Konsequenzen drohen

Corona-Jahr 2020: Lufthansa präsentiert Bilanz

Die Lufthansa hat in der Corona-Krise weiter zu kämpfen. Das hat auch Auswirkungen auf den Betrieb am Frankfurter Flughafen.

  • Die Lufthansa hat am Donnerstag (04.03.2021) die Bilanzvorlage des Unternehmens präsentiert.
  • Wegen der Corona*-Krise muss der Konzern seine Flotte und Mitarbeiter weiter reduzieren.
  • Den Betrieb am Frankfurter Flughafen* beeinflusst auch eine Umstellung im Frachttransport.

Frankfurt – Lufthansa-Chef Carsten Spohr fordert ein einheitliches Vorgehen im Umgang mit dem Corona-Virus, um Fortschritte beim Impfen und Testen zu erzielen. Das sei für die Lufthansa Voraussetzung für eine Erholung nach dem milliardenschweren Rekordverlust im Corona-Jahr 2020, erklärte Spohr am Donnerstag (04.03.2021) bei der Bilanzvorlage des Unternehmens in Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Vorstandschef Spohr sagte weiter: „International anerkannte, digitale Impfnachweise und Testzertifikate müssen an die Stelle von Reiseverboten und Quarantäne treten.“ Quarantänevorschriften seien der eigentliche Grund, warum Menschen auf Reisen verzichteten. Der von der EU vorangetriebene elektronische Impfnachweis müsse auch Corona-Tests enthalten, fordert Spohr.

Carsten Spohr, Vorstandschef der Lufthansa AG, spricht bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. Nach einem milliardenschweren Rekordverlust für 2020 rüstet sich die Lufthansa für ein weiteres schwieriges Jahr mit der Corona-Pandemie.

Die unsichere Situation könnte auch ein Grund dafür sein, dass der vom Staat unterstützte Luftverkehrskonzern für 2021 keine konkrete geschäftliche Prognose gestellt hat. Dass die Lufthansa nur noch mit einem Flugangebot zwischen 40 und 50 Prozent des Niveaus aus dem Vorkrisenjahr 2019 rechnet, deutet darauf hin, dass dem Unternehmen ein weiteres schwieriges Jahr bevorsteht.

Lufthansa in der Corona-Krise: Konzern präsentiert Bilanz

Bisher hatte Unternehmenschef Carsten Spohr noch bis zu 60 Prozent für möglich gehalten, so die dpa. Das liegt auch an den niedrigen Passagierzahlen. Am Frankfurter Flughafen, dem Heimatflughafen der Lufthansa, lag nach Angaben der Fraport die Zahl der monatlichen Passagiere vom Frankfurter Flughafen im Dezember 2020 unter 900.000. Im Januar 2020 – bevor die Corona-Pandemie das Reiseverhalten verändert hat – sind es noch rund 4,6 Millionen gewesen.

Der Geschäftseinbruch in der Corona-Krise hat der Lufthansa im abgelaufenen Jahr einen Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro eingebracht – nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden im Vorjahr. Der Umsatz des MDax-Konzerns brach um fast zwei Drittel auf 13,6 Milliarden Euro ein. Der Verlust belief sich auf 5,45 Milliarden Euro.

Für 2021 geht Spohr davon aus, dass die Lufthansa trotz der weiterhin schwierigen Lage die gewährten Staatshilfen von insgesamt 9 Milliarden Euro nicht vollständig in Anspruch nehmen muss. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits 1 Milliarde Euro des hochverzinslichen KfW-Darlehens zurückgezahlt. 5,7 Milliarden Euro seien noch nicht genutzt worden.

Carsten Spohr, Vorstandschef der Lufthansa AG, spricht bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. Nach einem milliardenschweren Rekordverlust für 2020 rüstet sich die Lufthansa für ein weiteres schwieriges Jahr mit der Corona-Pandemie.

Rekordverlust der Lufthansa: Viele Jobs gefährdet

Ein weiteres Problem in der Corona-Krise: Der Konzern hat nach Ansicht von Spohr zu viele Mitarbeiter, die Geld kosten. Zwar haben weltweit rund 31.000 von einstmals 141.000 Beschäftigten die Lufthansa bereits verlassen, aber das reiche nicht. Spohr hält nur eine Höchstzahl von 100.000 für möglich – und das setze bereits eine starke Ausweitung der Teilzeit voraus, berichtet die dpa. In Deutschland hat der Konzern rund 62.000 Beschäftigte von einstmals 70.000. Der Konzern versucht, Mitarbeiter mit Abfindungen zum Gehen zu bewegen, bereitet sich aber auch auf Entlassungen vor. Das beträfe insbesondere Piloten.

Derzeit stehen rund 500 der insgesamt fast 800 Flugzeuge des Konzerns am Boden, darunter die vierstrahligen Langstreckenjets vom Typ Airbus A380, Airbus A340 und Boeing 747-400 – einige davon auch am Frankfurter Flughafen. Bis zum Jahr 2023 soll die Konzernflotte auf 650 Maschinen schrumpfen. Für 115 Maschinen steht bereits fest, dass sie für die Lufthansa nicht mehr starten werden. Der Vorstand will laut dpa auf der Langstrecke künftig vor allem auf Modelle setzen, die weniger Sprit verbrauchen, wie Airbus A350 und Boeing 787 „Dreamliner“. Für den Sommer hat die Lufthansa über 30 neue Reiseziele* angekündigt.

Frankfurter Flughafen: Weitere Einsätze vom A380 unwahrscheinlich

Für das größte Passagierflugzeug der Welt sieht die Lufthansa dagegen keinen Platz mehr in ihrer Flotte. Nach aktuellem Stand werden die derzeit langzeitgeparkten Maschinen vom Typ A380 nicht mehr in den Liniendienst zurückkehren, erklärte Spohr in Frankfurt.

Lufthansa hat 14 Jets des Typs in der Flotte, von denen Hersteller Airbus nach Angaben der dpa sechs zurücknimmt. Zunächst starteten jeweils sieben Maschinen vom Frankfurter Flughafen und vom Flughafen „Franz Josef Strauß“ in München. Im Mai 2020 wurde dann entschieden, alle Flugzeuge in München abzustellen, wie die Luftfahrt-Website „airliners“ berichtete. In der Lufthansa-Konfiguration hat der vierstrahlige Jet 509 Passagierplätze.

Hoffnung durch Frachtgeschäft: Lufthansa baut Maschinen am Frankfurter Flughafen um

Im abgelaufenen Jahr starteten nur ein Drittel der Lufthansa-Flüge von 2019. Rund 36,4 Millionen Fluggäste bedeuteten im Vergleich zum Vorjahr nur 25 Prozent. Als einzigen Lichtblick in der Konzernbilanz sieht die dpa die Frachttochter Lufthansa Cargo, die Dank kräftig gestiegener Preise ein Rekordergebnis von 772 Millionen Euro erzielte. Wegen der ausgefallenen Passagierflüge – bei denen Fracht oft im Rumpf mitfliegt – sank zwar das Platzangebot für Fracht um 39 Prozent, gleichzeitig stiegen aber die Durchschnittserlöse im verbleibenden Angebot um 55 Prozent.

Doch Fracht, die den Frankfurter Flughafen erreichen soll, gibt es massenweise. Nach Angaben des Zolls seien seit Ausbruch der Pandemie allein sechs Milliarden Masken in Frankfurt gelandet. Um die Kartons zum Frankfurter Flughafen transportieren zu können, werde der Passagierraum der Flugzeuge genutzt. Das wird Cabin Load genannt. Die Lufthansa habe laut Frankfurt Allgemeiner Zeitung dazu extra Sitze aus ihren Maschinen ausgebaut. Seit März 2020 seien rund 9500 nur mit Fracht beladene Passagiermaschinen am Frankfurter Flughafen gelandet, zitiert die FAZ eine Fraport-Sprecherin. Besonders Masken, Kittel und Einmalhandschuhen seien in den Kartons, die anstelle von Passagieren auf den Sitzen der Flugzeuge festgeschnallt sind. (Theresa Ricke mit Material der dpa) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Vasco Garcia/dpa

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