Krisengipfel

Alt-Sachsenhausen: Wirte schlagen Alarm – Droht das Aus für das Vergnügungsviertel?

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Ponyhof-Betreiber Thomas Winterscheid schlägt Alarm: Eine frühe Sperrstunde in Frankfurt Alt-Sachsenhausen wäre „sein Tod“

Im Frankfurter Amüsierviertel Alt-Sachsenhausen herrscht Alarmstimmung. Eine geplante allgemeine frühe Sperrstunde könnte für viele traditionsreiche Bars und Clubs drastische Konsequenzen haben.

  • In Frankfurt Alt-Sachsenhausen schlagen Clubbetreiber Alarm: Sie befürchten eine frühe Sperrstunde auch nach Ende der Corona-Einschränkungen.
  • Der Betreiber des Frankfurter Clubs „Ponyhof“ beruft jetzt einen „Kriegsrat“ ein.
  • Die Befürchtung: Die Club-Szene in Alt-Sachsenhausen stirbt aus, gewalttätige Auseinandersetzungen könnten sich auf ganz Frankfurt verlagern.

Frankfurt - Thomas Winterscheid ist in Alarmstimmung. Der Betreiber des Frankfurter Clubs Ponyhof, der neben dem üblichen Feierbetrieb Konzerte aufstrebender und alternativer Bands ausrichtet, fürchtet eine Vorverlegung der allgemeinen Sperrstunde. Nicht erst seit den Ausschreitungen Ende September 2020, als Betrunkene Polizisten verfolgt und mit Flaschen und Steinen beworfen hatten, diskutiert die Politik im Römer über eine allgemeine frühe Sperrstunde für das überregional bekannte Frankfurter Amüsierviertel.

Ponyhof-Betreiber fürchtet frühe Sperrstunde in Frankfurt Alt-Sachsenhausen

Gastronom Winterscheid fühlt sich in Sippenhaft genommen. Sein Club, gegründet 2009, leidet bereits unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie, ist seit März geschlossen. Damit könne er angesichts der Umstände noch leben, auch wenn ihn die fehlenden Einnahmen naturgemäß extrem treffen. Käme im Anschluss an die Krise jedoch eine frühere allgemeine Sperrstunde, dann wäre es „das Todesurteil“ für den Ponyhof - und für viele andere traditionsreiche Betriebe entlang der kopfsteingepflasterten Gassen im bekanntesten Partyviertel in Frankfurt.

Schon jetzt sei es Wettbewerbsverzerrung, dass die bereits bestehende Sperrstunde nur in Alt-Sachsenhausen generell gelte. Um 5 Uhr ist in Alt-Sachsenhausen Zapfenstreich, wohingegen sich Betriebe in anderen Stadtteilen in Frankfurt von der Sperrstunde befreien lassen können und von daher einen strukturellen Standortvorteil genießen. Damit könne Winterscheid noch leben, sagt er, schließlich war ihm das von Anfang an bewusst. Käme die allgemeine Sperrstunde allerdings bereits um 3 Uhr oder - wie aus Kreisen der Stadtpolitik im Römer zu hören - bereits um 1 Uhr, dann würde ein Großteil der Clubbetreiber vor dem Bankrott stehen, so der Ponyhof-Betreiber.

Sperrstunde: Gastronomen aus Frankfurt Alt-Sachsenhausen kommen zum „Kriegsrat“ zusammen

Deswegen kommt es am Dienstag (13.10.2020) zum „Kriegsrat“ der Gastronomen in der Klappergasse, berichtet Winterscheid. Neben ihm nehmen die Betreiber des Oberbayern und der Klapper 33 teil und wollen gemeinsam die nächsten Schritte besprechen. Ponyhof-Chef Winterscheid geht davon aus, dass sich zeitnah weitere Gastro-Betreiber aus Frankfurt Alt-Sachsenhausen anschließen werden. Sein dramatischer Hilferuf: „Ich kann meinen Laden nicht um 23 Uhr auf- und um 2 Uhr wieder zumachen. Das wäre das Ende.“

Winterscheid verweist darauf, dass kaum jemand pünktlich um 23 Uhr in Frankfurt Alt-Sachsenhausen stünde, um ein paar Stündchen zu feiern und direkt wieder ins Bett zu gehen. Das sei illusorisch. Vielmehr würden feierwütige Frankfurter sich in diesem Fall direkt in andere Stadtviertel auf den Weg machen, der Feierbetrieb in Alt-Sachsenhausen könnte aussterben, befürchtet der Gastronom: „Dann gehe ich doch gleich in einen Club woanders, der bis 7 Uhr geöffnet hat.“

Eine frühe Sperrstunde in Alt-Sachsenhausen könnte Probleme auf ganz Frankfurt verlagern

Dass es in Alt-Sachsenhausen immer wieder zu gewalttätigen Begegnungen kleiner hoch alkoholisierter Grüppchen mit der Polizei* komme, das wolle Winterscheid gar nicht bestreiten. Aber er frage sich, welchen Sinn es hätte, die gesamte feiernde und trinkende Gemeinde im Vergnügungsviertel gleichzeitig auf die Straße zu schicken - Ausschreitungen wären so erst recht vorprogrammiert. Vielmehr fordert der Ponyhof-Betreiber eine generelle Abschaffung von Sperrstunden. Diese gäbe es in Weltstädten wie New York und Barcelona auch nicht, dort würden sich die Leute vielmehr nach und nach und somit in der Menge verstreut auf den Weg nach Hause machen.

Stünden hingegen alle gleichzeitig auf der Straße, gäbe es für die Feiernden die Möglichkeit, betrunken in einen anderen Stadtteil weiterzuziehen oder gleich auf den Straßen vor den Clubs weiter zu feiern - keine schönen Vorstellungen, bedenkt man die immer wieder gewalttätigen Ausschreitungen am Opernplatz in Frankfurt. Winterscheid befürchtet, dass die Randale Frankfurt nicht verlassen würde, würde Alt-Sachsenhausen früher abgeriegelt. Vielmehr würden sich alkoholschwangere Auseinandersetzungen „in die ganze Stadt verlagern“, was der Polizei einen Bärendienst leisten würde. Schließlich würde das Problem mit der frühen Sperrstunde nicht beseitigt, sondern lediglich auf eine bestimmte Uhrzeit konzentriert - wenn überhaupt.

Befürchtung: Die frühe Sperrstunde für Frankfurt Alt-Sachsenhausen kommt durch die Hintertür

Winterscheid wolle der Politik nichts unterstellen, sagt der Ponyhof-Betreiber. Aber es wirke so, als ob die Aufregung um die derzeit bestehende Corona-Sperrstunde genutzt werden solle, um die allgemeine frühe Sperrstunde in Alt-Sachsenhausen unter dem Radar der Öffentlichkeit klammheimlich durchzusetzen: „Die denken sich: Im Zuge der Corona-Pandemie bekommt das eh niemand mit.“

Versuche, Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) zu einem Kommentar zu befragen waren bisher nicht erfolgreich. (Von Mirko Schmid)

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