Hauptbahnhof Frankfurt

Prekäre Lage im Bahnhofsviertel: Gastronomen klagen über aggressives Verhalten und Müll

Mitarbeiter der Stadtpolizei kontrollieren Drogenabhängige im Bahnhofsviertel in Frankfurt.
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Mitarbeiter der Stadtpolizei kontrollieren Drogenabhängige im Bahnhofsviertel in Frankfurt.

Gewerbetreibende und Gastronomen beklagen eine zunehmende Aggressivität im Bahnhofsviertel am Hauptbahnhof Frankfurt und sehen die öffentliche Sicherheit in Gefahr.

  • Gastronomen klagen über immer mehr Aggressivität im Bahnhofsviertel
  • Die Corona-Pandemie* habe die Situation am Hauptbahnhof Frankfurt* deutlich verschärft
  • Unternehmer sehen die öffentliche Sicherheit als nicht mehr gewährleistet

Frankfurt – Zeitweise wirkte das Viertel ein bisschen wie die Kulisse eines dystopischen Films. Als das öffentliche Leben wegen der Coronavirus-Pandemie Mitte März fast ganz zum Erliegen kam, war das Bahnhofsviertel am Hauptbahnhof Frankfurt gerade am Abend kaum noch wiederzuerkennen. Bars, Restaurants und Kioske geschlossen, keine Nachtschwärmer auf den Straßen.

Auf sich allein gestellte Drogenkranke und obdachlose Menschen, die wegen der Pandemie plötzlich viel weniger Betreuung und Unterstützung bekamen, prägten das Bild. Mittlerweile hat die Lage im Stadtteil sich halbwegs normalisiert.

Hauptbahnhof Frankfurt: Gastronomen aus dem Bahnhofsviertel schlagen Alarm

Dennoch schlagen Gastronomen und Gewerbetreibende aus dem Bahnhofsviertel in Frankfurt jetzt Alarm: In einer Resolution, die knapp 40 Unternehmerinnen und Unternehmer vor kurzem an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Polizeipräsident Gerhard Bereswill und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) geschickt haben, ist davon die Rede, dass gerade die Drogenabhängigen sich seit Corona stark im Viertel ausgebreitet hätten und wesentlich aggressiver seien. Auch Bettler seien verstärkt unterwegs, es sei an vielen Orten dreckig und kaum möglich, Abstandsregeln einzuhalten.

Die ohnehin von der Pandemie gebeutelte Gastronomie, die momentan langsam wieder eröffne, habe damit zu kämpfen, dass Gäste sich kaum noch trauten, sich an draußen stehende Tische zu setzen. „Die Sicherheit im Bahnhofsviertel ist nicht mehr gewährleistet“, schreiben die Unternehmer. Sie schließen ihre Resolution mit der Bitte, „das Viertel nicht aufzugeben und sich selbst zu überlassen und die öffentliche Ordnung wiederherzustellen“.

Bahnhofsviertel am Hauptbahnhof Frankfurt: Situation so schlecht wie „seit Jahren nicht“

Oberbürgermeister Feldmann sagte der Frankfurter Rundschau auf Nachfrage zu dem Schreiben, im Bahnhofsviertel herrsche derzeit „wirklich eine sehr bedrückende Lage“. Die Situation sei so schlecht wie „seit Jahren nicht“. Dass der Drogenhandel in Frankfurt floriere, sei allerdings keine Neuigkeit, so das Stadtoberhaupt. „Ebenso wie die Tatsache, dass es ein Geheimrezept dagegen nicht gibt.“ Der Frankfurter Weg in der Drogenpolitik habe die hohe Zahl von Drogentoten, die noch in den 90er-Jahren eine Realität gewesen sei, immerhin stark sinken lassen.

Dennoch müsse die Stadt Frankfurt jetzt schnell handeln, sagte Feldmann, dazu gebe es auch bereits Gespräche mit den zuständigen Dezernenten. Nötig seien etwa bessere Absprachen zwischen Stadt- und Landespolizei. Noch bis zu den Sommerferien sollten Konzepte vorgelegt werden, wie Sicherheit und Sauberkeit im Bahnhofsviertel verbessert werden könnten.

Hauptbahnhof Frankfurt: OB begrüßt Vorschlag von Gastronomen für das Bahnhofsviertel

Den Vorschlag der Gastronomen und Gewerbetreibenden im Bahnhofsviertel am Hauptbahnhof Frankfurt, in der Nähe der Kaiserstraße rund um die Uhr Sicherheitskräfte einzusetzen, begrüßte Feldmann. Er werde Ordnungsdezernent Frank bitten, ihn zu prüfen. „Meiner Meinung nach müssen wir neben mehr Sicherheitskräften im Viertel aber auch über mehr Unterstützung für soziale Organisationen im Viertel reden“, sagte Feldmann. Außerdem müsse man sich anschauen, „wie andere Städte in Europa mit dem Problem fertigwerden“. (Hanning Voigts)

Gerade im Bahnhofsviertel in Frankfurt, aber auch in der Innenstadt sind vor allem Obdachlose auf Hilfe angewiesen, teilweise ist die Stimmung aggressiv*. Der Ortsbeirat 1 hat online die Situation der Bedürftigen besprochen.

Ulrich Mattner ist als Vorsitzender des Gewerbevereins Bahnhofsviertel zurückgetreten. Dies nahm er zum Anlass, um die Drogenpolitik der Stadt anzuprangern. Laut Mattner habe sich der Zustand am Hauptbahnhof Frankfurt verschlimmert*.

*fr.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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