300 Muskeln unseren Rücken stabilisieren?

Fünf Bänder und Bandsysteme sowie mehr als 300 Muskeln umgeben unser Rückgrat und sorgen für Stabilität und einen aufrechten Gang. Dabei lässt sich generell zwischen zwei Arten unterscheiden: die tiefe und die oberflächliche Muskulatur.

2. … der sogenannte Musculus multifidus der wichtigste Rückenmuskel ist?

Musculus multifidus nennen Mediziner den wichtigsten, tief liegenden Rückenmuskel. Dieser vielfach gefiederte Muskel verbindet die Querfortsätze der Wirbel mit den darüber liegenden Dornfortsätzen und spannt so den Rücken auf. Insbesondere nach Bandscheibenoperationen hilft ein gezieltes Training dieses Muskels, die Stabilität des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts wiederherzustellen. Sein Gegenspieler ist der sogenannte Musculus transversus abdominis, ein schräg verlaufender, tiefer Bauchmuskel. Nur in kombiniertem Training können Betroffene das Rückgrat optimal stärken.

3. … Rückenschmerzen häufig im Alter zwischen 35 und 55 Jahren auftreten?

In vielen Fällen kommt es in diesem Lebensabschnitt zu Verschleiß-erscheinungen der Wirbelsäule, die zu Schmerzen im Rückgrat führen. Abgenutzte Bandscheiben und Wirbel gehören wie etwa Falten oder graue Haare zu den Auswirkungen des natürlichen Alterungsprozesses und treten bei dem einen früher, bei dem anderen später auf. 

4. … Frauen häufiger als Männer unter Beschwerden im Rücken leiden?

Laut des Robert Koch Instituts geben Frauen häufiger als Männer an, unter mindestens drei Monate anhaltenden Kreuzschmerzen gelitten zu haben. Mögliche Ursachen hierfür können zum einen typisch weibliche Erscheinungen wie etwa gynäkologische Erkrankungen und die Wechseljahre sein, die häufig Rückenschmerzen nach sich ziehen. Aber auch die steigende Mehrfachbelastung der Frau durch Beruf und Familie führt zu psychischen Leiden und damit in vielen Fällen zu schmerzenden Verspannungen.

5. … auch Stress Rückenschmerzen auslösen kann?

Gestresste Menschen spannen ihre Muskeln unwillkürlich an und verkrampfen so besonders im oberen Rückenbereich schnell. Dieser körperliche Mechanismus rührt noch aus dem Mittelalter. Damals bereitete sich der Organismus in Gefahrensituationen auf eine Flucht vor und erhöhte den sogenannten Muskeltonus. Hält der Stress und damit die Anspannung länger an, strahlen Schmerzen im Nacken aus, die sich auf das gesamte Kreuz ausweiten können. Verschwinden die Verhärtungen nicht innerhalb weniger Tage von selbst, sollten Betroffene einen Rückenexperten zurate ziehen, der gezielte Übungen aufzeigen und die Beschwerden so lindern kann.

6. … jede fünfte Frau und jeder siebte Mann in Deutschland unter chronischen Rückenschmerzen leiden?

Als chronisch gelten Kreuzschmerzen, wenn sie länger als drei Monate andauern, Mediziner eine Krankschreibung von über vier Wochen ausstellen und wenn pro Jahr mehr als zwei Schmerzepisoden auftreten. 

7. … bei bestimmten Alltagssituationen ein vielfach höherer Druck auf unserem Rücken lastet, als in Autoreifen vorherrscht?

Wer etwa einen Bierkasten mit gestreckten Beinen und vorgebeugtem Oberkörper hebt, belastet die Bandscheiben mit einem Druck von rund 23 Bar. In einem Pkw-Reifen liegt zum Vergleich nur ein Druck von etwa 2 Bar vor.

8. … unsere Bandscheiben sich im Liegen ernähren?

Bei körperlicher Aktivität oder im Stehen verlieren unsere Bandscheiben Flüssigkeit und scheiden dadurch verbrauchte Nährstoffe aus. Im Liegen wiederum und besonders nachts im Schlaf saugen sie sich wieder wie ein Schwamm mit frischer Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe voll. So bleiben sie elastisch und halten ihre Stoßdämpferfunktion aufrecht.

9. … in unserer Wirbelsäule neue Blutzellen entstehen?

Die Wirbelsäule dient nicht nur dazu, unseren Körper aufrecht zu halten und zu stützen, sondern bildet in ihrem Inneren auch neue Blutzellen. Etwa ab dem vierten Embryonalmonat stellt das Knochenmark das wichtigste blutbildende Organ dar und stellt beinahe alle Blutzellarten des Menschen her.

10. … man die Matratze nicht unbedingt mit dem Partner teilen sollte?

Wiegt der Bettnachbar deutlich mehr oder überragt er (oder sie) die eigene Körpergröße, sollten Paare auf eine gemeinsame Matratze sowie ein gleiches Lattenrost verzichten. Nur wenn die Unterlage an Hüfte und Schulter nachgibt, Beine und Taille jedoch stützt, kann sich der Rücken auch im Schlaf erholen. Zierliche Menschen benutzen am besten eher weiche Matratzen, schwere Personen eher gestärkte. Daher gilt es, das Bett individuell nach den persönlichen Bedürfnissen auszuwählen, um dem eigenen Rücken Gutes zu tun. Doppelbetten sollten dabei mindestens eine Breite von 1,80 Meter aufweisen und etwa 20 bis 30 Zentimeter länger als der größte Schläfer sein. (nh)

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