Milliarden-Projekt Deutschlandtakt

Revolution der Deutschen Bahn: Jetzt sind Kosten bekannt – Experten mit ernüchternder Prognose

Mit dem Deutschlandtakt soll das Bahnfahren bis 2030 deutlich schneller und unkomplizierter werden.
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Mit dem Deutschlandtakt soll das Bahnfahren bis 2030 deutlich schneller und unkomplizierter werden.

Bis 2030 sollen Zugreisen deutlich einfacher werden: Der Deutschlandtakt der Deutschen Bahn verspricht eine Revolution. Doch es übersteigt die finanziellen Mittel.

Frankfurt – Lange Wartezeiten und unübersichtliche Fahrpläne sollen ab 2030 der Vergangenheit angehören. Bis dahin planen Deutsche Bahn (DB)* und Verkehrsministerium eine Revolution des deutschlandweiten Bahnnetzes. Nachdem lange über den sogenannten Deutschlandtakt der DB diskutiert wurde*, nimmt das Projekt allmählich Formen an. Doch ein Gutachten zeigt, dass die Kosten des aufwändigen Taktsystems die Mittel, die die Bahn für solche Ausgaben erhält, deutlich übersteigen. Darüber berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Das neue Fahrplan-Modell sieht ein völlig neues Reisen mit dem Zug vor. Statt unregelmäßiger Abfahrtzeiten sollen die ICEs ebenso wie S-Bahnen immer zur gleichen Zeit abfahren. Strecken zwischen großen Städten sollen im 30-Minuten-Takt gefahren werden, zwischen kleineren Städten im 60-Minuten-Takt. An besonders wichtigen Umsteigestationen sollen Züge etwa zeitgleich ankommen und nur kurze Aufenthalte haben. Vorbild für das Projekt ist die Schweiz, wo es bereits seit Jahrzehnten ein Taktsystem gibt. Die Pläne der Deutschen Bahn und des Verkehrsministeriums existieren seit 2018.

Deutsche Bahn: Bund zahlt zu wenig, um Deutschlandtakt bis 2030 zu realisieren

Das System verspricht ein wesentlich komfortableres und unkomplizierteres Reisen mit der Deutschen Bahn. Verbände wie der Verkehrsclub Deutschland und der Fahrgastverband Pro Bahn sehen darin außerdem die Chance einer ökologischen Verkehrswende, weil vermutlich mehr Menschen auf die Bahn umsteigen würden. Nachdem lange offen geblieben war, wie viel der Deutschlandtakt kostet, hat die Beratungsfirma SMA des Verkehrsministeriums nun einen genauen Betrag errechnet, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.

Demnach fallen für den notwendigen Ausbau der Trassen „geschätzte Investitionskosten“ von 48,5 Milliarden Euro für 181 Investitionsvorhaben an. Das Problem: Die Deutsche Bahn erhält vom Bund pro Jahr nur rund zwei Milliarden Euro für Investitionen. Damit könnte die DB die errechneten Kosten nicht decken – zumindest nicht bis 2030. Erhält die Bahn nicht mehr Mittel für den Ausbau der Schienen, ließe sich der Deutschlandtakt somit frühestens bis 2044 umsetzen.

Deutschlandtakt: Bundesverkehrsminister Scheuer zieht Aufstockung der Gelder für die DB in Betracht

Hinzu kommt, dass die errechneten Kosten von 48,5 Milliarden Euro vermutlich zu niedrig angesetzt sind. Fachleute schätzen laut Süddeutsche Zeitung die Ausgaben für das gesamte Projekt Deutschlandtakte sogar auf 60 Milliarden Euro. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gab zwar an, dass sich die Gelder für die Deutsche Bahn auf drei Milliarden oder mehr Euro aufstocken ließen. Beschlossen ist das jedoch noch nicht.

Fest steht, dass Deutschland das Bahnfahren dringend attraktiver gestalten muss, um den Straßenverkehr reduzieren und damit die Klimabilanz verbessern zu können. Wie ein Sprecher betonte, plant die Deutsche Bahn daher, alles zu tun, um den Deutschlandtakt schnellstmöglich umzusetzen. (tt) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch am Hauptbahnhof Frankfurt ist ein Milliarden-Projekt* geplant. Ein Fernbahntunnel soll unter der Stadt entstehen.

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