Gastronomie

Sag zum Abschied leise Servus: Kult-Gaststätte „Mutter Ernst“ schließt fast unbemerkt

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Trauriges Ende einer Kult-Gaststätte. „Mutter Ernst“ in Frankfurt schließt nach über 80 Jahren.

Die Frankfurter Kult-Gaststätte „Mutter Ernst“ schließt nach über 80 Jahren fast unbemerkt. Inhaber Stephan Ullrich plant jedoch eine Neueröffnung - dann hoffentlich stimmungsvoller als der Abschied.

  • Die Gaststätte „Mutter Ernst“ in Frankfurt schließt.
  • Das rauschende Abschiedsfest konnte nicht wie geplant stattfinden.
  • Es besteht Hoffnung auf einen stimmungsvollen Neuanfang an einem anderen Standort.

Frankfurt – Zum Abschied war ein rauschendes Fest geplant. Als ein Stammgast im vergangenen Herbst erfuhr, dass die Gaststätte „Mutter Ernst“ in der Frankfurter Innenstadt zum 31. März 2020 würde schließen müssen, kündigte er an: „Wir kommen mit 100 Leuten.“ Doch daraus wurde nichts. Fast unbemerkt hat die „Speisegaststätte“ mit der traditionellen deutschen Küche wegen der Pandemie schon am Freitag vor einer Woche schließen müssen.

Gaststätte „Mutter Ernst“ in Frankfurt: Leiser Feierabend nach über 80 Jahren

Jahrzehntelang gab es, nur einen Steinwurf von der elitären Goethestraße entfernt, bei „Mutter Ernst“ gute deutsche Hausmannskost und seriös gezapftes Pils und Export vom Fass. Die Frikadellen und der Kartoffelsalat waren bei vielen Stammgästen Kult. Der Metzgermeister Richard Ernst hatte die Gaststätte 1938 genau dort eröffnet und seitdem viele Frankfurter und Auswärtige begeistert. Drafi Deutscher war da, Eintracht-Ikone Bernd Hölzenbein seit vielen Jahren Stammgast.

Stephan Ullrich hat fast die Hälfte der gut 80-jährigen Geschichte der Kneipe aktiv miterlebt. Zunächst als jugendliche Aushilfe, ab dem Jahr 2000 dann als Inhaber, nachdem er die Kneipe von seiner Stiefmutter Marita übernommen hatte. Jetzt hat er die Kneipe ausgeräumt. „So still und leise Feierabend zu machen – es ist eine Katastrophe“, sagt der 56-Jährige. Auf der Facebook-Seite der Gaststätte haben viele Gäste Abschied genommen. „Das war wunderbar, traurig, angenehm“, sagt Ullrich und versucht, der vorzeitigen Schließung etwas Gutes abzugewinnen: „Es ist nicht so tränenreich geworden, wie ich dachte.“

Gaststätte „Mutter Ernst“ in Frankfurt war bis zuletzt gut besucht

Durch die Anordnungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus „habe ich noch anderthalb Wochen geklaut bekommen“, sagt Ullrich, weiß aber auch, dass es andere Gastronomen derzeit viel schlimmer trifft: „Ich wusste ja, dass es jetzt sowieso vorbei ist.“ Doch auch für Gastronom Ullrich wird es jetzt nicht leicht. Eigentlich hatte er die Kultgaststätte an anderer Stelle in der Stadt nahtlos fortführen wollen*. Doch da hatte er die Arbeit in der bestehenden Kneipe unterschätzt.

Die dunkel getäfelte Gaststube brachte in den Wintermonaten ohnehin immer das beste Geschäft. Mit dem drohenden Abschied vor Augen war seit vergangenem Herbst noch mal mehr los als ohnehin. An sechs Tagen in der Woche packte Chef Ullrich mindestens halbtags selbst in der Kneipe mit an. Sich nach einem alternativen Standort umzuschauen, dazu hatte er gar keine Zeit.

Nach der Schließung von „Mutter Ernst“: Hoffnung auf eine stimmungsvolle Neueröffnung in Frankfurt

Jetzt hätte Ullrich die Zeit, sich andere Objekte anzuschauen, aber: „Es hat ja alles zu im Moment.“ Im April wolle er sich zwei Objekte anschauen, aber ob das passen könnte, weiß er noch nicht. Weitergehen soll es aber auf alle Fälle mit „Mutter Ernst“, wenn auch mit ein paar Wochen oder Monaten Unterbrechung. „Ich bin da sehr hoffnungsvoll, ich bin immer optimistisch“, sagt Ullrich. Die Neueröffnung an noch unbekanntem Ort wäre dann sicherlich auch stimmungsvoller als der Abschied in der Alten Rothofstraße.

Von Oliver Teutsch

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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