Prozess

Krawalle auf dem Opernplatz in Frankfurt: Angeklagter erhält ungewöhnliche Strafe

Auf dem Opernplatz in Frankfurt kam es im Sommer 2020 zu Krawallen. Nun begann der Prozess gegen die Verdächtigen.
+
Auf dem Opernplatz in Frankfurt kam es im Sommer 2020 zu Krawallen. Nun begann der Prozess gegen die Verdächtigen.

Nach den Krawallen auf dem Opernplatz in Frankfurt hat der Prozess gegen die Verdächtigen begonnen. Ein 20-Jähriger sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt.

Update vom Donnerstag, 18.02.2021, 14.53 Uhr: Nach den Krawallen auf dem Opernplatz in Frankfurt in der Nacht auf den 19. Juli 2020 hat das Amtsgericht den ersten Täter verurteilt und wählte eine ungewöhnliche Strafe für ihn. Der 20-jährige Elyas T. musste sich wegen schweren Landfriedensbruchs, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

T. hatte in dieser Nacht eine zuvor eigenhändig geleerte Flasche Wodka nach den Einsatzkräften in Frankfurt geworfen, ohne zu treffen. Danach floh er mit bereits auf den Rücken gefesselten Händen und 1,17 Promille im Blut immerhin 550 Meter weit, ehe ihn Beamten einholten und zu Boden brachten. Schon bei seiner Festnahme beteuerte er allerdings: „Es tut mir leid!“

Krawalle am Opernplatz in Frankfurt: Angeklagter schreibt Entschuldigungsbrief

Der 20-Jährige war vor den Krawallen auf dem Opernplatz in Frankfurt nach Informationen der Frankfurter Rundschau* noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Seine Eltern hatten zwei Tage nach der Festnahme einen Brief an die Polizei in Frankfurt geschrieben, in dem sie sich „voller Entsetzen, Reue und Scham“ für das Verhalten ihres Sohnes entschuldigen, für das sie „keinerlei Verständnis“ hätten. Wenige Wochen später schickte Elyas T. dann auch selbst noch ein Entschuldigungsschreiben an Polizei und Stadtreinigung.

Der Staatsanwalt glaubte ihm, dass er sich damals in der Hitze der Nacht ohne Sinn, Verstand und Grund vom Wüten des Mobs in Frankfurt habe mitreißen lassen. Am Ende des Prozesses wurde T. nach Jugendrecht verurteilt und verwarnt. Er muss 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und 500 Euro an die Kinderhilfestiftung zahlen. Zudem gab ihm die Richterin eine besondere Auflage auf den Weg: Er muss binnen vier Wochen ein Buch lesen, in dem eine Polizistin, die wie T. auch einen sogenannten Migrationshintergrund hat, von ihrem Arbeitsalltag in Deutschland erzählt. Um die Lektüre zu beweisen, muss er der Referendarin der Richterin eine kurze Inhaltsangabe zukommen lassen. 

Krawalle am Opernplatz in Frankfurt: Prozess beginnt mit Geständnis

Erstmeldung vom Mittwoch, 17.02.2021, 14.50 Uhr: Frankfurt – Mit einem Geständnis des Angeklagten hat der erste Prozess um die Krawalle auf dem Frankfurter Opernplatz im Sommer 2020 begonnen. Vor dem Amtsgericht Frankfurt räumte der 20-Jährige am Mittwoch (17.02.2021) ein, im Juli 2020 eine Glasflasche in Richtung von Polizeibeamten geworfen zu haben. Er war wegen schweren Landfriedensbruchs, versuchter Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt.

Nach seiner Festnahme waren mehr als ein Promille Alkohol im Blut festgestellt worden. Vor diesem Hintergrund habe er sich zu der Tat hinreißen lassen, sagte der Angeklagte. Er gehörte seinerzeit zu insgesamt acht Menschen, die vorübergehend festgenommen worden waren.

Opernplatz in Frankfurt: Partyzone während Corona-Einschränkungen

Der Opernplatz im Herzen von Frankfurt hatte sich im vergangenen Sommer angesichts geschlossener Clubs und Diskotheken in der Corona-Pandemie zu einer Partyzone unter freiem Himmel entwickelt. Auch am Wochenende des Vorfalls hatten bis zu 3500 Menschen zunächst friedlich gefeiert. In den frühen Morgenstunden kam es dann zu den Angriffen auf die Beamten und ihre Fahrzeuge.

Dabei sollen laut Staatsanwaltschaft fünf Polizisten verletzt worden sein. Zudem sollen die Randalierer einen Sachschaden in Höhe von mindestens 14.600 Euro verursacht haben. Insgesamt wurden sieben junge Männer von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Das Verfahren gegen den 20-Jährigen will die Jugendgerichts-Abteilung des Amtsgerichts an nur einem Verhandlungstag abschließen. (dpa) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.