Terror in Hanau

Anschlag in Hanau: Gedenkfeier wird im Live-Stream übertragen - Merkel: „Rassismus ist ein Gift“

Menschen stehen an einem der Tatorte des Anschlags von Hanau vor einer Shisha-Bar am Heumarkt, wo sie mit Blumen, Plakaten und Kerzen ihre Trauer zum Ausdruck bringen.
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Menschen drücken an einem der Tatorte des rassistischen Anschlags von Hanau ihre Trauer aus. (Archiv)

„So eine Tat darf nie wieder geschehen“: Zum ersten Jahrestags des Anschlags von Hanau wird auf einer Gedenkfeier an die Opfer erinnert und zum Kampf gegen Rassismus und Hass aufgerufen. 

Hanau ‒ Ein Jahr nach dem rassistischen Terroranschlag in Hanau sind noch viele Fragen offen. Erkenntnisse um eine mögliche Panne beim Polizei-Notruf in der Tatnacht in Hanau oder einen verschlossenen Notausgang, der mutmaßlich Leben kostete, wirbeln die Erinnerungen und die Erschütterung an das furchtbare Attentat immer wieder auf. Zum ersten Jahrestag stehen in der Stadt, in ganz Hessen und in weiten Teilen Deutschlands die Erinnerung an die Opfer und die Mahnung gegen Rassismus und Hass im Mittelpunkt.

Zu diesem Anlass werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) gemeinsam in einer Gedenkfeier an die neun Opfer der rassistisch motivierten Tat erinnern. Das verkündeten Stadt und Land in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Bei der Gedenkfeier zum Jahrestag des Anschlags von Hanau* sollen demnach, neben der politischen Redner, auch die Familien der neun Opfer in Videoansprachen zu Wort kommen. „Deren Schmerz um ihren Verlust ist heute so groß wie am ersten Tag und wird niemals vorübergehen“, sagte Ministerpräsident Bouffier laut Mitteilung.

Erinnerung an den rassistischen Anschlag von Hanau - Der 19. Februar als Gedenktag

Für jedes der neun Opfer wird bei der Gedenkfeier am 19. Februar in Hanau eine beleuchtete Namenssäule auf der Bühne stehen. Um 19.02 Uhr sollen dann alle Glocken der Stadt zum Gedenken läuten. „Wir wissen, dass am 19. Februar Menschen aus Hessen, Deutschland und der ganzen Welt wieder nach und auf Hanau schauen werden“, erklärt Oberbürgermeister Claus Kaminsky, „Den 19. Februar als Gedenktag zu verankern, ist meine Pflicht, ist aus wichtigen Gründen die Pflicht der Stadt Hanau.“ An diesem Tag hatte der 43-jährige Täter aus rassistischen Motiven eine Frau und acht Männer ermordet. Der Mann hatte zuvor Schmähschriften und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht.

Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Gedenkfeier zum rassistischen Anschlag von Hanau* nur mit rund 50 geladenen Gästen im Congress Park Hanau stattfinden. Daneben gibt es am Gedenktag viele Aktionen gegen Rassismus in Hanau, an denen sich Vereine, Unternehmen, Schulen, Religionsgemeinschaften und andere beteiligen. Auf der Seite hanau‑steht-zusammen.de möchte die Stadt Hanau ein digitales Denkmal eröffnen. „Zum Gedenken an die Opfer, die keine Fremden waren“, heißt es von der Stadt. Auf dieser Plattform wird die offizielle Gedenkfeier zum Jahrestag auch im Livestream übertragen. Los geht es am Freitag, 19.02.2021 um 17.30 Uhr.

Gedenken an Hanau: Kanzlerin Merkel ruft zum Kampf gegen Rassismus auf

Das digitale Denkmal und jährliche Gedenken müsse außerdem als Mahnung verstanden werden, dass ein derartiger rassistischer Anschlag*, wie Hanau ihn erleben musste, nie wieder geschehen dürfe, so Kaminsky. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nutzt den Anlass, erinnert in ihrem wöchentlichen Podcast an die Opfer des Anschlags von Hanau und ruft nachdrücklich zum Kampf gegen Rassismus auf.

„Es war ein Verbrechen aus Hass, aus rassistischem Hass“, sagte die Kanzlerin, „Rassismus ist ein Gift. Der Hass ist ein Gift“. Merkel versprach: „Wir stellen uns denen, die versuchen, Deutschland zu spalten, mit aller Kraft und Entschlossenheit entgegen.“

Gedenken an die Opfer von Hanau: „Der Mörder hat sie nicht gekannt“

Merkel nannte in ihrer Videobotschaft alle Opfer mit Namen: „Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu.“ Der Mörder habe sie nicht gekannt, „er hasste sie nur wegen ihres Aussehens, der Herkunft ihrer Familien, weil sie Einwanderer oder die Kinder von Einwanderern waren“, sagte sie. Die Trauerfeier und die Gespräche mit den Familien der Opfer werde sie nie vergessen.

Merkel wies darauf hin, dass die Bundesregierung bereits mehrere konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus umsetze. Die Sicherheitsbehörden würden neu aufgestellt und gestärkt, Opfer besser unterstützt und die demokratische Zivilgesellschaft gefördert. Und auch in Hessen haben Landesregierung und Sicherheitsbehörden bereits unmittelbar nach dem rassistischen Anschlag vor einem Jahr Hilfs- und Begleitangebote für die Überlebenden und die Hinterbliebenen der Opfer angestoßen und bestehende Präventionsprogramme des Landes weiter ausgebaut. So arbeitet auch beispielsweise die „Initiative 19. Februar Hanau“ Tag für Tag an der Aufarbeitung des schrecklichen Anschlags*. Ihre Forderungen sind vor allem Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen. (iwe) *op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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