Studie

Mehr Angriffe auf Rettungskräfte – Aber es gibt auch gute Nachrichten

Rettungskräfte DRK Übergriffe Frankfurt
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Schon 2018 demonstrierten Rettungskräfte in Frankfurt gegen Übergriffe. Auch drei Jahre später ist das Thema noch aktuell. (Archiv)

Das Deutsche Rote Kreuz hat eine Studie vorgestellt, der zufolge Angriffe auf Rettungskräfte zunehmen. Doch es gibt auch positive Entwicklungen.

Frankfurt – Übergriffe gehören inzwischen zum Alltag von Rettungskräften, auch in Großstädten wie Frankfurt. Zu diesem Schluss kommt eine nicht repräsentative Studie des Deutschen Roten Kreuz (DRK).

In der Studie wurden insgesamt 425 Fragebögen von Rettungskräften aus dem Jahr 2019 ausgewertet. Gefragt wurde nach Erfahrungen aus den vergangenen 12 Monaten. Dabei erlebten 98,6 Prozent der Befragten Übergriffe, 1,4 Prozent machten keine Angaben dazu, wie häufig sie attackiert wurden. Meist waren dabei Männer (73,4 Prozent) betroffen, rund die Hälfte (49,6 Prozent) waren im Alter von 18 bis 29 Jahren.

Übergriffe auf Rettungskräfte auch in Großstädten wie Frankfurt ein Problem

Der Großteil der Übergriffe war verbaler Natur. Bei Mehrfachnennung erlebten 91,1 Prozent der Befragten Beleidigungen, 40 Prozent Einschüchterungen und 55,3 Prozent Androhungen von Gewalt. In rund einem Drittel der Fälle wurde es aber auch handgreiflich. 32,7 Prozent berichten von Schlägen und Tritten, 31,5 Prozent von Schubsen und 28 Prozent davon, angespuckt worden zu sein.

Der Ort scheint weitestgehend unabhängig von den Vorfällen. Ob Innenstadt (52,2 Prozent), „sozial problematische Wohngegend“ (51,8 Prozent), Großveranstaltung (47,1 Prozent) oder „bürgerliche Wohngegend“ (47,1): Übergriffe gibt es überall. In Rotlichtvierteln treten sie mit 8,2 Prozent auffallend selten auf.

Täter bei Angriffen auf Rettungskräfte meist männlich

Meistens ereigneten sich die Übergriffe in Städten mit 20.000 bis 100.000 Menschen (39,8 Prozent), lediglich 6,1 Prozent entfallen auf Großstädte wie Frankfurt mit mehr als 500.000 Menschen.

Der Großteil der Täter der Übergriffe war männlich (81,2 Prozent), nur 6,4 Prozent weiblich. Bei 12,5 Prozent gibt es keine Angaben zum Geschlecht. Meist waren Drogen oder Alkohol im Spiel, nach Einschätzung der Befragten in 57,4 Prozent der Fälle „eher häufig“ oder „immer“. Was auch dazu führt, dass 15,1 Prozent der Vorfälle nicht angezeigt werden. In 22,5 Prozent wird wegen „Belanglosigkeit“ von einer Anzeige abgesehen, in 15,7 Prozent, weil die Befragten eine Anzeige als „aussichtslos“ ansehen.

Rettungskräfte in Frankfurt kennen das Problem

Auch in Frankfurt kennen Rettungskräfte das Problem der Übergriffe, wie Pressesprecherin Caroline Bleschke auf Anfrage berichtet. Sie stellt klar, dass jeder Übergriff einer zu viel sei. Allerdings: „In der Regel handelt es sich jedoch um verbale Gewalt oder Geschubse. Massive Gewalt wie Schläge oder Gewalt mit Waffen ist eher die Ausnahme.“ Die Gewaltbereitschaft sei aber gestiegen. Das zeige sich in mehr Respektlosigkeiten und einer gestiegenen „Anspruchshaltung“ der behandelten Personen und von deren Angehörigen.

Um dem entgegen zu wirken, gebe es beim DRK Frankfurt bereits seit längerem Schulungen mit dem Schwerpunkt Deeskalation. Eine gute Nachricht gibt es jedoch. „Die Meldung von Übergriffen auf Rettungskräfte ist seit der Corona-Pandemie gleich null“, erklärt Bleschke. Auch zuvor sei die massive Gewalt die Ausnahme gewesen. (Marcel Richters)

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