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Aus für Traditionsbrauerei – „Bis zum letzten Tag im Betrieb bleiben“

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Von: Annette Schlegl

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Nicht nur das Wappen der Brauerei muss 2023 weichen, sondern auch zehn Gebäude und Hallen auf dem Areal. Nur die denkmalgeschützten Gebäude werden nicht abgerissen.
Nicht nur das Wappen der Brauerei muss 2023 weichen, sondern auch zehn Gebäude und Hallen auf dem Areal. Nur die denkmalgeschützten Gebäude werden nicht abgerissen. © michael schick

Der Besitzer der Pfungstädter Brauerei hat seine Belegschaft über die Schließung des Betriebs informiert. Das Ende kommt im Laufe des kommenden Jahres.

Pfungstadt – Das Ende der Pfungstädter Brauerei ist wohl besiegelt. Brauereibesitzer Uwe Lauer hat seiner knapp 70-köpfigen Belegschaft am Mittwoch in einer Betriebsversammlung mitgeteilt, dass der Betrieb im kommenden Jahr schließen wird und das Gelände bis zum 31. Dezember 2023 an den Grundstückseigentümer Conceptaplan übergeben werden muss. Der Investor will dort Wohnungen bauen. Kündigungen sind laut Brauereigeschäftsführer Peter Winter noch nicht ausgesprochen, werden aber folgen.

Große Mehrheit der Stadtverordneten stimmte gegen Bürgerbegehren und Bürgerbefragung

Der Hiobsbotschaft für die Mitarbeitenden ging am Montag eine turbulente Parlamentssitzung voraus, bei der die Pfungstädter Stadtverordneten mit großer Mehrheit das initiierte Bürgerbegehren zum Erhalt der Brauerei aus juristischen Gründen abwiesen. Ausschlaggebend dafür war ein Formfehler; die Frist zur Einreichung des Begehrens war überschritten worden.

Bürgermeister Patrick Koch (SPD) war laut Peter Winter jedoch der Meinung, dass mehr als 4600 gesammelte Unterschriften trotzdem den Bürgerwillen widerspiegeln und hatte deshalb eine Bürgerbefragung zur Brauerei angeregt. Ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut hätte die Meinung der Bevölkerung einholen sollen. Doch auch dieser Vorstoß war von der Parlamentsmehrheit nicht gewünscht. „Alle sechs Fraktionen bis auf fünf SPD-Getreue stimmten gegen Kochs Antrag“, sagt Winter. Es sei für ihn und viele anwesende Brauereibeschäftigte erschreckend gewesen, wie einig sich die Stadtverordneten am Montag waren.

Verlagerung der Pfungstädter Brauerei aus Sicht des Besitzers nicht machbar

Brauereibesitzer Lauer habe seiner Belegschaft am Mittwoch klargemacht, dass ein Fortbestand in dieser Form nicht mehr möglich ist. „Wir müssen sehen, ob es noch eine Lösung gibt“, sagt Geschäftsführer Winter. Es gebe derzeit kein anderes Grundstück, das Lauer für eine Brauereiverlagerung ins Auge fassen könne. Die Stadt hatte der Brauerei ein Grundstück auf der grünen Wiese vorgeschlagen, aber die Bau- und Immissionsschutzgenehmigungen würden Jahre dauern, so Winter. „Wenn wir einen Produktabriss haben und ein halbes Jahr lang nicht liefern, ist die Marke tot“, macht er klar.

Der Protest der Bürgerinitiative lief ins Leere, weil die gesetzlich vorgegebene Acht-Wochen-Frist zur Einreichung des Bürgerbegehrens nicht eingehalten wurde.
Der Protest der Bürgerinitiative lief ins Leere, weil die gesetzlich vorgegebene Acht-Wochen-Frist zur Einreichung des Bürgerbegehrens nicht eingehalten wurde. © michael schick

Außerdem habe man auf dem jetzigen Gelände Wasserrechte und einen zertifizierten Mineralbrunnen, der auf dem angedachten Areal fehle. Es gebe doch sicher andere Flächen in Pfungstadt, auf denen man Wohnungen bauen könne, äußerte sich Winter gegenüber der FR.

„Die meisten Beschäftigten haben mir am Donnerstagmorgen gesagt, dass sie bis zum letzten Tag im Betrieb bleiben“, sagt Winter. Einige erklärten, dass schon die Eltern und Großeltern in der Brauerei gearbeitet hätten; sie existiert seit 191 Jahren.

Investor will auf Brauereigelände Miet- und Eigentumswohnungen entstehen lassen

Der Investor Conceptaplan verlautbarte in einer Mitteilung, man sehe in der Ablehnung des Bürgerbegehrens „den klaren Auftrag, die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverordnetenversammlung und der Pfungstädter Verwaltung fortzusetzen.“ Für das gut 40.000 Quadratmeter große Brauereiareal, auf dem Miet- und Eigentumswohnungen entstehen sollen, hat das Unternehmen laut Geschäftsführer Thomas Grimann mehrere Millionen bezahlt. Jetzt sei der Weg frei, auch wenn sein Unternehmen noch mitten im Bebauungsplanverfahren sei und noch kein Baurecht habe.

Pfungstadts Bürgermeister Patrick Koch war am Donnerstag bis Redaktionsschluss leider nicht zu erreichen. (Annette Schlegl)

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