Neues Verfahren

Schnellere Corona-Tests: Forscher aus Frankfurt erzielen Durchbruch

Wichtige Entdeckung im Kampf gegen das Coronavirus: Forscher aus Frankfurt haben ein neues, schnelleres Corona-Testverfahren entwickelt. Was es damit auf sich hat.

  • Forschern aus Frankfurt gelingt ein Durchbruch im Kampf gegen das Coronavirus
  • Ein neues Verfahren ermöglicht deutlich schnellere Tests
  • Neue Methode kann „globalen Kampf gegen Sars-Cov-2 auf neues Level heben“

Frankfurt - Forschern aus Frankfurt am Main ist im Kampf gegen das Coronavirus womöglich ein Durchbruch gelungen. Wissenschaftler des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes und des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt haben ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, in größerem Stil Menschen auf das Virus Sars-Cov-2 zu testen als bisher. 

Die Testkapazität zum Nachweis des Coronavirus könne damit „ab sofort dramatisch weltweit“ erhöht werden, heißt es in einer Mitteilung. Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff, bezeichnete das neue Analyseverfahren als „Meilenstein“.

Forscher aus Frankfurt entwickeln schnelleren Corona-Test

Der Clou der neuen Methode: Fünf Proben werden zu einem „Minipool“ zusammengeführt und gemeinsam mithilfe des sogenannten Polymerase-Kettenreaktionsverfahrens (PCR-Verfahren) getestet. Fällt das Ergebnis negativ aus, kann allen fünf Getesteten mitgeteilt werden, dass sie sich nicht mit dem Coronavirus infiziert haben. Schlägt der Test an, werden alle fünf Proben noch einmal einzeln untersucht. Dafür werden die Einzelproben vorab archiviert. Laut einer Mitteilung der Goethe-Universität soll es anschließend maximal vier Stunden dauern, um festzustellen, welche der fünf Proben die positive war.

Die Frankfurter Forscher haben die neue Methode entwickelt, weil sie im Corona-Testzentrum auf dem Gelände des DRK-Blutspendezentrums in Frankfurt an Kapazitätsgrenzen gestoßen waren. „Wir könnten theoretisch über 3000 Tests pro Tag durchführen“, erklärt Prof. Erhard Seifried, Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer beim DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg und Hessen, auf Anfrage. „Aber wir haben nicht genug Testkits.“ 

Mit dem neuen Corona-Test-Verfahren soll nun ein Testkit für fünf Schleimhaut-Abstrichproben reichen. „Das würde bedeuten, dass wir Massenuntersuchungen mit einem Fünftel des Aufwandes durchführen können“, betont Seifried. 

Frankfurter Forscher wollen Corona-Testverfahren erweitern

Bei einem Feldversuch hatte die Frankfurter Forschergruppe 50 Patientenproben untersucht, von denen fünf Sars-Cov-2 -positiv waren. Die 50 Proben wurden auf zehn Fünfer-Minipools aufgeteilt, in vier der Pools befanden sich positive Proben. Alle konnten mithilfe des neuen Analyseverfahrens aufgespürt werden.

 „Dass es mit fünf klappt, ist absolut gesichert“, betont Seifried, der das gleiche Verfahren schon im Jahr 1996 gemeinsam mit Kollegen angewandt hatte, um Blutspenden schneller auf eine HIV-Infektion zu überprüfen. So entstand auch die Idee, es nun beim Coronavirus ähnlich zu handhaben.  

Noch in dieser Woche wollen die Forscher aus Frankfurt weitere Versuche durchführen, diesmal mit Minipools, die aus zehn Proben bestehen. Seifried glaubt, dass man nicht unendlich viele Proben auf einen Schlag testen können wird: „Irgendwann wird eine Grenze erreicht sein.“ Doch er sei „optimistisch“, dass sich das neue Verfahren noch ausdehnen lässt. „Zehn wäre natürlich genial“, sagt Seifried.

Coronavirus: Dank Frankfurter Forschern bald große Gruppen testen?

Das in Frankfurt entwickelte Corona-Testverfahren könne vor allem dazu eingesetzt werden, systemrelevante Gruppen vorsorglich auf das Coronavirus zu testen, etwa Mitarbeiter eines Krankenhauses, Pflegekräfte oder die Bewohner eines Seniorenheims. Auch könne man damit Kontaktpersonen eines Infizierten großflächiger testen, so Seifried. Bei Menschen, die bereits starke Symptome zeigen und sehr wahrscheinlich an Covid-19 erkrankt sind, ergebe ein Pool-Test jedoch wenig Sinn, so Seifried. Die Proben solle man weiterhin einzeln oder in Zweiergruppen überprüfen. 

Trotzdem sind die Frankfurter Forscher überzeugt von ihrem neuen Verfahren. Die Erfindung wurde bereits in Europa und den USA zum Patent angemeldet, die Rechte teilen sich Goethe-Universität und DRK-Blutspendedienst. Die Forscher schätzen, dass sich durch die neue Methode die Zahl der Tests in ganz Deutschland von aktuell zirka 40.000 Untersuchungen pro Tag auf 200.000 bis 400.000 steigern lässt, ohne dass dabei die Qualität der Diagnostik sinke. „Mit der neuen Methode kann Deutschland den globalen Kampf gegen Sars-Cov-2 auf ein neues Level anheben“, ist Seifried überzeugt.

Die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) lobte das Projekt am Dienstag (31.03.2020) als „großartige Entdeckung, die optimistisch stimmt, in Zukunft viel mehr Menschen testen zu lassen – gerade diejenigen, die im Gesundheitswesen arbeiten, bei den Rettungsdiensten oder in der Nahrungsmittelindustrie“. Eins der wichtigen Ziele in der Corona-Pandemie sei es, die Testkapazitäten zu erhöhen. „Nur so können wir infizierte Menschen frühzeitig erkennen und isolieren – zum Schutz anderer“, so Dorn.

Von Manuel Schubert

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Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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