Ziel: Mehr Pflege zu Hause

Statt im Heim sollen in Zukunft mehr Menschen zu Hause gepflegt werden: Die neuen Stützpunkte bieten Beratungen dazu an.

Kurz vor der Eröffnung sind die Mitarbeiterinnen aufgeregt. In dieser Woche sitzen sie in den Sprechstunden zum ersten Mal Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen gegenüber, um sie zu beraten.

Im Kasseler Kulturbahnhof wurde diese Woche der Pflegestützpunkt des Landkreises eröffnet, der 14. von insgesamt 26, die in Hessen geplant sind. Er dient zunächst auch als Anlaufstelle für Ratsuchende aus der Stadt Kassel.

Alle Fragen werden beantwortet

Der Landkreis ist verpflichtet, den Stützpunkt gemeinsam mit den gesetzlichen Pflegekassen einzurichten: eine Folge des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes aus dem Jahr 2008. Wer pflegebedürftig ist oder pflegebedürftige Angehörige hat, kann sich dort informieren: Wo gibt es Essen auf Rädern, wo Haushaltshilfen, welche Dienste versorgen zu Hause?

Nicht zuletzt soll es auch darum gehen, welche dieser Leistungen die gesetzlichen Kassen übernehmen. Die Mitarbeiterinnen des Kasseler Pflegestützpunktes stehen vor Ort für Fragen zur Verfügung und machen auch Hausbesuche.

Simone, Michaela und Doris pflegen fürsorglich

Vorher haben die drei Frauen in anderen Berufen gearbeitet: Michaela Griesel war 20 Jahre lang Krankenschwester in der Geriatrie.

Auch Simone Dippel hat als Krankenschwester gearbeitet. Sie hat privat schon Angehörige gepflegt und glaubt, dass sie sich so besser in die Menschen hineinversetzen kann, die im Stützpunkt Rat suchen.

Die beiden Frauen sind Angestellte der Landwirtschaftlichen Pflegekasse. Im Wechsel arbeiten sie zusammen mit Doris Brandstetter-Wedding im Stützpunkt – einer Angestellten des Landkreises. Im Gesundheitsamt hat sie vorher psychisch kranke Menschen beraten.

Ziel des Beratungsstützpunktes

Dass die Pflegekassen die kostenlosen Beratungsstellen mitbetreiben, war bei der Einführung der Stützpunkte in die Kritik geraten.

So forderte unter anderem der Sozialverband Deutschland Beratungsstellen, die unabhängig von Leistungserbringern betrieben werden. Nur wenn die Berater unabhängig seien, könnten sie allein das Wohl der Pflegebedürftigen im Blick haben.

Ein Ziel der Stützpunkte ist es, dafür zu sorgen, dass alte Menschen verstärkt zu Hause von Pflegediensten oder Angehörigen betreut werden. Die Betroffenen sollen seltener in Pflegeheime müssen, die teurer sind. „Der wichtigste Grund ist für uns, dabei Kosten zu sparen“, räumt Martina Opfermann-Kersten, Referentin der Landwirtschaftlichen Pflegekasse, ein. Die Beraterinnen beteuern hingegen, bei ihrer Arbeit das Interesse der Pflegebedürftigen in den Vordergrund zu stellen. (Von Irene Habich)

Kontakt

Pflegestützpunkt des Landkreises Kassel
Südflügel des Kulturbahnhofs
Rainer-Dierichs-Platz 1
Telefon 0561/1003-1399 und 1003-1371
Sprechstunde montags, mittwochs, freitags von 10 bis 12 Uhr und mittwochs von 14 bis 17 Uhr.

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