Automatische Schranken

Nach Tod von 16-Jähriger: Gefährlicher Bahnübergang wird umgebaut

Nach dem tödlichen Unglück am Bahnübergang in Frankfurt-Nied will die Deutsche Bahn nun die Technik erneuern.
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Nach dem tödlichen Unglück am Bahnübergang in Frankfurt-Nied will die Deutsche Bahn nun die Technik erneuern. (Archivbild)

Nach dem tödlichen Unglück am Bahnübergang in Frankfurt-Nied will die Deutsche Bahn nun die Technik erneuern. Um die gefährlichen Stelle gibt es seit Jahrzehnten Streit.

Frankfurt - Das Entsetzen in Frankfurt und weit darüber hinaus war groß, als im Mai 2020 an dem Übergang Oeserstraße im Stadtteil Nied eine 16-Jährige von einem Zug erfasst und getötet wurde.

Viel größer noch war aber die Empörung, als die Ursache des Unglücks publik wurde: Eine Schrankenwärterin der Deutschen Bahn hatte die Bahnschranke von Hand geöffnet, möglicherweise in der falschen Annahme, dass der Unglückszug den Bahnübergang bereits in Richtung Mainzer Landstraße passiert habe. Zu diesem Ergebnis kam ein Gutachten der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung.* Gegen die Schrankenwärterin wird wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Bahnbetriebs ermittelt.

Dass die Schranken des vielbefahrenen Bahnübergangs noch manuell bedient werden müssen, hatte schon lange vor dem Unfall Anlass für Kritik geboten. Doch erst nach der tödlichen Kollision schienen die Stadt Frankfurt und die Deutsche Bahn* auf die Forderungen nach einer automatisierten Schrankenanlage zu reagieren. Nun sollen am Montag (18.10.2021) die Bauarbeiten zur „Erneuerung der technischen Sicherungsanlage“ des Bahnübergangs an der Oeserstraße in Frankfurt beginnen, wie die Deutsche Bahn mitteilt.

Der Bahnübergang in Frankfurt-Nied ist vielbefahren und wenig gesichert

Mehr als ein Jahr nach dem Unglück an der Oeserstraße in Frankfurt-Nied, bei dem auch eine Autofahrerin und ein Radfahrer schwer verletzt wurden, soll der Bahnübergang nun bis Jahresende technisch umfunktioniert werden. Die Schranken werden dann nicht mehr manuell von einem Schrankenwärter bedient, sondern schließen automatisch, sobald ein Zug kommt. Außerdem will die Deutsche Bahn Ampeln vor dem Bahnübergang installieren. Das Schließen der Schranken soll so getaktet werden, „dass sich der Straßenverkehr vor dem Bahnübergang weniger zurück staut“, kündigt die Deutsche Bahn in Frankfurt an.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung Frankfurt zusammen mit der Deutschen Bahn einen dreistufigen Plan für den Umbau des Bahnübergangs* vorgelegt, der außerdem unübersichtlich in einer Kurve an einer vielbefahrenen Kreuzung liegt. 250 Züge queren täglich diesen Übergang, der damit zu den am stärksten frequentierten in Frankfurt zählt.

Bauarbeiten am Bahnübergang Oeserstraße in Frankfurt: Autoverkehr muss umgeleitet werden

Die nun beginnenden Bauarbeiten bedeuten aber zugleich auch, dass es in Frankfurt-Nied zu Verkehrsbehinderungen kommen wird. Die Deutsche Bahn sperrt den Übergang voraussichtlich vom kommenden Montag (18.10.2021) an bis zum Freitag (03.12.2021). In dieser Zeit können Fußgänger und Radfahrer die Gleise über einen provisorischen Übergang queren. Der Autoverkehr wird über die Waldschulstraße und Mainzer Landstraße umgeleitet. Das Wärtergebäude samt Keller soll in dieser Zeit zurückgebaut und durch einen Container ersetzt werden, schreibt die Deutsche Bahn weiter.

Der Bahnübergang stand bereits vor dem tödlichen Unfall im Mai 2020 jahrzehntelang in der Kritik. Er ist einer der wenigen in ganz Deutschland, der noch manuell von einem Schrankenwärter vor Ort bedient wird. Außerdem ist er störanfällig und muss immer wieder zeitweise gesperrt werden. Nur zwei Monate nach dem Unfall war es im vergangenen Jahr erneut zu Problemen mit einer offenen Schranke gekommen.*

Bahnübergang Oeserstraße in Frankfurt-Nied: Automatisierte Schranken ab 11.Dezember in Betrieb

Die neuen automatisierten Schranken sollen laut Deutsche Bahn dann am 11. Dezember in Betrieb gehen. Damit sei der erste Schritt des Stufenplans abgeschlossen, so die Verantwortlichen in Frankfurt. „Im zweiten Schritt folgt der Bau einer Unterführung für die Fußgänger. In der letzten Stufe entsteht eine Unterführung für den Straßenverkehr“, heißt es bei der Deutschen Bahn. In der zweiten Hälfte der 2020er Jahre soll der Bahnübergang dann komplett ersetzt sein.

Ob die Deutsche Bahn den Zeitplan einhalten kann, ist jedoch fraglich. Die Bauarbeiten dürften kompliziert werden, da der Bahnübergang an der Oeserstraße in Frankfurt-Nied inmitten eines eng bebauten Wohngebiets liegt. Zudem befinden sich Privatgrundstücke noch im Weg, mit deren Besitzern sich die Stadt Frankfurt und die Deutsche Bahn erst einigen müssen.

Pläne für die Erneuerung des Bahnübergangs Oeserstraße in Frankfurt gibt es bereits seit den 1960ern

Auch auf die Anwohner dürften komplizierte und vor allem strapaziöse Zeiten in puncto Lärm zukommen. Denn: „Für die Arbeiten setzt die DB unter anderem Zweiwegebagger und Presslufthammer ein“, heißt es von den Verantwortlichen in Frankfurt. Die Arbeiten seien zwar tagsüber geplant, „erhöhter Lärm lässt sich dennoch nicht ganz ausschließen.“

Viele Frankfurter dürften allerdings froh sein, dass endlich Bewegung in die Causa Bahnübergang in der Frankfurter Oeserstraße kommt. Schon seit den 1960er Jahren liegen von Stadt und Deutscher Bahn konkrete Pläne vor, die Verkehrssituation zu verbessern, indem man den Übergang beseitigt und eine Unterführung errichtet. Doch das Projekt wurde immer wieder aufgeschoben. (Julian Dorn) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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