Miserable Zustände

Ärger um Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt: Bewohner kritisieren das Vorgehen der Stadt

In der Flüchtlingsunterkunft Bonames spitzt sich die Situation zu. Die Stadt Frankfurt hat zwischenzeitlich den Strom abgestellt, die Bewohner kritisieren das Vorgehen der Stadt.

  • In Frankfurt gibt es in einer Unterkunft für Geflüchtete in Bonames immer wieder Ärger.
  • Flüchtlinge protestieren gegen die miserablen Zustände dort, die sich durch die Corona-Pandemie weiter verschlechtert hatten.
  • Weil die Stadt den Bewohner den Strom abdrehte, hat sich die Situation an einem Abend zugespitzt.

Update vom Freitag, 17.07.2020, 09.34 Uhr: Im Streit über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames haben die geflüchteten Menschen einen Bericht verfasst, der die Entwicklung in der Unterkunft im Laufe der letzten Monate aus ihrer Sicht darstellt. In dem Bericht, der der „Frankfurter Rundschau“ voeborliegt, äußern die 330 Bewohner massive Kritik am Vorgehen der Stadt* und an der Diakonie als Betreiberin der Unterkunft.

Ärger in Flüchtlingsunterkunft in Bonames: Bewohner fordern „menschenwürdige Unterbringung“

In den vergangenen Wochen gab es immer Wieder Probleme und Streit um das Stromnetz und die elektronischen Geräte und Brandschutzbestimmungen in der Unterkunft. Das Vorgehen der Stadt hatte unter den Bewohnern große Unruhe ausgelöst. Immer wieder kam es zu Polizeieinsätzen. Derzeit gibt es wieder Strom, die Herde werden aber nicht freigegeben. Die Menschen werden aktuell über einen Caterer versorgt, während die Stadt mit Hochdruck daran arbeitet, das Stromnetz so auszubauen, sodass die Flüchtlinge wieder selbst kochen können.

Dem Bericht zufolge hätten die Probleme schon seit Anfang 2019 bestanden. Die Bewohner beklagen, sich mit ihren Beschwerden von Stadt und Diakonie nicht ernst genommen zu fühlen. Bei Gesprächen hätten Vertreter von Stadt und Diakonie sie mehr oder weniger aufgefordert, die Umstände vor Ort zu akzeptieren. Die Bewohner fordern beim zukünftigen Vorgehen von Stadt und Diakonie eine „menschenwürdige Unterbringung“ und vor allem Kooperation: „Sprecht mit uns, nicht über uns.“

Update vom Dienstag, 14.07.2020, 11.21 Uhr: Die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Bonames in Frankfurt klagen über die derzeitigen Zustände. Elektronische Geräte wurden aufgrund von Brandschutzbestimmungen aus den Wohnungen entfernt. Dabei wurde ihnen vorübergehend der Strom abgestellt.

Jetzt gibt es für 330 Bewohnerinnen und Bewohner nur noch drei Herdplatten. Generell seien die Zustände in der Unterkunft in Bonames momentan schlecht*, berichtet fr.de. Es gebe kein warmes Wasser und Teile der Flüchtlingsunterkunft seien völlig verdreckt, erzählen die Geflüchteten.

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames: Zustände werden immer schlechter

Update vom Sonntag, 12.07.2020, 14.03 Uhr: In der Flüchtlingsunterkunft Bonames in Frankfurt ist es am Freitagabend (10.07.2020) beinahe zur Eskalation gekommen. Dies geht aus mehreren Medienberichten hervor. Demnach seien die Bewohner aufgebracht gewesen, da die Stadt Frankfurt die Elektrogeräte aus den Wohnungen entfernen wollte. Zuvor sei es mehrfach zu Kabelbränden gekommen, sagte ein Sprecher des Sozialdezernats gegenüber der „Hessenschau“. Schuld für die Brände seien insbesondere die großen Stromfresser wie Mikrowellen und Küchenherde.

Geflüchtete in Frankfurt-Bonames: „Die Leute sind wütend“

Weil zunächst nur ein kleiner Teil der Bewohner auf die Anordnung der Stadt eingehen wollte, habe die Stadt am frühen Freitagabend (10.07.2020) den Strom in der Unterkunft in Frankfurt-Bonames abgestellt. Daraufhin habe sich die Situation aufgeheizt. „Die Leute sind wütend, weil sie ihre selbstgekauften Sachen abgeben müssen und weil viele umziehen sollen“, sagt die Freundin einer Bewohnerin der „FAZ“.

Am frühen Abend drohte die Eskalation, berichtet die „Hessenschau“. Bewohner hätten wutentbrannt nach Strom geschrien. Die Polizei sei mit dutzenden Mannschaftswagen an der Flüchtlingsunterkunft Bonames gewesen, die Beamten mussten jedoch nicht eingreifen. Erst später am Abend sei die Situation ruhiger geworden, gegen 23 Uhr habe die Stadt den Strom wieder eingeschaltet. Dem Bericht nach soll die Stadt Frankfurt nun für gemeinschaftliche Kochmöglichkeiten sorgen.

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames: Diakonie rechtfertigt hartes Vorgehen gegen zwei Familien

+++ 16.41 Uhr: Die Diakonie hat sich am Freitagnachmittag (03.07.2020) für das harte Vorgehen gegen zwei Familien aus der Flüchtlingsunterkunft Bonames auf dem Alten Flugplatz in Frankfurt gerechtfertigt. Man habe abwägen müssen, sagte der Frankfurter Diakonie-Chef Michael Frase. Dem respektvollen Umgang mit den beiden Familien habe eine reale Brandgefahr gegenüber gestanden. Die beiden Familien, die am Donnerstagmorgen (02.07.2020) gegen ihren Willen und teils ohne Vorankündigung aus der Unterkunft geworfen worden waren, hätten sich geweigert, Herde und Kochplatten abzugeben, die das schwache Stromnetz überlasteten. „Höchste Priorität ist es gewesen, die bestehende Brandgefahr abzuwenden“, sagte Frase. Letztlich habe aber die Stadt Frankfurt veranlassen müssen, dass die Familien mithilfe der Landes- und Stadtpolizei aus der Unterkunft gebracht wurden.

Im Jahr 2016 hatte die Stadt Frankfurt die Unterkunft in Bonames für 333 Personen in der Not bauen lassen. 175 Geflüchtete seien damals täglich nach Frankfurt gekommen, die die Stadt unterbringen musste, wie Katrin Wenzel von der Frankfurter Stabsstelle Flüchtlingsmanagement sagt. Genehmigt war das Flüchtlingsheim auf dem Alten Flugplatz zunächst bis 2018, wurde dann aber bis Ende 2021 verlängert. 23 Familien sind in der Unterkunft seit 2016 untergebracht. Eine „viel zu lange Verweildauer für eine temporäre Lösung“, wie Frase sagte. Zu befürchten ist, dass die Stadt gezwungen werden könnte, die Einrichtung noch länger unterhalten zu müssen, wenn bis Ende nächsten Jahres keine Alternativen gefunden oder geschaffen wurden. „Jetzt müssen Grundstücke freigegeben werden, damit wir nicht in eine weitere Verlängerung laufen“, sagte Frase. „Wir wollen, dass hier schnell etwas passiert.“ Mit einer weiteren Verlängerung plane die Diakonie jedenfalls nicht.

Unterkunft für Flüchtlinge in Frankfurt-Bonames: Leiter nach Krätze-Fällen nicht abgezogen

Warum die Diakonie so spät reagiert hat, während sich die Lage in dem Flüchtlingsheim über Monate immer weiter zuspitzte, konnte Frase nicht beantworten. „Wir sind noch nicht an dem Punkt, um mit dem Team schauen zu können, was schiefgelaufen ist.“ Auch die neue Leiterin der Einrichtung, Nazanin Pohlschmidt, meinte, dass die Diakonie-Mitarbeitenden in den vergangenen Wochen noch nicht die Zeit gefunden hätten, eigene Fehler aufzuarbeiten.

Michael Frase räumte zudem ein, dass die Diakonie den ehemaligen Einrichtungsleiter nicht umgehend von der Leitungsposition abgezogen hätte, nachdem dies die Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) gefordert hatte. Als vor zwei Wochen das Gesundheitsamt mindestens 45 Krätze-Fälle in der Unterkunft festgestellt hatte, forderte Birkenfeld „personelle Konsequenzen“. Die Diakonie hatte daraufhin mitgeteilt, dass der Leiter von seiner Position abgezogen wurde und Sabine Kalinock, die Leiterin des Bereichs Flucht und Integration bei der Diakonie, die Leitungsarbeit übernommen habe. Bewohner hatten danach berichtet, dass der Leiter noch immer in der Einrichtung tätig war. „Wir mussten ja noch eine Übergabe machen“, erklärte Kalinock.

Die Unterkunft für Flüchtlinge der Diakonie in Frankfurt-Bonames.

Nur eine Familie vor Polizeieinsatz in Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames informiert

Update vom Freitag, 03.07.2020, 10.33 Uhr: Nur eine Familie in der Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames ist vor dem Polizeieinsatz am Donnerstag (02.07.2020) darüber informiert worden, dass sie die Unterkunft verlassen muss. Am Freitag (28.06.2020) hatte die Diakonie die Familie mit zwei Kindern darüber in Kenntnis gesetzt, sagt Manuela Skotnik, Sprecherin des Frankfurter Sozialdezernats. Die andere Familie, eine alleinerziehende Mutter und ihre Tochter, wurden gegen 6 Uhr morgens vollkommen überrascht.

Die 14-jährige Tochter berichtete, dass sie erst Männer in der Wohnung gehört habe und wieder ins Bett gegangen sei. Plötzlich seien Polizisten in ihr Zimmer gekommen und hätten sie aus der Wohnung geschmissen. „Ich hatte nicht mal Zeit, mir etwas anzuziehen. Ich stehe noch im Schlafanzug auf der Straße“, erzählte sie am Donnerstagmorgen im Telefonat mit der FNP. Sie habe sich entscheiden müssen, ob sie von ihrem Vater abgeholt werden wolle oder dem Jugendamt übergeben werde. Während des Telefonats gegen 8 Uhr räumte bereits eine von der Stadt beauftragte Umzugsfirma die Wohnung aus. Warum und was mit ihren Sachen geschehen wird, war der 14-Jährigen nicht klar.

Polizeieinsatz in Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames: Hartes Vorgehen der Stadt

Das heißt, Stadt Frankfurt und Diakonie planten einen Polizeieinsatz mit Landes- und Stadtpolizei und beauftragten eine Umzugsfirma, um die Habseligkeiten der Familie in eine andere Unterkunft zu bringen, ohne die Familie darüber zu informieren. Das harte Vorgehen rechtfertigt die Sprecherin des Sozialdezernats damit, dass die alleinerziehende Mutter sonst innerhalb der Unterkunft einen Protest organisiert hätte. „Dann hätte die Polizei die halbe Bewohnerschaft davontragen müssen.“ Während der Proteste der Bewohner hatte sich die Mutter zu einer Art Sprecherin für die Anliegen der Geflüchteten entwickelt.

Laut Skotnik habe die Diakonie den beiden Familien gekündigt, weil sie sich wiederholt geweigert hätten, ihre Kochmöglichkeiten abzugeben. Die Stadt habe daraufhin die Familien anderen Unterkünften zugewiesen. „Eine Unterkunft ist besser, die andere schlechter. Mit Gemeinschaftsküchen und -Waschräumen“, sagt Skotnik. Da die Flüchtlingsunterkunft Bonames in einem Landschaftsschutzgebiet gebaut wurde, gibt es nur eine unzureichende Stromversorgung. Teils achtköpfigen Familien stehen zum Kochen nur zwei Herdplatten zur Verfügung. Darum hatten sich viele Familien zusätzliche Herde angeschafft. Werden zu viele elektrische Geräte gleichzeitig genutzt, besteht Brandgefahr. In der Vergangenheit habe es laut Diakonie schon mindestens zwei Kabelbrände gegeben.

Flüchtlingsunterkunft Frankfurt-Bonames

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames: Familien werden unfreiwillig umquartiert

Update vom Freitag, 03.07.2020, 06.45 Uhr: Die Lage in der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Bonames bleibt angespannt. Am Donnerstagmorgen (02.07.2020) gab es einen größeren Polizeieinsatz. Die Beamten unterstützten eine Maßnahme der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement, die zwei Familien gegen deren Willen umquartierte. Die Familien seien nicht freiwillig ausgezogen, räumte eine Sprecherin des zuständigen Sozialdezernats ein.

In der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz gibt es seit Monaten Querelen. Die Einrichtung in Frankfurt-Bonames ist technisch nicht für die derzeit 333 Bewohner ausgelegt. Unter anderem gibt es Probleme mit der Stromversorgung in dem Naturschutzgebiet an der Nidda. Nachdem mehrere Familien dort einen Herd genutzt hatten, war es zweimal zu Kabelbränden gekommen. Aus Sicherheitsgründen untersagte die Stadt daraufhin bis auf weiteres die Nutzung von Herden mit Öfen.

Zwei Familien hätten sich an diese Vorgaben nicht gehalten, hieß es aus dem Sozialdezernat. Daraufhin waren gestern gegen 6 Uhr Mitarbeiter der Stabsstelle, der Stadtpolizei und der Landespolizei in der Unterkunft aufgetaucht, hatten eine vierköpfige Familie und eine alleinerziehende Mutter mit Kind abgeholt. Sie seien in anderen Einrichtungen untergebracht worden. Die Stadt hofft, die Probleme mit der Elektrizität in drei Monaten in den Griff zu bekommen. Dann sollen in allen Wohneinheiten Sicherungen verbaut sein, die zumindest die Brandgefahr minimieren, wenn Bewohner einen Herd nutzen.

Mindestens 45 Flüchtlinge an Krätze erkrankt – Jetzt zieht die Diakonie Konsequenzen

Update vom Freitag, 19.06.2020, 11.11 Uhr: Nach den Protesten in der Flüchtlingsunterkunft Alter Flugplatz in Frankfurt schaltete das Sozialdezernat das Gesundheitsamt ein. Bei Kontrollen wurden mindestens 45 Erkrankungen mit der ansteckenden Hautkrankheit Krätze festgestellt. Bei drei weiteren Familien besteht der Verdacht einer Infektion. 

Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) forderte darauf hin „personelle Konsequenzen“ vom Diakonischen Werk, das die Flüchtlingsunterkunft betreibt. Die Diakonie reagierte umgehend und kündigte an, ab Juli eine neue Leitung einzusetzen.      

Frankfurt-Bonames: Unterkunft für Geflüchtete – Krankheiten und Kakerlaken 

Erstmeldung vom Dienstag, 16.06.2020, 10.00 Uhr: Frankfurt – Für viele Bewohner der Flüchtlingsunterkunft auf dem Alten Flugplatz beginnt die Aussprache mit der Stadt Frankfurt am Montagmorgen (15.06.2020) mit einer Enttäuschung. Über hundert Bewohner sitzen im Innenhof auf Stuhlreihen, um über die Zustände zu sprechen, für die sich ihrer Auffassung nach monatelang niemand interessierte. Von Krankheiten wollen sie erzählen, fehlendem warmen Wasser, beengten Wohnverhältnissen und respektlosen Mitarbeitern des Diakonischen Werks. Kaum einer wird sprechen können.

Frankfurt: In der Flüchtlingsunterkunft Bonames leben 333 Menschen

Das Gespräch mit Vertretern der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement, der Diakonie und der Stadt wird in das Restaurant nebenan verlegt und im kleinen Kreis mit fünf Bewohnern geführt. 333 Menschen wohnen in der einstigen Vorzeigeunterkunft, 189 davon sind Kinder.

„Man kann mit 300 Personen nicht gleichzeitig sprechen“, wird Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) nach dem Gespräch erklären. „Zumindest ,Guten Tag‘ hätten sie sagen können“, meint Omid Yousefi durch den Zaun der Unterkunft. Um ihn bildet sich eine Menschentraube. Und die Bewohner erzählen.

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt: Krankheiten und Kakerlaken

Der 19 Jahre alte Ahmad Agdah sagt, dass er sich mit seinen drei Geschwistern ein Schlafzimmer teilen muss. 17, 15 und 8 Jahre alt seien sie. In Zwei-Zimmer-Wohnungen leben die Familien, teils seit vier Jahren. Viele Familien bestehen aus sieben oder acht Personen. In einige Wohnmodule regnet es rein. Eine Frau zeigt auf ihrem Handy ein Foto von einer Kakerlake. Die gebe es hier überall. Eine andere hält ihren Säugling auf dem Arm und legt dessen Brust frei. Rote Pusteln überziehen den Oberkörper. Ausschlag hätten viele, berichten mehrere Bewohner.

In der Unterkunft für Geflüchtete Bonames in Frankfurt leiden mehrere Bewohner an Ausschlag und anderen Krankheiten

Krätze verbreitet sich mindestens seit Oktober 2019 in der Flüchtlingsunterkunft. Das zeigt das Protokoll einer Arztvisite, bei der ein sieben Monate altes Kind untersucht wurde. Wie viele heute unter der ansteckenden Hautkrankheit leiden, wird am Zaun nicht klar. Eine schätzt, es seien sieben Personen, ein anderer meint, es seien fünf Familien mit jeweils sieben oder acht Personen betroffen.

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt: Es ist zu laut zum Schlafen und Lernen

Viele berichten von Schlafproblemen. „Wenn meine kleine Tochter schreit, können die anderen Kinder nicht schlafen“, sagt Zadran Ahmadsaha. „Aber sie müssen in die Schule.“ Die 14-jährige Lavin erzählt: „Während Corona mussten wir Zuhause lernen.“ In der Unterkunft gebe es aber kaum Internet. Dafür müsse sie nach Kalbach fahren. Und: „Wenn ich hier lernen möchte, ist es einfach zu laut.“

Entzündet hatte sich der Protest der Bewohner an Heizplatten. Die Unterkunft wurde in den Grüngürtel gebaut. Die Stromversorgung reicht nicht aus, wenn zu viele Bewohner Heizplatten oder andere technische Geräte anschließen. Das könnte einen Brand auslösen. Darum sollen die Heizplatten raus. Aber ohne könne man für keine achtköpfige Familie kochen, sagt Soma Raschid. „Und unsere Kinder wollen essen.“ Die 34-Jahre alte Mutter von vier Kindern ist eine der Sprecherinnen für die Bewohner bei dem Gespräch im Restaurant. Nach der Diskussion sieht sie keinerlei Fortschritte. „Alle waren wütend darüber, wie das Gespräch ausgegangen ist.“

Soma Rashid aus der Unterkunft für Geflüchtete Bonames in Frankfurt macht sich Sorgen, was es für die Kinder bedeutet, die unter den schwierigen Bedingungen eines Flüchtlingsheims aufwachsen.

Frankfurt: Geflüchtete könnten Unterkunft wechseln

Manuela Skotnik, die Sprecherin der Sozialdezernentin, empfand das Gespräch produktiver. An der Lösung einiger Probleme arbeite die Stadt bereits. Die Dächer der Module sollen repariert werden. Damit sei der Hersteller bereits beauftragt worden. Geprüft werden soll zudem, wie sich die Stromleistung und das WLAN verbessern ließe. Den Bewohnern werde auch angeboten, die Einrichtung zu wechseln. „Allerdings haben alle Unterkünfte ihre Vor- und Nachteile“, sagt Skotnik.

Nächsten Montag wolle die Stadt und die Diakonie das Gespräch fortführen. Man wolle so die aufgeheizte Stimmung zwischen Bewohnern und Mitarbeitern der Diakonie beruhigen.

Frankfurt: Es gab Mord- und Gewaltandrohungen

Es habe Mord- und Gewaltandrohungen seitens der Bewohner gegeben, sagt Skotnik. Am Zaun klagen Bewohner dagegen über den respektlosen Umgang einiger Mitarbeiter. „Sie lachen uns aus“, sagt einer, „Sie sagen uns, wir sollen zurück in unsere Heimat gehen“, erzählt Ahmadsaha. „Und wir haben keine Privatsphäre“, ruft die 17-jährige Mahasa. Regelmäßig würden Mitarbeiter die Wohnungen kontrollieren.

Vorwürfen gegen Mitarbeiter in Frankfurt wird nachgegangen

„Dazu sind wir verpflichtet“, erklärt Sabine Kalinock, Leiterin des Arbeitsbereichs Flucht und Integration bei der Diakonie. Bei den Kontrollen werde sichergestellt, dass Rauchmelder oder die Elektrik noch funktioniere. Den Vorwürfen gegen die Mitarbeiter werde die Diakonie nachgehen.

Langfristig sieht Kalinock einen Lösungsansatz darin, größere Familien in Einrichtungen zu verlegen mit mehr Platz. Nur wollen die Familien nach Jahren in einer Flüchtlingsunterkunft nicht in die nächste verlegt werden. Sie wollen eine eigene Wohnung. Das sagen viele am Zaun. „Aber eine Vier-Zimmer-Wohnung in Frankfurt zu finden“, erläutert Kalinock, „ist nahezu unmöglich.“ (red)

In Oberrad gibt es eine neue Unterkunft für Geflüchtete* mit 26 Wohnungen. *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © ftv-Hamerski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.