Wie der Turm geschützt werden soll

Frankfurt bekommt Goetheturm zurück: So läuft die Konstruktion gerade

Einige der etwa 13 Meter langen Stützpfosten aus geleimter Edelkastanie: Jeweils drei solcher Module werden aufeinander montiert.
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Einige der etwa 13 Meter langen Stützpfosten aus geleimter Edelkastanie: Jeweils drei solcher Module werden aufeinander montiert.

Im Südschwarzwald zimmern Holzbauexperten die Teile für den Wiederaufbau des Frankfurter Wahrzeichens zusammen. Bald wird Frankfurt seinen Goetheturm zurück haben.

  • Im Oktober 2017 brannte der Goetheturm in Frankfurt ab
  • Jetzt steht der Goetheturm vor einem Neubau
  • Der Termin der Bauarbeiten in Frankfurt steht jetzt fest

Frankfurt - Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne... Hesse bemühen, obwohl es um den Goetheturm geht? Es sei gestattet, schrieb Hesse doch einst: "Aber mein großer Dichter war Goethe". Viele Frankfurter, vor allem die älteren, sehnen den Wiederauf-, nein, Neubau des von einem ruchlosen (und noch immer nicht gefassten) Brandstifter am 12. Oktober 2017 gemeuchelten Goetheturms am Spielpark im Stadtwald herbei.

Am 6. Juli geht's los. Die FNP durfte im Südschwarzwald bei der preisgekrönten, international renommierten Firma Holzbau Amann den Turm vorab beschauen. Respektive seine vormontierten Einzelteile. Soviel sei verraten: Der Neue wird schön. 

Goetheturm in Frankfurt: Bald beginnt Neubau

Tobias Döbele, Holzbau-Ingenieur und Betriebsleiter, kennt die emotionale Bindung vieler Frankfurter zu ihrem Wahrzeichen nicht. Seine Liebe gehört dem Holz. In einer der zwei gewaltigen Hallen senkt sich kreischend ein mächtiger Bohrer der fast drei Meter hohen CNC-Lignamatic-Fünfachsanlage (eine Sonderanfertigung) in den zuvor per Computer eingezogenen Balken.

Goetheturm in Frankfurt: Edelkastanienholz stammt aus Spanien

Das Monstrum läuft für den Turm-Auftrag derzeit unter Volllast, also im Dreischichtbetrieb, erklärt der Zimmermann und CNC-Programmierer Klaus Tröndle. Und streicht zärtlich über ein furchterregend großes Sägeblatt. Baudezernent Jan Schneider (CDU), zwei Stadtverordnete und ein Fraktionsreferent sind fasziniert. Sigrid Eichler, Diplom-Ingenieurin und kommissarische Fachbereichsleiterin des Amtes für Bau und Immobilien (ABI), sowie der Goetheturm-Projektleiter, Architekt Volker Braun, zücken ihre Smartphones und knipsen.

Das Holz, Edelkastanie, stammt aus Nordspanien. Es wurde fristgerecht geliefert, Corona störte die Logistik goetheseidank nur kurz. Eine Firma bei Böblingen blockverleimte es, "so verzieht es sich nicht", sagt Döbele, "auf 30 Meter maximal vier Millimeter".  

Über diese Treppen werden sie aufsteigen, die Besucher. Baustadtrat Jan Schneider (CDU) "testet" die Eichen-Stufen samt Geländer aus Edelstahl in der Holzbau-Firma im Schwarzwald. 

Goetheturm in Frankfurt: Turm wird "etwas grauer" werden

Bis auf weniges Stirnholz (so heißen die quer zur Längsachse, also Faserrichtung geschnittenen Flächen) ist alles Holz unbehandelt. Edelkastanie ist fast so schwer wie Eiche, wiegt rund 600 Kilogramm pro Kubikmeter, hat aber weniger Gerbsäure und ist so haltbarer. "Etwas grauer wird der Turm im Lauf der Jahre werden", sagt Döbele. "Holz ist nun einmal ein natürlicher Baustoff."

Weiter geht's zu den mächtigen Rundstützen, glatt geschmirgelt und edel schimmernd. Jede ist rund 13 Meter hoch, leicht konisch verlaufend und achszentriert. Jeweils vier von ihnen bilden einen der vier mächtigen Außenpfosten. Dafür wurden eigens Versuche der Materialprüfungsanstalt (MPA) der Universität Stuttgart gemacht, denn für solche Bauteile gab es bis dato keine bauaufsichtliche Zulassung. Auch wurden zahllose Tests mit den Holzklebstoffen gemacht - im Freien "bewittert", also Hitze, Kälte, Dampf und Nässe ausgesetzt. Die oberste Bauaufsicht beim Wirtschaftsministerium erteilte die endgültige Baugenehmigung. 

Kran steht für Goetheturm in Frankfurt bereit

Benedikt Max, Zimmerermeister, wird mit etwa sechs Kollegen drei jeweils 13 Meter hohe Tragkonstruktionen mit Stützen, Querstreben, Treppen, Außenwänden, Holmen und Geländern von einem rund 60 Meter hohen 50-Tonnen-Kran und zwei Arbeitsbühnen aus aufeinander stapeln. Mikado in groß. "Wir erledigen das meiste von außen" sagt Max. Obendrauf kommt die Aussichtskanzel, auch aus Eiche. Sie wird mit Kupferblech gedeckt. Max gefällt der Turm, obwohl es nicht der erste ist, den Amann baut. 

Die Stellfläche für den Kran ist bereits eingerichtet und "egalisiert", also eingeebnet. Sie liegt neben dem Turm, die Ausleger brauchen Platz. Darum muss die beliebte kleine Gastronomie im Holzpavillon nach "vorne" zum Parkplatz hin dichtmachen, kann aber den hinteren Außenbereich nutzen.

Goetheturm in Frankfurt: Gewichtiges "Goethe-Trumm"

Mächtig schwer wird das "Goethe-Trumm": Rund 35 Tonnen Stahl werden verbaut und machen ihn damit feuersicherer. Hinzu kommen etwa 72 Tonnen Edelkastanien- und 24 Tonnen Eichenholz. Nicht gewogen wurden etliche Kilogramm innenliegender Stabdübel sowie Schrauben aus Edelstahl. "Spax is' nicht", sagt Döbele. Das Wichtigste an der Konstruktion sei sowieso, dass nirgendwo Holz direkt auf Holz treffe. 

"Denn jedes Holz fault dann irgendwann nach Jahren aufgrund von Feuchtigkeit". Immer müsse alles durchlüftet sein. Und so liegen die Bodenbretter der Aussichtskanzel nicht direkt auf Stahlträgern, sondern auf geriffelten Kunststoffschienen. "Da kann Wasser gut ablaufen und die Luft zirkulieren."

Goetheturm in Frankfurt: Videoüberwachung und Stahlnetzmantel

Etwa 43 Meter hoch wird der Turm. Der Grundriss am Boden beträgt rund neun mal neun Meter, hoch droben zwischen den Baumwipfeln sind es sieben mal sieben Meter. 175 Stufen wird der Besucher bewältigen müssen, so er den Ausblick genießen will. Der alte Turm hatte 196, dazu unterschiedlich hohe. Die Tritthöhe ist nun bei allen gleich. Warum? "Es mindert das Unfallrisiko, falls einmal Menschen den Turm in einem Notfall schnell verlassen müssen", erklärt Volker Braun.

Apropos Sicherheit: Ab Beginn der Bauarbeiten wird das Gelände videoüberwacht und sofort nach der Fertigstellung der komplette Turm mit einem Stahlnetz ummantelt. Das soll die Aussicht aber nicht beeinträchtigen.

Und wie kommt nun das ganze "Gelersch" an den verträumten Waldesrand? "In etwa 15 Lastwagen einer uns vertrauten Spedition", sagt Döbele, der den engen Sachsenhäuser Landwehrweg von drei Ortsterminen her kennt. Am 6. Juli müssen etwa fünf Lkw durch, am nächsten Tag drei und der Rest folgt peu à peu. Aber das werden die Sachsenhäuser sicher verzeihen. Alles für den Turm! (Von Ute Vetter) 

Zwischendurch hatte es so ausgesehen, als würde sich der Wiederaufbau des Goetheturms in Frankfurt verzögern. Doch schnell stand fest: Der Goetheturm in Frankfurt wird im Juli aufgebaut*. 

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