Rassismus

Anschlag von Hanau: Zoff um Filmprojekt ‒ Angehörige üben heftige Kritik

Gäste sitzen zu Beginn einer Gedenkfeier für die Opfer von Hanau im Congress-Park-Hanau.
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Gäste sitzen zu Beginn einer Gedenkfeier für die Opfer von Hanau im Congress-Park-Hanau.

Ein für schlechte Filme bekannter Regisseur verfilmt den Anschlag von Hanau. Angehörige und die Stadt kämpfen weiter gegen das Projekt an und wollen „alle Hebel in Bewegung setzen“.

Hanau - Die Kritik von Opfer-Familien an dem Filmprojekt des Regisseurs Uwe Boll über den rassistisch motivierten Anschlag* in Hanau vor gut einem Jahr reißt nicht ab. Armin Hamza Kurtovic, Vater des ermordeten Hamza Kurtovic sagte im „Spiegel“: „Ich werde alles dafür tun, um zu verhindern, dass sich Bolls Fantasie über rechte Täter als das wahre Schicksal von meinem Sohn bei den deutschen Zuschauern einbrennt.“

Cetin Gültekin, der Bruder des ermordeten Gökhan Gültekin, fügte hinzu: „In meinen Augen tötet er mit dieser Verunglimpfung meinen Bruder ein zweites Mal.“ Die Mutter von Sedat Gürbüz sagte: „Er hat uns nicht gefragt. Der darf das nicht. Der war nie hier.“ Die Angehörigen und die Stadt Hanau haben sowohl mit einem offenen Brief als auch mit der Drohung, Anzeige zu erstatten, sollten etwa Persönlichkeitsrechte der Opfer im Film verletzt werden, auf das Projekt reagiert.

Stadt will Ausstrahlung von Film über Anschlag von Hanau verhindern

Der Oberbürgermeister von Hanau*, Claus Kaminsky (SPD), solidarisierte sich mit den Angehörigen: „Diesen unsäglichen Film will in Hanau niemand. Nicht die Angehörigen, nicht die politischen Gremien, nicht die Stadtgesellschaft“, zitierte ihn der „Spiegel“. „Wir werden gemeinsam alle Hebel in Bewegung setzen, um die Ausstrahlung zu verhindern.“ Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen, bevor er vermutlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Der Anschlag hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Der Film über den Anschlag von Hanau ist dem Bericht zufolge bereits abgedreht und befindet sich in der Postproduktion. Regisseur Uwe Boll schildert darin die Tatnacht aus der Perspektive des Täters. „Die Angehörigen und ich, wir arbeiten doch beide an Aufklärung und Fehlerbehebung“, zitierte ihn der „Spiegel“. Er hätte das Projekt auch realisiert, wenn die Opferfamilien die Gelegenheit gehabt hätten, ein Veto einzulegen. „Die Angehörigen, die diesen Film sehen wollen, werden ihn, so weh er tut, am Ende begrüßen. Da bin ich mir sicher.“

Film über Anschlag von Hanau: Regisseur Boll in Branche nicht anerkannt

Mitte März hatten die Stadt Hanau und die Opfer-Familien in einem Offenen Brief gefordert, die Vorbereitungen für den Film über den Anschlag von Hanau einzustellen und auf die Dreharbeiten zur Realisierung dieses Films zu verzichten. Boll gilt in der Branche als schlechter Regisseur, er und seine Werke wurden bereits mehrfach für den Negativ-Preis „Goldene Himbeere“ nominiert. Er „gewann“ ihn 2009 sowohl für diverse Filme als auch in der Kategorie „schlechtestes bisheriges Lebenswerk“. (ial mit dpa) *op-online.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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