Gebiet soll Region aufwerten

Der Knüll ist jetzt Naturpark

Knüll-Idylle soweit das Auge reicht: Vom Knüllköpfchen aus bot sich eine Aussicht bis hin zur Söhre und weiter, rechts das Dörfchen Hülsa.
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Knüll-Idylle soweit das Auge reicht: Vom Knüllköpfchen aus bot sich eine Aussicht bis hin zur Söhre und weiter, rechts das Dörfchen Hülsa.

Das nordhessische Knüllgebirge in den Landkreisen Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg ist als Naturpark anerkannt. Er ist der 13. Naturpark in Hessen und der 107. in Deutschland.

Schwalm-Eder/Hersfeld-Rotenburg – Insgesamt 17 Städte und Gemeinden sind ganz oder zumindest teilweise im Naturpark gelegen, er umfasst eine Größe von 83 000 Hektar zwischen Homberg im Norden, Neukirchen im Westen, Breitenbach im Süden und Bad Hersfeld im Osten. Träger ist der Zweckverband Knüllgebiet.

Der Naturpark Knüll solle die Region weiter entwickeln und aufwerten, den Tourismus fördern und die naturnahe Erholung ermöglichen, hatte Priska Hinz, Hessische Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Klima- und Verbraucherschutz, in einer Mitteilung erläutert. „Wir versprechen uns tatsächlich viel vom neuen Naturpark“, sagte Dr. Nico Ritz, Vorsitzender des Zweckverbands Knüllegebiet, beim Pressetermin in Wallenstein. Der Park soll die beteiligten Kommunen verbinden, das Bewusstsein für die Umwelt und die „fantastischen Landschaften“ schärfen und die Zusammenarbeit der beiden Nachbarlandkreise stärken.

Die konkrete inhaltliche Arbeit beginnt

Doch bevor inhaltliche Ziele wie die Ausbildung von ehrenamtlichen Naturparkführern umgesetzt und im kommenden Jahr ein Naturparkplan erstellt werden kann, beginne jetzt die konkrete inhaltliche Arbeit, so Katrin Anders, Zweckverbands-Geschäftsführerin: Neben Logo, Internetpräsenz und dem Auftritt in den Sozialen Medien soll die Zusammenarbeit mit den touristischen Verbänden verstärkt werden: Die seien ein wichtiger Baustein, um den Bekanntheitsgrad der Region zu erhöhen und größere Wertschöpfung durchs Vermarkten von regionalen Produkten zu erzielen.

Geschäftsführerin Katrin Anders

Für all das erhält der Zweckverband in diesem Jahr 60 000 Euro Fördergeld und bis 2023 bis zu weiteren 150 000 Euro. Der Naturpark, so Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer, werde sicher vor allem eines erreichen: Er werde die Region enger zusammen und mehr Urlauber aus dem ganzen Land nach Nordhessen bringen.

Die Geburtsstunde des Naturparks

Die Tatsache, dass das Knüllgebirge seit heute den Titel Naturpark tragen darf, kam alles andere als über Nacht: Eigentlich sei es ein Jahrhundertprojekt, dem da nun endlich Erfolg beschieden sei, sagte Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz bei der Pressekonferenz in Wallenstein: Denn schon der Knüllgebirgsverein habe im 18. Jahrhundert in die Satzung den Schutz der Landschaft aufgenommen. „Das war sozusagen die Geburtsstunde vieler Bemühungen, die Region zum Naturpark werden zu lassen“, sagte Ritz.

Konkreter aber wurde das Ansinnen 1969, als der Knüllgebirgsverein aus „leidenschaftlicher Liebe zur Heimat“ eine Denkschrift herausgab, in der Unterstützer gesucht wurden, „die sich mit uns schützend um diese schöne Landschaft zu gruppieren.“ Und jetzt endlich, Jahrzehnte später, hat dieses Ansinnen unzählige Unterstützer und noch einen ganz offiziellen Titel erhalten: Der Knüll ist nun Naturpark.

Daran habe kaum noch jemand geglaubt, als Ritz als Zweckverbandsvorsitzender 2017 den Vorschlag gemacht habe, einen weiteren Vorstoß in dieser Hinsicht zu unternehmen und Anträge zu stellen. Dennoch sei das Team im Zweckverband Knüllgebiet genau diesen Weg gegangen – und habe das Ziel erreicht. Das lautet: „Die Landschaft zwischen Eisenberg und Knüllköpfchen soll zum Wohle der Menschen erhalten und geschützt werden“, so der Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann beim offiziellen Bekanntgabetermin in Wallenstein unter der Burgruine.

Der Knüll stelle mit seiner basaltüberlagerten Landschaft einen eigenen, kostbaren Naturraum dar. Der Naturpark als großräumiges Schutzgebiet soll auch helfen, die gesamte Region in touristischen Bereichen besser aufzustellen, ergänzte Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer.

Der Knüll ist offiziell Naturpark: von links Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer, Tatjana Grau-Becker (Wirtschaftsförderung Schwalm-Eder), Dr. Wolfgang Fröhlich, Leiter Wildpark Knüll, Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz, Katrin Anders, Geschäftsführerin des Zweckverbands Knüllgebiet, und die Ersten Kreisbeigeordneten Jürgen Kaufmann (Schwalm-Eder) und Jürgen Schäfer (Hersfeld-Rotenburg).

Ein grenzüberschreitendes Netzwerk soll entstehen

Die Tatsache, dass sich der neue, nun bereits 13. hessische Naturpark über zwei Landkreise erstreckt, soll „grenzüberschreitende Netzwerke“ entstehen lassen, wie es Nico Ritz nannte. „Kreisgrenzen sollten die kleinsten Hindernisse darstellen“, so Jürgen Schäfer, Beigeordneter aus Hersfeld-Rotenburg.

Jetzt aber könne sich der Zweckverband nicht auf dem Erreichten ausruhen, um Gegenteil: „Jetzt geht die Arbeit erst richtig los“, so Ritz. Noch in diesem Jahr sollen ehrenamtliche Naturparkführer ausgebildet, die Leitplanken und Ziel der inhaltlichen Arbeit festgelegt werden, sanfter Tourismus angeschoben und das Projekt „Naturpark-Kitas“ des Verbands Deutscher Naturparks angestoßen werden.

Mit dem Projekt „Fabelwege“ wurde ein Konzept für 20 Premiumwanderwege auf 174 Kilometer Länge in neun Städten und Gemeinden entwickelt. Die Umsetzung, so Geschäftsführerin Katrin Anders, soll in diesem und nächsten Jahr erfolgen. (Claudia Brandau)

Diese Kommunen sind Teil des Naturparks

Insgesamt 17 Städte und Gemeinden aus den beiden Landkreisen Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg liegen ganz oder teilweise im Naturpark: Im Schwalm-Eder-Kreis sind das Frielendorf, Homberg, Knüllwald, Morschen, Neukirchen, Oberaula, Ottrau, Schwarzenborn. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gehören Alheim, Bad Hersfeld, Bebra, Breitenbach, Kirchheim, Ludwigsau, Neuenstein, Niederaula und Rotenburg an der Fulda dazu. 

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