Kommunalwahl

CDU will Flughafen Frankfurt umbenennen: Idee erntet Häme und Spott – selbst Jan Böhmermann äußert sich

Im Gegensatz zu vielen anderen Drehkreuzen auf der Welt trägt der Flughafen Frankfurt noch keinen Namen. Das will die CDU jetzt ändern.
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Nicht zum ersten Mal kommt in Frankfurt die Forderung auf, den Flughafen nach dem „Kanzler der Einheit“ zu benennen. Jetzt erscheint der Vorschlag im Wahlprogramm der CDU.

Der Flughafen Frankfurt trägt im Gegensatz zu vielen anderen Drehkreuzen auf der Welt noch keinen Namen. Das will die CDU jetzt ändern. Der Vorschlag erntet Häme.

  • Wird aus dem Flughafen Frankfurt* bald der „Helmut-Kohl-Flughafen“?
  • Das fordert die CDU Frankfurt in ihrem Wahlprogramm zur Kommunalwahl in Hessen* am 14. März.
  • Der Vorschlag wird nicht zum ersten Mal kontrovers diskutiert.

+++ 12.55 Uhr: Das Netz diskutiert über einen Vorschlag der CDU Frankfurt. Kurz vor der Kommunalwahl fordert der Kreisverband, dass der Flughafen Frankfurt in Würdigung von Altkanzler Helmut Kohl umbenannt werden soll – doch das stößt auf viel Spott und Kritik. Im Zuge der Diskussion geht auf Twitter nun zusätzlich eine angebliche Internetseite der Frankfurt-CDU viral*. Eine Website mit knallrotem CDU-Logo, orangem Hintergrund und einem Bild der Skyline taucht auf – inklusive „Parteiprogramm“ zu hohen Mieten und Brandstiftung. 

Wer die falsche Internetseite veröffentlicht hat, ist noch unklar. Eine Sprecherin der CDU in Frankfurt bestätigte allerdings auf Nachfrage, dass die Forderung nach einer Umbenennung des Frankfurter Flughafens keine Fälschung und ernst gemeint sei. Im Wahlprogramm der Partei zur Kommunalwahl am 14. März heißt es „Wir setzen uns dafür ein, einen repräsentativen Ort in Frankfurt nach Helmut Kohl zu benennen.“ 

CDU will Flughafen Frankfurt umbenennen: Vorschlag erntet Spott

Update von Mittwoch, 03.03.2021, 11.00 Uhr: Der Vorschlag der CDU, den Flughafen Frankfurt nach Helmut Kohl zu benennen, stößt wieder auf Kritik und Spott im Internet. Der Frankfurter Kreisverband der CDU hatte den Wunsch, den Altkanzler durch die Namensgebung eines bedeutenden Ortes in der Stadt zu würdigen, in ihr Wahlprogramm zur Kommunalwahl in Hessen aufgenommen.

Der Frankfurter Journalist und Redakteur der „Frankfurter Rundschau“, Hanning Voigts, twitterte daraufhin: „Heute gelernt: Die @cdu_frankfurt fordert in ihrem Programm zur Kommunalwahl am 14. März, den Frankfurter Flughafen nach Helmut Kohl zu benennen.“ Reaktionen auf Twitter ließen nicht lange auf sich warten. Zahlreiche Nutzer kommentierten den Beitrag oder teilten ihn als sogenannten „Quote Tweet“. Einige verteidigen den Vorschlag und Helmut Kohls Bezug zu Frankfurt, doch Spott und Ablehnung überwiegen. Viele User machen eigene Vorschläge. Ein Nutzer schreibt zum Beispiel: „Bevor uns gar nix einfällt, würde ich Goethe vorschlagen. Aber eigentlich wär‘ mal ‘ne Frau am dransten. Vorschläge willkommen!“

Viele machen, wie die SPD Frankfurt im vergangenen Jahr, auch auf die Schwarze-Kassen-Affäre um den Altkanzler aufmerksam. Ein Nutzer schreibt: „Als Adresse dann die ‚Schwarzgeldallee 1‘? Die große Mehrheit der Frankfurter Bürger wird Amok laufen gegen jeden, der den korrupten pfälzischen Bimbeskanzler als Namenspatron ihres Flughafens vorschlagen will!“ Und auch der fehlende Bezug zur Mainmetropole wird immer wieder kritisiert. „Helmut muss nur warten bis Ludwigshafen einen internationalen Flughafen bekommt. [...] Bin mir sicher, dass die CDU in Ludwigshafen das schon in ihrem Programm hat.“

Frankfurt-CDU will Flughafen umbenennen: Satiriker Böhmermann reagiert

Die PARTEI Frankfurt schreibt spöttisch: „Das haben wir im Römer aber als erste gefordert. Gerade der Fraport sollte nach einem Verbrecher benannt werden“, worauf wieder zahlreiche Vorschläge gemacht werden. „VW-Airport Frankfurt“, „DFB-Airport“ oder „AWO-Airport“, heißt es unter dem Posting der Satirepartei. Und auch der Moderator und Satiriker Jan Böhmermann lässt den Tweet zum Wunsch der CDU, den Flughafen Frankfurt umzubenennen, nicht unkommentiert. Er schreibt: „Doktor-Helmut-Kohl-Flughafen bitteschön!“ und spielt damit wohl auf ein bekanntes Interview mit dem Kanzler an, in dem er zu einem Journalisten sagte „Für Sie bin ich nicht der Herr Kohl“ und auf den Doktor bestand. „Ich möchte keine Intimität mit Ihnen“, zitiert ein Twitter-Nutzer das Interview daraufhin weiter.

Satiriker Jan Böhmermann reagiert auf Twitter auf den Vorschlag der CDU, den Flughafen Frankfurt nach Helmut-Kohl zu benennen. (Screenshot)

Insgesamt klingt bei vielen Kommentare zur Umbenennung des Frankfurter Flughafens nach Helmut Kohl vor allem Ironie und Spott mit. Einige Nutzer wollen die Debatte nach Rheinland-Pfalz verlegen und spielen auf den Flughafen Frankfurt-Hahn an. Nur die CDU Frankfurt hat sich in den sozialen Netzwerken noch nicht an der Diskussion beteiligt. Es scheint als würde sich der Vorschlag wieder im Sande verlaufen.

CDU will Flughafen Frankfurt umbenennen: Vorschlag stieß schon öfter auf Kritik

Erstmeldung von Dienstag, 02.03.2021: Frankfurt ‒ Seit dem Tod von Helmut Kohl 2017 werden immer wieder Forderungen laut, wichtige Gebäude oder Straßen nach dem Altkanzler zu benennen. Zur Kommunalwahl in Hessen* am 14. März 2021 bringt die Frankfurter CDU diesen Wunsch wieder auf den Plan: In ihrem Wahlprogramm fordert die Union - den Flughafen Frankfurt - oder einen anderen „repräsentativen Ort in Frankfurt“ - nach Kohl zu benennen.

Im Kommunalwahlprogramm der Union in Frankfurt heißt es konkret: „Wir setzen uns dafür ein, einen repräsentativen Ort in Frankfurt nach Helmut Kohl zu benennen.“ Die Partei begründet den Vorschlag damit, dass der Politiker in seinen 16 Jahren als Bundeskanzler nicht nur die Deutsche Einheit erreicht, sondern auch stets eine europäische Gemeinschaft gefördert hat. „Aufgrund seiner vielfältigen Verdienste ist eine entsprechende Würdigung mehr als angemessen“, heißt es weiter. Außerdem wäre die EZB ohne Kohl nie nach Frankfurt* gekommen, er habe von 1950 bis 51/52 in Frankfurt studiert und er sei Ehrenbürger.

CDU will den „Helmut-Kohl-Flughafen“ - Nur Frankfurt ist noch ohne Name

Der Frankfurter Flughafen habe als eines von wenigen internationalen Drehkreuzen noch keinen Namen - die Gelegenheit wäre vorzüglich. Schließlich hat München den Franz-Josef-Strauß-Flughafen, Berlin mittlerweile den Willy-Brandt-Airport, der Flughafen in Hamburg heißt nach Helmut Schmidt und in Köln/Bonn wurde der Flughafen nach Konrad Adenauer benannt - nur in Frankfurt ist es eben „nur“ der Frankfurt Airport.

Das wollte man in den Reihen der CDU schon längst geändert haben. Daher forderten schon im Sommer 2017 die damaligen Landesvorsitzenden der Jungen Union aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg die Umbenennung des Frankfurter Flughafens nach Altkanzler Helmut Kohl. Die Begründungen der Jungen Union für die Forderung nach einem „Helmut-Kohl-Flughafen“* war damals die gleiche wie heute im Wahlprogramm der CDU Frankfurt. Doch es gab viele Zweifel und der Vorschlag verlief im Sande.

Gegenwind zum Vorstoß der CDU: Schwarze Kassen und fehlender Frankfurt-Bezug

Doch bei dem einen Versuch sollte es nicht bleiben. Der nächste Anlass: Am 3. April 2020 wäre Helmut Kohl 90 Jahre alt geworden. Die Junge Union macht im vergangenen Jahr also noch einmal den Vorschlag, dem Altkanzler zumindest drei Jahre nach seinem Tod ein würdiges Andenken zu schaffen. Deutschland, Europa, aber auch Frankfurt hätten dem CDU-Politiker schließlich viel zu verdanken. Doch wie schon 2017 stößt der Vorschlag auch 2020 auf Ablehnung, besonders bei der SPD

Die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) erinnerte insbesondere an die Schwarze-Kassen-Affäre. Der Skandal um die schwarzen Kassen des früheren Kanzlers habe die CDU bis in ihre Grundfesten erschüttert*. Doch nicht nur innerhalb der Stadtpolitik, auch in den Medien und den sozialen Netzwerken wurde der Vorschlag kontrovers diskutiert. Kritiker machten auch darauf aufmerksam, dass die Namensgebung der anderen deutschen Flughäfen irgendwie deutlich besser passe. Die Politiker hätten nämlich einen tatsächlichen Bezug zu den jeweiligen Städten. Helmut Kohl hat in Frankfurt weitaus weniger gewirkt als beispielsweise in Rheinland-Pfalz, in Bonn oder Berlin. (iwe) *fnp.de und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA. 

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