Deutsche Post

Mitarbeiter bunkert tausende Briefe: Post kommt jetzt Jahre zu spät an

Ein Postbote hält einen Stapel Briefe in der Hand.
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Die Wahlbenachrichtigung erhalten die Wähler in Baden-Württemberg per Post. (Symbolbild)

Ein Mitarbeiter der Deutschen Post bunkert jahrelang Briefe und Postkarten in seiner Wohnung in Wiesbaden. Die Zustellung erfolgt erst jetzt.

  • Eine Frau aus Rüsselsheim fischt im Januar 2021 eine Weihnachtskarte von 2014 aus ihrem Briefkasten.
  • Denn ein ehemaliger Zusteller der Deutschen Post hatte offenbar über Jahre Briefe zurückgehalten – insgesamt mindestens 15.000.
  • Das Motiv des verdächtigen Mannes scheint klar.

Wiesbaden ‒ Insbesondere vor Weihnachten, gerade im Corona-Jahr ist es keine Überraschung, dass sich die ein oder andere Sendung bei der Deutschen Post verspätet. Doch einige, die dieser Tage Post im Briefkasten haben, werden nicht schlecht staunen. So auch eine Frau aus Rüsselsheim: Sie hatte sich an den „Wiesbadener Kurier“ gewandt, nachdem sie eine Weihnachtskarte von 2014 aus ihrem Briefkasten gefischt hatte. Doch hinter der Verspätung steckt deutlich mehr als nur Stress oder Chaos bei der Post.

Die Weihnachtskarte, die eine alte Freundin der Rüsselsheimerin 2014 abgeschickt hatte, war ungeöffnet. Der verspäteten Sendung lag auch ein Schreiben der Deutschen Post bei, das die sechs Jahre Verzögerung erklären sollte, berichtet die Frau aus dem Kreis Groß-Gerau dem „Wiesbadener Kurier“. Das „Servicecenter Briefermittlung“ teilt darin mit, dass die Sendung „außerhalb des Betriebes“ beschädigt gefunden wurde. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigt, war das in der Wohnung eines 61 Jahre alten Mannes aus Wiesbaden.

Deutsche Post: Briefe unterschlagen – Staatsanwalt ermittelt gegen Kraftfahrer aus Wiesbaden

Die Polizei Westhessen hat auf Anfrage direkt an die Staatsanwaltschaft in Darmstadt verwiesen, denn nur die könne zu dem mysteriösen „Briefschwund“ noch Auskünfte erteilen. Oberstaatsanwalt Robert Hartmann teilte daraufhin Anfang Februar mit, dass das Ermittlungsverfahren wegen der mindestens 15.0000 unterschlagenen Briefe bereits am 15. Oktober 2020 eingeleitet wurde. Ein Security-Mitarbeiter der Deutschen Post hatte den Fall gemeldet, nachdem bereits intern recherchiert worden war. Die internen Ermittlungen des Sicherheitsdiensts der Post ergaben bereits einen Tatverdächtigen, gegen den nun auch bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt als Beschuldigter ermittelt wird.

Verdächtig ist demnach ein 61 Jahre alter Mann aus Wiesbaden, der als Kraftfahrer für ein Subunternehmen der Deutschen Post tätig gewesen sein soll. Bei Durchsuchungen der Wohnung des Wiesbadeners sind nach Angaben von Oberstaatsanwalt Hartmann rund 15.000 Briefe gefunden worden. Da die Ermittlungen aber noch laufen, sei nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Sendungen – möglicherweise auch Pakete – betroffen sind. Weil der Beschuldigte auf unterschiedlichen Routen für die Deutsche Post tätig war, sind mehrere Bezirke von verschwundenen Briefen betroffen. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen aktuell davon aus, dass der 61-Jährige die Briefe unterschlagen hat, um daraus Wertgegenstände zu entnehmen – vor allem Geld.

Wut auf DHL und Post: Erst im Dezember verschwinden in Hessen zahlreiche Briefe

Es ist nicht der erste Fall dieser Art in Hessen und dem Kreis Groß-Gerau. Erst im Dezember gab es in Hessen große Wut auf DHL* - 2.000 bis 3.000 Briefe mit Geld sind damals einfach verschwunden. Zunächst hatte sich eine Frau aus Nauheim bei der Post beschwert*, weil ihr Einschreiben zwar den Empfänger erreichte, jedoch ohne die 80 Euro, die dem Brief beilagen. Zuständige Servicestellen bei der DHL Group hätten sich ahnungslos gestellt. Erst durch eigene Recherchen habe sie dann von dem viel größeren Ausmaß des Falles erfahren. (iwe) *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Einen echten Albtraum erlebte hingegen ein Post-Mitarbeiter aus Frankfurt, als er vor Dienstbeginn schnell noch eine Zigarette rauchen wollte. Die Deutsche Post führt derweil eine wichtige Änderung ein, die den Versand von Briefen und Postkarten verändern wird. 

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